Die SVP Unterentfelden stellt sich gegen Fusionspläne: Sie empfiehlt den Stimmbürgern den Kredit für die Ausarbeitungsphase der Fusionsprojekte «Zukunftsraum Aarau» (153'500 Franken) zur Ablehnung. Der Entscheid sei einstimmig gefallen, sagt Ortsparteipräsident Martin Lötscher.

Zwar waren an der Parteiversammlung nur gut 15 Prozent der rund 50 Mitglieder anwesend. An den Ergebnissen der Grossratswahlen sieht man jedoch, dass die SVP die mit Abstand wählerstärkste Partei in Unterentfelden ist.


Der Unterentfelder Gemeinderat stellt sich hinter den Kredit. SVP-Vizeammann Kurt Häfliger legte seinen Parteikollegen denn auch dar, weshalb das so ist, stand aber auf verlorenem Posten. «Die Meinungen der Parteimitglieder reichten von mehrheitlich ablehnend bis klar ablehnend», sagt Parteipräsident Lötscher.


Man zweifle daran, dass «steuerliche Einsparungen sowie positive finanzielle Veränderungen» wahrscheinlich seien. Auch wolle die SVP nicht, dass die Bevölkerung weniger direktes Mitspracherecht am Gemeindegeschehen habe (die fusionierte Grossgemeinde würde mit Sicherheit einen Einwohnerrat und keine Gemeindeversammlung haben). «Die Nähe der Behörden zur Bevölkerung ist wichtig und soll einer lebendigen Gemeinde erhalten bleiben.»

Man befürchtet auch, als kleinere Gemeinde neben grossen Fusionspartnern nicht genügend wahrgenommen zu werden und Dienstleistungen zu verlieren. Martin Lötscher schildert, wie er die Stimmung im Dorf wahrnimmt: «Die Dienstleistungen verschwinden immer mehr aus dem Dorfkern. So gibt es in Unterentfelden keinen Hausarzt mehr. Wir befürchten, dass nach einer Fusion auch die Gemeindeverwaltung aus dem Dorf verschwindet.»


Zwar könnten durch eine Fusion Synergien genutzt werden, so Lötscher. Die SVP habe denn auch nichts dagegen, dass die Gemeinden vertiefter zusammenarbeiten. «Aber dazu braucht es weder eine Fusion noch teure Fusionsabklärungen mit unklarem Ausgang.»

Freisinn und SP wollen vertiefte Abklärungen

Die FDP, gemäss Grossratswahlen zweitstärkste Kraft in Unterentfelden und grösste Ortspartei, befürwortet den Zukunftsraum-Kredit. Das bestätigt Ortsparteipräsident Patrik Herzog. Man finde es sinnvoll, erst dann definitiv Ja oder Nein zu sagen, wenn die genauen Umstände, Vor- und Nachteile einer Fusion bekannt seien. «Während der Ausarbeitungsphase zum Zukunftsraum, welche rund drei Jahre dauert und in drei Teilphasen unterteilt ist, werden die Auswirkungen einer Fusion genau geprüft, um den Stimmberechtigten eine fundierte Entscheidungsgrundlage vorlegen zu können.»

Dieses Vorgehen begrüsse der Vorstand der FDP Unterentfelden. «Mit Abschluss jeder Teilphase kann die Gemeindeversammlung zudem bestimmen, ob sie weitermachen oder aus dem Projekt aussteigen möchte. Bei einem Ausstieg wird der Kredit anteilsmässig zurückerstattet. Dadurch wird die Basis für einen in der Bevölkerung abgestützten Entscheid geschaffen.»


Die SP, die zwar den Gemeindeammann stellt, aber keinen Ortsparteipräsidenten hat, lässt ausrichten: Man habe keine eigentliche Parole gefasst; informell sei man sich aber weitgehend einig, dass man den Kredit unterstütze. Es sollen weitergehende Abklärungen getroffen werden, bevor man einen definitiven Entscheid pro oder kontra Fusion fälle.

Gemeinsam haben SP und FDP in Unterentfelden mehr Wähler als die SVP. Die Ausgangslage für die Gemeindeversammlung am 25. November ist also spannend. Gleichzeitig entscheiden Oberentfelden und Densbüren über den Kredit, Suhr am Vorabend.