Aarau
Waffen-Depot im Estrich des Zelglischulhauses in Aarau entdeckt

Überraschender Fund im Estrich des Aarauer Zelglischulhauses: In einem Bretterverschlag rosten rund 300 einstige Kadettengewehre vor sich hin, sichtbare Zeugen einer längst verschwundenen Tradition in der Kantonshauptstadt.

Hermann Rauber
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Ausgerichtet, wie es sein muss, rosten die alten Gewehre vor sich hin

Ausgerichtet, wie es sein muss, rosten die alten Gewehre vor sich hin

Hermann Rauber

1972 schlug das letzte Stündlein für das einst stolze Aarauer Kadettenkorps. Der militärische Vorunterricht war zu einem Auslaufmodell geworden und wurde in die Organisation Jugend + Sport überführt.

Der kritische Geist der 68er-Bewegung stellte die seit 1789 bestehende Tradition infrage, den letzten Sargnagel setzte das Aaargauervolk mit seinem Ja zur Teilrevision des kantonalen Schulgesetzes, das anstelle des Kadettenwesens den Schulsport institutionalisierte.

Überlebt hat in Aarau einzig die Kadettenmusik als Bestandteil der Musikschule. Die Zeit der Kadetten, die 1972 als Anachronismus empfunden wurde, bleibt allerdings bei der älteren Generation in wacher Erinnerung.

Davon zeugen nicht nur Myriaden von Maienzug-Fotos mit dem durch die Stadt ziehenden Korps, selbstverständlich in Uniform und teilweise mit Gewehren bewaffnet, sondern auch Reminiszenzen von Ausmärschen, Lagern und Übungen der damaligen Bezirksschüler.

In einem Bretterverschlag

Damit die Ära nicht ganz verblasst, hatten drei ehemalige Kadettenmajore, nämlich Rainer Hoffmann, Kaspar Hangartner und Theo Schäfer, am letzten Maienzug-Vorabend die spontane Idee, in einer Schrift Personalien und Tätigkeiten des Aarauer Kadettenkorps aus der Versenkung zu holen und damit ein Stück Stadtgeschichte zu illustrieren.

Im Zuge der Recherchen zu diesem Werk, das im nächsten Juni erscheinen soll, führte der Weg des Historikers auch in die weitläufigen Estrichräume des über hundert Jahre alten Bezirksschulhauses im Aarauer Zelgli.

Hier befindet sich in einem abschliessbaren Bretterverschlag das letzte Depot des einst stolzen Kadettenkorps. Es enthält zwischen 200 und 300 Karabinergewehre, teilweise noch mit Verschluss und Laufdeckel, die einst den Kadetten zu Schiessübungen und zur festlichen Parade am Maienzug dienten.

Als «Restanz» des ehemaligen militärischen Vorunterrichts gehören die Gewehre mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Bund. Die Aussicht auf eine entsprechende Rückforderung aus Bern ist allerdings gering. Offen ist die Frage, was mit den Waffen auf dem Schulhausestrich geschehen soll.

Auch etliche Uniforme lagern unter dem Dach

Unter dem Dach des Zelglischulhauses lagern aber auch etliche Uniformen aus früheren Tagen sowie vier Offiziersdegen und ungezählte Bajonette oder Patronentaschen. Das in Vergessenheit geratene Material ist bei der Auflösung des Kadettenkorps offenbar in höchster Eile an diesem Ort «entsorgt» worden.

Dazu gehören auch einige (nicht mehr spielbare) Instrumente der Kadettenmusik. Auf einer Kartonschachtel mit sonstigen Akten der Bezirksschule steht noch ein Wanderpokal für die Sieger im Handballmatch zwischen dem Leiterteam und einer Schülermannschaft im Rahmen der Kadettenlager, gestiftet von der Küchenmannschaft aus dem Jahre 1960.

Schwierige Spurensuche

Im Stadtmuseum im Schlössli ist die Spurensuche nicht ergiebiger. «Eine komplette Originaluniform des Kadettenkorps haben wir leider nicht in der Sammlung», erklärt Sylvia Jufer auf Anfrage. Als Objekte vorhanden seien aber noch Uniformbestandteile, Kopfbedeckungen, Säbel oder Ledertäschchen.

Ein Teil der Uniformen ist laut Jufer zur Reparatur beim Textil-Restaurator. Einzig in der historischen Foto-Sammlung des Stadtmuseums nimmt das Kadettenwesen den gebührendem Raum ein.