Aarau

Vorarbeiten für «Pont Neuf»: Unter der Kettenbrücke wird gebohrt

Diese orangefarbene Insel liegt noch bis etwa Ende Oktober unter der Kettenbrücke.

Diese orangefarbene Insel liegt noch bis etwa Ende Oktober unter der Kettenbrücke.

Unter der Kettenbrücke in Aarau laufen Vorarbeiten für den Bau des «Pont Neuf». Derzeit wird die Druckfestigkeit der Konstruktion der alten Kettenbrücke überprüft. Bald ist das Baugesuch bereit zur Publikation.

«Was machen die denn da?», hat sich wohl der eine oder andere Passant angesichts der orangefarbenen, mit Baumaschinen beladenen Insel unter der Kettenbrücke gefragt.

Seit mehreren Wochen sind die schwimmenden Vorrichtungen dort, oft kann man Männer bei der Arbeit beobachten. Aber womit sie genau beschäftigt sind, entzieht sich der Kenntnis der Vorbeigehenden und sorgt für Gesprächsstoff. Die az hat deshalb beim Kanton nachgefragt.

Laut Roberto Scappaticci, stellvertretender Sektionsleiter Brücken und Tunnel beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt, handelt es sich um Vorarbeiten für das Brücken-Neubauprojekt «Pont Neuf».

«Zum einen erstellen wir ein geologisches Gutachten des Erdreichs im Aareraum um die Kettenbrücke herum», sagt er. «Für das Detailprojekt müssen wir wissen, wie der Boden beschaffen ist, wie tief sich beispielsweise der Fels befindet.» Dafür werden bis zu dreissig Meter tiefe Bohrungen in den Aaregrund gemacht.

Neue Brücke, altes Fundament

Ausserdem wird der Zustand der alten Fundationen geprüft. Aus Kostengründen soll nämlich die neue Brücke «Pont Neuf» auf den Fundamenten der alten Kettenbrücke abgestellt werden. «Wir prüfen nun die Druckfestigkeit der sogenannten Caissons aus den 50er-Jahren», sagt Roberto Scappaticci.

Caissons sind Eisenbeton-Konstruktionen, die «wie ein umgekehrter Becher in den Flussgrund versenkt und in das Erdreich eingegraben wurden», so der Brückenexperte.

Die dadurch entstandenen Hohlräume dienten als Arbeitsräume und wurden schliesslich mit Beton ausgefüllt, sodass die Caissons nun die Fundation der Brückenpfeiler bilden.

Mittels Bohrungen will das BVU jetzt herausfinden, wie druckfest der Beton dieser Caissons ist. «Selbstverständlich werden die Bohrlöcher nachher wieder aufgefüllt», betont Scappaticci.

Es gibt schon Berechnungen

Doch warum werden diese Untersuchungen erst jetzt durchgeführt, nachdem das Volk den Baukredit für den «Pont Neuf» bereits bewilligt hat? Hat man bisher gar nicht gewusst, wie der Baugrund bei der Kettenbrücke aussieht?

Scappaticci winkt ab: «Die Experten haben für die Projektierung Daten von anderen geologischen Gutachten aus dieser Gegend herangezogen», sagt er. «Damit liessen sich erste statistische Berechnungen machen.»

Mit den aktuellen Bohrungen werden diese Daten lediglich verifiziert und vertieft. «Es macht schlicht keinen Sinn, 200 000 bis 300 000 Franken für Bohrungen auszugeben, solange die Stimmbürger und der Grosse Rat dem Projekt ‹Pont Neuf› nicht zugestimmt haben», erklärt der Brückenexperte.

Die Bohrungen sollen bis etwa Ende Oktober dauern. Danach werden die Daten ausgewertet und das Baugesuch erstellt. «Es wird voraussichtlich im November aufgelegt», sagt Scappaticci. «Ziel ist es, die Baubewilligung bis Ende Jahr zu erhalten.»

Im vergangenen Juni hat nach den Aarauer Stimmbürgern auch der Grosse Rat dem Ersatz der Kettenbrücke durch den «Pont Neuf» zugestimmt. Das Projekt soll 33 Millionen Franken kosten.

Die Stadt Aarau zahlt 30 Prozent, also knapp 10 Millionen Franken. Der Entscheid im Grossen Rat fiel relativ knapp. Vorangegangen war eine intensive Debatte darüber, ob der Kanton wirklich die Mehraufwendungen von sechs Millionen Franken für die ästhetische Gestaltung der Brücke mitbezahlen soll.

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