Aarau
«Waage»-Wirt hat Meinung zu Rauchergesetz geändert: «Heute gehts mir besser»

«Waage»-Wirt Erich Frensdorff aus Aarau hat eine harte Zeit hinter sich. «Beinahe sind wir gestorben», sagt er, als die Waage. Doch nun ist er rauchfrei zufrieden

Sabine Kuster
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Seine Gäste rauchen seit fünf Jahren draussen: Wirt Erich Frensdorff hält einen Eimer mit den vor der «Waage» eingesammelten Zigarettenstummeln in der Hand. kus

Seine Gäste rauchen seit fünf Jahren draussen: Wirt Erich Frensdorff hält einen Eimer mit den vor der «Waage» eingesammelten Zigarettenstummeln in der Hand. kus

Sabine Kuster

Nein, die «Waage» ist kein Raucherlokal. Schon seit fünf Jahren nicht mehr. Wirt Erich Frensdorff hat sich gestern zu Recht bei der Aargauer Zeitung gemeldet und dies korrigiert. In einem Artikel über die neu rauchfreie 90°-Bar an der Bahnhofstrasse war die «Waage» als eines der letzten Raucherlokale genannt worden. Das hat Erich Frensdorff geärgert, denn das neue Rauchergesetz hat ihm als Wirt fast das Genick gebrochen. «Wir sind fast gestorben», sagt der Wirt.

Es war die Lüftung, die ihm bei der Gesetzesänderung vor fünf Jahren verunmöglichte, ein Raucher-Lokal zu bleiben. Eine Viertelmillion Franken hätte der Einbau gekostet, sagt Frensdorff, zu viel für den Betrieb.

Also wurde die «Waage», obwohl noch eine Beiz im ursprünglichen Sinne und voller rauchender Gäste, rauchfrei. Die ersten drei Jahre seien schrecklich gewesen, sagt Frensdorff.

Der Umsatz brach um 35 Prozent ein. Er konnte es sich nicht mehr leisten, den ganzen Tag offen zu haben. Es ging lange, bis es sich in den Köpfen der Aarauer festgesetzt hatte, dass die «Waage» nicht mehr verqualmt ist, und neue Gäste kamen.

Keine Brandlöcher mehr

Aber: «Heute geht es mir besser als vorher», sagt der Wirt. «Wir haben mehr Frauen als früher, denn die haben offenbar eine feinere Nase und stören sich eher am Rauch.»

Zudem müsse er selbst nicht mehr ständig die stinkenden Kleider wechseln und nicht mehr jährlich das Lokal neu streichen. Auch Brandlöcher habe er keine mehr. Und: «Die Gäste-Statik ist weg.»

Er meint damit, dass die Raucher oft nach draussen gehen und ihre Plätze frei geben. Wenn sie zurückkommen, setzen sie sich oft woanders hin. So seien neue Freundschaften entstanden. Die eingeschworenen Rauchertische gibt es nicht mehr. «Dafür muss ich das Geld jeweils grad einziehen, sonst finde ich die Leute nicht mehr», sagt Frensdorff und lacht.

Vehement hat er sich damals gegen die Gesetzesänderung gewehrt. In einer Protestaktion hat er am 1. Mai 2010 zwei grosse Abfallsäcke mit gesammelten leeren Zigarettenschachteln vor seiner Beiz ausgeleert.

Er hätte sie am selben Tag wieder eingesammelt, sagt er, aber Polizei und Stadtbauamt waren schneller. 600 Franken hat er für die Aufräumkosten bezahlen müssen, plus eine Busse.

Zeitgeist hat geändert

Doch nun ist Frensdorff, neben Speck der älteste Wirt in der Altstadt, versöhnt. «Das Raucherlokal wird sterben», sagt er. Während zwar viele seiner Gäste sofort wieder drinnen rauchen würden, wenn sie denn dürften, sagt er: «Die Jungen wachsen mit rauchfreien Restaurants auf, die sind das gewöhnt.»

Dass «90°»-Wirt Michel Gayret sein Lokal nun freiwillig rauchfrei macht, findet er nur logisch: «Er hats gecheckt. Aber er soll wissen: Der Wechsel dauert lange und ist hart.»

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