Er hatte es stets auf Nintendo-Geräte abgesehen. Nicht, um selber damit zu spielen, sondern um durch den Verkauf der Spielkonsolen seinen Lebensunterhalt ein Stück weit zu finanzieren.

Das Vorgehen war immer das gleiche – bei M Electronics im Wynecenter in Buchs, im Media Markt im Gais-Center in Aarau und im Media Markt in Oftringen: Er entfernte die Diebstahlsicherung und steckte die Geräte – zwischen Mitte März und Ende Mai 2018 insgesamt rund 15 an der Zahl – in die Tasche.

Dann verliess er jeweils das Geschäft – ohne die Ware zu bezahlen. Diese hat er nach eigenen Angaben in Aarau und Olten am Bahnhof an Interessenten verkauft, angeblich für je 100 Franken.

In Oftringen, zweieinhalb Monate nach dem ersten Fall, wurde der 29-jährige erwerbslose Schweizer, der ansonsten von der Sozialhilfe lebte, geschnappt. Das war am 29. Mai dieses Jahres. Zurzeit ist der Beschuldigte, der in der Vergangenheit zeitweilig stark drogenabhängig war, im Strafvollzug. Zur Verhandlung, die letzte Woche vor dem Bezirksgericht Aarau stattfand, erschien er deshalb in Begleitung eines Kantonspolizisten.

Der Staatsanwalt beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine Busse von 500 Franken. Er räumte ein, dass die Deliktsumme relativ niedrig sei. Allerdings handle es sich um einen Fall gewerbsmässigen Diebstahls. Ausserdem hielt der Staatsanwalt dem Beschuldigten mehrfache Geldwäscherei, mehrfaches In-Umlauf-Setzen von Falschgeld, geringfügige Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor.

Mit dem Verkauf der Spielkonsolen habe der Beschuldigte das Auffinden und Einziehen des Deliktguts vereitelt, was als Geldwäscherei zu qualifizieren sei, erklärte der Staatsanwalt. Er habe weiter an zwei Kiosken – in der Igelweid in Aarau und im Bahnhof Olten – mit falschen 50-Euro-Scheinen zu bezahlen versucht. (Der Beschuldigte selber will nicht gewusst haben, dass es sich bei den Noten, mit denen ein Kollege bei ihm Marihuana gekauft hatte, um Blüten handelte.) Und nach der Festnahme habe er auf dem Zofinger Polizeiposten mit einem Fusstritt den Thermostat eines Heizkörpers beschädigt.

«Noch zu wenig hart bestraft»

Massiv erschwerend, erklärte der Staatsanwalt, falle die Täterkomponente ins Gewicht: die Vorstrafen, die mangelnde Strafempfindlichkeit und das fehlende Interesse, sich zu ändern. In einem Zeitraum von zehn Jahren wurde der Beschuldigte unterschiedlicher Delikte wegen (Diebstahl, Hausfriedensbruch, Gewalt-, Waffen-, Verkehrs- und Drogendelikte) acht Mal verurteilt.

Daraus resultierten Freiheitsstrafen von insgesamt mehr als vier Jahren. Der Beschuldigte, sagte der Staatsanwalt, sei wiederholt sanktioniert worden, «aber offenbar noch zu wenig hart».

«Keine Geldwäscherei»

Der Verteidiger bestritt insbesondere die Gewerbsmässigkeit der Diebstähle und das Vorliegen von Geldwäscherei. Beim Verkauf des Deliktguts habe es sich bloss um eine straflose Selbstbegünstigung gehandelt. Die Einziehungsvereitelung, so der Verteidiger, sei für seinen Mandanten nicht von Bedeutung gewesen.

Auch unter Einbezug der Täterkomponente, befand der Verteidiger, genüge es, die Diebstähle und die Betäubungsmitteldelikte mit einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe und einer Busse von 250 Franken zu ahnden. Von den übrigen Vorhalten sei sein Mandant, der von Anfang an äusserst kooperativ gewesen sein, freizusprechen.

Das Gesamtgericht unter dem Vorsitz von Gerichtspräsidentin Bettina Keller-Alder fällte ein differenziertes Urteil. Es sprach den 29-Jährigen schuldig des gewerbsmässigen Diebstahls, der Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz und der geringfügigen Sachbeschädigung. Beim Inverkehrbringen falschen Geldes sprach das Gericht den Mann im ersten Fall frei, im zweiten dagegen schuldig.

Beide Kioskverkäuferinnen waren sensibilisiert und lehnten die falschen 50-Euro-Noten ab. In Aarau, so das Gericht, habe wohl kein Vorsatz vorgelegen. In Olten dagegen habe es der Beschuldigte einfach probiert, obwohl er geahnt habe, dass auch die zweite Note eine Fälschung sei. Vom Vorhalt der Geldwäscherei sprach das Gericht den Mann frei. Gestützt auf die geltende Lehre, teilte es in diesem Punkt die Sehweise der Verteidigung.

Das Gericht verurteilte den Mann unter Berücksichtigung einer gewissen Unbelehrbarkeit zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten, abzüglich der ausgestandenen Untersuchungshaft von 91 Tagen, und zu einer Busse von 250 Franken.

Zu lange in Haft gewesen

Im Raum stand auch die Frage, ob die 268 Tage ausgestandener Überhaft anrechenbar seien. Auslöser war ein separates Verfahren gewesen, bei dem es angesichts der Unbelehrbarkeit des Mannes um eine stationäre Massnahme («kleine Verwahrung») gegangen war.

Die Sicherheitshaft endete erst, als das Bundesgericht entschied, dass eine stationäre Massnahme nicht zulässig sei. Damit stellte sich die Entschädigungsfrage. Dieses Verfahren ist aber noch vor Obergericht hängig. Auch aus diesem Grund erklärte sich nun das Bezirksgericht in der Frage des Umgangs mit der Überhaft für nicht zuständig.