Aarau
Vorauszahlung wird auch in Aarauer Altersheimen fällig

Wer neu in die städtischen Alters- und Pflegeheime Herosé oder Golatti eintritt, soll künftig eine Vorauszahlung von 5000 Franken leisten. Die Stadt Aarau überarbeitet Taxreglement ihrer Altersheime – Neueintretende müssen zahlen.

Hermann Rauber
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Pflegerin mit Altersheim-Bewohner (Symbolbild)

Pflegerin mit Altersheim-Bewohner (Symbolbild)

Keystone

Wer neu in die städtischen Alters- und Pflegeheime Herosé oder Golatti eintritt, soll künftig eine Vorauszahlung von 5000 Franken leisten. Bis jetzt waren die beiden städtischen Altersheime die einzigen in der Region, die noch keine solche Vorauszahlung forderten.

Die Altersheime haben auf diese Massnahme zurückgegriffen, da immer mehr verstorbene Bewohner nicht genug Geld hinterlassen, damit die letzte Heimrechnung beglichen werden kann. Und die Erben bezahlen diese Kosten ebenfalls immer seltener, sodass die Pflegeheime teils hohe Ertrags-Ausfälle verzeichnen müssen. So waren im Alterszentrum Suhrhard vom Jahr 2014 Rechnungen von total 120 6000 Franken offen.

In Aarau kennt man ebenfalls Jahre mit hohen Verlusten, auch wenn 2014 keine zu verzeichnen waren. Deshalb passt der Stadtrat nun die Praxis an. Bisherige Bewohnerinnen und Bewohner sind von dieser Pflicht ausdrücklich nicht betroffen.

Gleichzeitig Totalrevision

Der Stadtrat beantragt gleichzeitig die Totalrevision des Taxreglementes. Die Überarbeitung der bisherigen Bestimmungen ist mit der dem kantonalen Pflegegesetz vom 1. Januar 2013 überfällig. Zudem habe sich, so der Stadtrat in seiner Botschaft an den Einwohnerrat, «die Entwicklung der Heimlandschaft in den letzten Jahren stark verändert». Die Behörde spricht von «branchenüblichen Anpassungen», die nun zwingend in die Revision des Aarauer Taxreglementes einfliessen müssten. Der Einwohnerrat wird an seiner nächsten Sitzung vom 11. Mai über das Geschäft befinden.

Geführt werden die beiden Alters- und Pflegeheime Herosé und Golatti seit Jahren durch die Abteilung Alter der Stadt Aarau. Die rechtlichen Grundlagen dazu sind das stadträtliche Reglement über die beiden Heime und die vom Parlament zu beschliessenden Bestimmungen über die Pflegetaxen.

Enthalten ist im jetzt auf dem Tisch liegenden Vorschlag auch die Bestimmung, wonach der Hotelpreis an den Stadtrat delegiert werden soll, der die entsprechenden Ansätze jeweils jährlich per 1. Januar im Rahmen des Budgets festlegt. Dieser umfasst die «Grundversorgung» wie Miete, Vollpension, Reinigung, Wäsche oder Strom und Wasser.

Mehr Lohn für Sonderleistungen

Eine Totalrevision mache, so der Stadtrat, «trotz einer Überprüfung der künftigen Gesellschaftsform bei den städtischen Heimen Sinn». Das betrifft unter anderem die finanzielle Regelung bei den Fristen nach einem Todesfall. Hier soll künftig nach der Räumung und Übergabe des Zimmers die Hoteltaxe nur noch maximal für zehn Tage fällig sein. Die bisherige Frist von fünf Wochen habe bei Angehörigen oft zu Unverständnis geführt und sei nicht mehr zeitgemäss.

Wenig Spielraum gibt es bei den Pflege- und Betreuungstaxen, die durch den Kanton festgesetzt werden. Bei den «Sonderleistungen» werden nach stadträtlichen Vorschlag der Stundenansatz des Personals von heute 40 auf 75 Franken erhöht, so zum Beispiel für Serviceleistungen des technischen Dienstes, für Begleitung bei Arztbesuchen oder Näharbeiten durch das Personal.

Leistungen sind vorgeschrieben

Im Grundsatz ist es so, dass die Heime ihre Betriebskosten aus den Taxen der Bewohnerinnen und Bewohner finanzieren, zusätzlich auch durch Einnahmen aus weiteren Dienstleistungen, privaten Spenden und öffentlich-rechtlichen Beiträgen, soweit diese gesetzlich vorgesehen sind. Ein Teil des Aufwands ist bisher pauschal in die Hoteltaxe eingerechnet worden, neu müssen solche Dienstleistungen separat ausgewiesen werden. Das eidgenössische Krankenversicherungsgesetz (KVG) und das kantonale Pflegegesetz schreiben jedoch explizit vor, welche Leistungen in den Tarifen enthalten sind. Das gilt auch für die Pflegekosten, die der Kanton den Gemeinden auszahlt.

Der Ansatz der reinen Hoteltaxe im Heim Golatti reicht von 125 Franken (Einer-Zimmer ohne Dusche) bis zu 260 Franken (Studio für zwei Personen) pro Tag. Im Herosé variiert der Betrag je nach Belegung und Komfort zwischen 105 und 220 Franken.

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