Aargauer Kantonsbibliothek, 21 Uhr. Es ist mucksmäuschenstill. Nein, die Bibliothek ist noch geöffnet. Aber hier wird gelernt. Hin und wieder ein Rascheln, wenn in den Unterlagen geblättert wird. Kaum hörbar das Tippen auf der Laptop-Tastatur. Ansonsten dringt kein Laut durch den Saal. Rund zehn Leute sitzen im eigentlichen Bibliotheksteil an den Tischen, im separierten Lernsaal nebenan sind es ebensoviele. Studentinnen und Studenten in der Prüfungsphase, umgeben von Ordnern, Büchern, Papierwusten, Computern, Schreibzeug. So sieht Konzentration aus.

Es ist Donnerstagabend. Wie schon an den drei Donnerstagen zuvor bietet die Aargauer Kantonsbibliothek heute eine «Lange Nacht des Lernens» an, statt bis 20 Uhr ist sie heute bis 22 Uhr geöffnet. Kaffee, Schokolade und Traubenzucker sind inklusive, kostenlos. Zwei junge Männer und eine junge Frau tauchen aus der Versunkenheit auf, lösen sich von der Materie und schieben das Lernmaterial von sich. Pause machen. Raus an die frische Luft.

Die drei sind zwischen 20 und 23 Jahren alt, wohnen in Aarau und Muri. Sie studieren Recht an der Uni Zürich. Die 500 Arbeitsplätze der Rechtswissenschaftlichen Bibliothek in Zürich seien während der rund einmonatigen Lernphase stets komplett besetzt, sagen sie. Hier in Aarau stünden die Chancen besser, einen Platz zu ergattern. Sie schätzen die erweiterten Öffnungszeiten sehr, «jede Stunde, die länger geöffnet ist, nützt», sind sie sich einig. Auch wenn sie das Angebot gerne mehrmals die Woche in Anspruch nehmen würden. Aber immerhin.

Muzaffer Sahin ist 34, er studiert Bauingenieurwesen in Burgdorf. Auch ihm raucht der Kopf, er lässt sich einen Kaffee raus, schnappt sich etwas Schokolade. Er ist froh über diese langen Donnerstage in der Aargauer Kantonsbibliothek, an den übrigen Tagen fährt er von Suhr nach Burgdorf. Dort lernt er an der Schule. In Suhr zu bleiben, sei keine Option, meint er: «Zu Hause lerne ich so wenig. Stattdessen gehe ich gleich in den Ausgang.» Er macht sich zurück an seinen Tisch, nippt am Kaffee. Und taucht wieder ab.

Es ist dies bereits das zweite Mal, dass die Kantonsbibliothek während der Prüfungszeit jeweils donnerstags länger geöffnet hat. Mehr verlängerte Abende, sagt Andrea Voellmin, Leiterin Bibliothek und Archiv Aargau, seien momentan nicht möglich, da das Personal dafür nicht vorhanden sei. In Zukunft wäre es aber denkbar, dass zwei Lernabende angeboten würden.

Es ist 22 Uhr, der 28-jährige Michael Peter hat seine Sachen zusammengepackt und macht sich auf den Heimweg. Er absolviert in Aarau die Maturitätsschule für Erwachsene. Zwei Lernabende in der Woche würde er begrüssen: «Zweimal in der Woche wäre super. Das Lernumfeld ist hier ideal.»

Die «Lange Nacht des Lernens» in der Kantonsbibliothek findet am 16. Juni noch einmal statt (bis 22 Uhr).