Kantonsspital Aarau

VR-Präsident Funk will Amt 2016 abgeben – auch ohne Rücktritts-Forderung

«Selbstverständlich haben wir ein Sanierungskonzept»: KSA-VR-Präsident Funk wehrt sich gegen die Vorwürfe von SVP-Glarner.

«Selbstverständlich haben wir ein Sanierungskonzept»: KSA-VR-Präsident Funk wehrt sich gegen die Vorwürfe von SVP-Glarner.

Funk und Glarner kreuzten am Dienstagabend in der Sendung «Talk Täglich» auf Tele M1 die Klingen. Sehen Sie die besten Momente in unserem Zusammenschnnitt.

Weil das Kantonsspital Aarau letztes Jahr 30 Millionen Verlust geschrieben hat, forderte SVP-Fraktionschef Andreas Glarner den Kopf von VR-Präsident Philip Funk. Der soll tatsächlich ersetzt werden, aber erst in einem Jahr.

Das Kantonsspital Aarau rutscht tief in die roten Zahlen. Die Jahresrechnung 2014 schliesst mit einem Defizit von rund 30 Millionen ab, Geschäftsleitung und Verwaltungsrat müssen ein Sanierungskonzept vorlegen. Das gab der Regierungsrat letzten Monat in der Beantwortung eines parlamentarischen Vorstosses bekannt.

Das Thema zieht weitere politische Kreise. Andreas Glarner, Präsident der SVP-Grossratsfraktion, fordert nun vom Regierungsrat die «umgehende» Absetzung von Spital-Verwaltungsratspräsident Philip Funk. Die Führungsspitze des Kantonsspitals scheine komplett überfordert, schreibt er in einer gestern eingereichten Interpellation. Neben seinem Hauptberuf als Anwalt mit über 40 Verwaltungsrats-Mandaten (unter anderem bei der AZ Medien AG, Herausgeberin der Aargauer Zeitung) sei Funk «offensichtlich nicht in der Lage, sich in genügendem Umfang dem Mandat beim Kantonsspital Aarau zu widmen».

SVP-Glarner fordert Rücktritt von Spital-Verwaltungspräsident

SVP-Glarner fordert Rücktritt von Spital-Verwaltungspräsident

SVP-Fraktionspräsident Andreas Glarner will, dass Philip Funk als Verwaltungsratpräsident des Kantonsspital Aarau zurücktritt. Glarner wirft Funk vor, mit seinem Mandat überfordert zu sein.

Wenn sich das Kantonsspital trotz des immensen Verlustes weiterhin «im grossen Stil» Sponsorings und Kulturengagements leiste, komme ihm die Führung vor «wie jemand, der auf einem sinkenden Schiff die Liegestühle neu gruppiert», schreibt Glarner.

Er verlangt in seiner Interpellation einen klaren Stellungsbezug des Regierungsrats, wer seiner Ansicht nach für das «finanzielle Debakel» die Verantwortung trage und ob er bereit sei, «zumindest» den Verwaltungsratspräsidenten auszuwechseln und an der Generalversammlung im Juni den anderen Verwaltungsratsmitgliedern die Décharge zu verweigern.

Funk soll 2016 ersetzt werden

Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli ging gestern auf Anfrage nicht materiell auf die Vorwürfe und Forderungen ein – der Regierungsrat werde «die Interpellation fristgerecht beantworten». Hingegen gab sie bekannt, dass sowieso eine Neubesetzung des Verwaltungsratspräsidiums des Kantonsspitals Aarau vorgesehen ist – und zwar auf Ablauf der ordentlichen Amtsdauer Mitte 2016.

Es sei «im Sinn einer gestaffelten Ablösung» immer klar gewesen, dass nach der – nunmehr erfolgten – Neubesetzung des CEO-Postens auch die «ohnehin anstehende Neubesetzung des VR-Präsidiums in Angriff genommen wird», so Hochuli. Philip Funk ist zwar schon seit der Verselbstständigung der Kantonsspitäler 2004 Verwaltungsratspräsident. Dass seine Ablösung «ohnehin ansteht», überrascht insofern dennoch, da er gemäss den Corporate-Governance-Richtlinien des Kantons 16 Jahre im Amt bleiben könnte.

Von Glarners Vorstoss und den Absetzungsforderungen hat Funk erst am Dienstagvormittag erfahren. Dass Glarner im Vorfeld nicht den Kontakt zu ihm gesucht habe, findet er bedauerlich: So komme bei ihm der Verdacht auf, es gehe Glarner «mehr um Publizität als um die Sache selbst». Es sei an anderen, zu entscheiden, ob er seine Sache als Verwaltungsratspräsident richtig mache, betont Funk.

Den Vorwurf, er vernachlässige diese Tätigkeit, weist er aber vehement von sich. Er nehme seine Funktion sehr ernst und nehme sich definitiv genügend Zeit dafür. Auch habe man schnell auf die Verluste des Kantonsspitals reagiert und schon seit letztem Herbst Gegensteuer gegeben.

«Sie haben ein Ausgabenproblem, Herr Funk»

Funk und Glarner kreuzten am Deinstagabend in der Sendung «Talk Täglich» auf Tele M1 die Klingen. Funk bestätigte dabei, dass seine Ablösung 2016 schon länger mit dem Regierungsrat abgesprochen sei. Gerade weil man jetzt in einer schwierigen Phase sei, stelle er sich an der Generalversammlung im Juni aber noch einmal zur Wahl, denn er wolle seine Verantwortung wahrnehmen. Das Kantonsspital Aarau sei aber keineswegs ein Sanierungsfall.

Der operative Verlust habe sich letztes Jahr von den ursprünglich erwarteten gut 18 auf 12 Millionen verringert. Dass nun dennoch ein Defizit von sogar 30 Millionen ausgewiesen wird, sei vor allem auf zusätzliche Rückstellungen wegen des offenen Tarifstreits zurückzuführen: Das Kantonsspital macht sich darauf gefasst, den Krankenkassen und dem Kanton bis zu 20 Millionen zurückbezahlen zu müssen.

Auf die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen mochte Andreas Glarner in der von az-Inlandchef Stefan Schmid moderierten Diskussion gar nicht gross eingehen. Für ihn steht fest: «Das Kantonsspital Aarau hat ein Ausgabenproblem.»

Wenn man vor der Herausforderung stehe, in den nächsten Jahren gegen 800 Millionen Investitionen zu stemmen, dürfe man ganz einfach keine Verluste produzieren und den Personalbestand derart aufstocken und Projekte wie ein Ambulatorium in unmittelbarer Nähe zum Hauptstandort lancieren. Darum beharrte Glarner auf seiner Forderung: «Der Verwaltungsratspräsident muss entlassen werden.»

Muss der Verwaltungsratspräsident des KSA gehen? Sehen Sie hier die ganze «TalkTäglich»-Sendung zum Thema.

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