Unterentfelden
Vor Einzug der Asylsuchenden ins «Rössli»: Diese Fragen beschäftigen die Bevölkerung

Ab März ziehen Asylbewerber im «Rössli» in Unterentfelden ein. Auf konkrete Fragen gabs dazu an der Infoveranstaltung klare Antworten. Die Ängste jedoch blieben wohl bestehen.

Ueli Wild
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Rund 100 Personen folgten der Einladung zur Infoveranstaltung im Vorfeld des Einzugs der Asylbewerber ins «Rössli».

Rund 100 Personen folgten der Einladung zur Infoveranstaltung im Vorfeld des Einzugs der Asylbewerber ins «Rössli».

Urs Helbling

Der Aufmarsch in der Bächlihalle bewies es: Das Interesse an Informationen zur kantonalen Asylunterkunft im ehemaligen Gasthof «Rössli» in Entfelden ist gross. Rund 100 Personen waren zugegen.

Etwa 20 von ihnen meldeten sich zu Wort. Auffällig: Es war eine disziplinierte Versammlung, die Voten blieben grösstenteils sachlich und frei von Polemik. «Wir wussten nicht, was auf uns zukommen würde», sagte Gemeindeammann Heinz Lüscher am Schluss. Er hatte an grosse Transparente und TV-Kameras gedacht. Nichts davon war am Montagabend zu sehen.

Berechenbarer als die äusseren Umstände waren die Fragen und Äusserungen, mit denen die Vertreter der Kantons- und der Stadtpolizei sowie die Leute vom Departement Gesundheit und Soziales (DGS) konfrontiert wurden. Mehrmals liess Stephan Müller, Leiter Sektion Betreuung Asylwesen beim kantonalen Sozialdienst, durchblicken, die eben gestellte Frage sei quasi Standard und werde an solchen Veranstaltungen regelmässig an ihn herangetragen. – Welche Themen standen im Vordergrund?

Nachtruhestörung: Im Sommer werden sich die Bewohner der Unterkunft häufiger im Freien aufhalten. «Dass man sie nicht hört», so Stephan Müller, «kann ich nicht versprechen. Aber es gibt den mobilen Nachtdienst und die Polizei.» Ab 22 Uhr gibts auch Kontrollen, um dem «Fremdschläfertum» vorzubeugen. Die Hausordnung werde durchgesetzt; deren Nichteinhaltung werde sanktioniert.

Auf den Wunsch, die Bar im gleichen Gebäude zu schliessen, kann der Kanton nicht eingehen. Der andere Hausteil gehört einem andern Eigentümer als das «Rössli» selber. Mit neun Franken für Verpflegung und einem Franken Sackgeld pro Tag, meinte Stephan Müller jedoch, könnten sich die Asylsuchenden einen Bar-Besuch eh nicht leisten. Eine zusätzlich eingebaute Tür soll verhindern, dass sie sich mit den Barbesuchern im Haus treffen.

Kriminalität: Auf die Frage eines Gartenbesitzers, ob er jetzt die Gartenmöbel rein nehmen müsse, antwortete Müller: «Verhalten Sie sich normal. Wir registrieren kaum Vorfälle, die die Nachbarschaft betreffen.» Vor allem, wenn die Asylsuchenden Alkohol getrunken hätten, sagten auch die Vertreter der Polizeikorps, komme es zu Konflikten – aber in aller Regel unter den Asylsuchenden selber.

Gefahr für Frauen und Kinder: Auf die Frage von Ammann Heinz Lüscher, wie viele Anzeigen wegen Belästigungen eingingen, konnte der Vertreter der Kapo keine konkrete Zahl nennen. Asylsuchende seien normalerweise keine Exhibitionisten, Kinderschänder oder sonstige Verbrecher, unterstrich jedoch Stadtpolizei-Kommandant Daniel Ringier. «Das erlebe ich nicht so.» Die Stapo sei als Erstinterventionspolizei während 24 Stunden mit zwei Doppelpatrouillen unterwegs. Sie sei notfalls «im einstelligen Minutenbereich vor Ort – wenn wir nicht schon durch einen andern ‹Seich› besetzt sind.»

Kosten für die Gemeinde: Für die Gemeinde Unterentfelden fallen wegen der Unterkunft im Rössli keine unmittelbaren Kosten an. Das erklärte Stephan Müller, der prophezeite, mit einer Überhäufung durch Sozialhilfefälle sei nicht zu rechnen, selbst wenn ein Teil der Asylsuchenden länger in der Schweiz bleiben sollte. Vorläufig aufgenommene Personen dürfen den Wohnort innerhalb des Kantons, dem sie zugewiesen wurden, frei wählen. Sind sie von der Sozialhilfe abhängig, bestimmen die kantonalen Behörden über Wohnort und Unterkunft.

«Bis jetzt haben wir keinen Zusammenhang zwischen der Standortgemeinde der Unterkunft und der späteren Domizilwahl festgestellt», sagte Müller. «Die Leute zieht es dorthin, wo es billigen Wohnraum gibt.» Muss die Stapo der Asylunterkunft wegen vermehrt nach Entfelden ausrücken, hat auch das keine finanziellen Folgen für die Gemeinde. Das sei im Grundpaket enthalten, erklärte Ammann Lüscher.

Mobilität: Die Asylsuchenden haben im Prinzip 10 Franken pro Tag zur Verfügung. Sie fahren aber mit den öV im Land herum. Wie machen sie das? – Leute mit einer Beschäftigung (etwa einem Deutschkurs in Aarau) erhalten nach Stephan Müllers Angaben vom Kanton ein Streckenabonnement bezahlt. Im Prinzip dürfen sich die Asylsuchenden frei bewegen.

Ohne triftige Gründe können keine Rayonverbote auf öffentlichem Boden ausgesprochen werden. Im Bedarfsfall liesse sich aber beispielsweise die Badi zur «sensiblen Zone» erklären. Jene Asylsuchenden, die grössere Strecken zurücklegen, etwa an Wochenenden, haben offenbar vielfach Verwandte im Land, die ihnen diese Mobilität ermöglichen.