Alte Reithalle Aarau
Vor dieser Eröffnung schlottern selbst den alten Hasen die Knie

Die Trendmesse «in&out» findet nach neun Jahren zum ersten Mal in Aarau statt: Am Freitag wird die Messe in der Alten Reithalle eröffnet. Das sorgt bei den Ausstellern für Nervosität – selbst bei den alten Hasen.

Katja Schlegel
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Die beiden Macherinnen der Messe, Brigitte Hürzeler und Maja Baumann (rechts), sind mit der Alten Reithalle als Ausstellungsort mehr als zufrieden.

Die beiden Macherinnen der Messe, Brigitte Hürzeler und Maja Baumann (rechts), sind mit der Alten Reithalle als Ausstellungsort mehr als zufrieden.

Chris Iseli

Da flackert ein störrisches Lämpchen, dort turnt jemand zitterig auf den Sprossen einer Bockleiter und hinter Theken und Ständern wird in grossen Kisten gewühlt. Die Aufregung ist in der Alten Reithalle nahezu greifbar. Es ist der Abend vor der Eröffnung der «in&out», der «wichtigsten Trend- und Verkaufsmesse für Schweizer Design».

Und auch wenn es die zehnte Ausgabe ist, so ist es doch für alle Aussteller wie das erste Mal: Zum ersten Mal findet die «in&out» in Aarau statt. «Die Nervosität ist gross», sagt Maja Baumann aus Erlinsbach SO, die die Messe gemeinsam mit Brigitte Hürzeler aus Schönenwerd organisiert. «Jetzt müssen wir da und dort gut zureden.»

«Ein absoluter Glücksfall»

Doch die Aufregung lohnt sich: «Aarau als neuer Standort ist ein absoluter Glücksfall», sagt Hürzeler. Sechs Jahre lang fand die Messe in Schönenwerd statt, drei Jahre in Langenthal. Da hätten gewisse Aussteller die Nase gerümpft, «zu unbekannt», schnödeten sie, oder «nicht gut erreichbar».

Zusatzkredit für Projektierung beantragt

Die Alte Reithalle, in der die Designmesse «in&out» dieses Jahr gastiert, ist ausersehen, ein multifunktionales Haus für Theater, Tanz und und andere Sparten zu werden. Seit 2006 wird das Projekt einer Instandsetzung der Halle diskutiert. Stand jetzt soll auch eine dreiseitige Arena für rund 330 Gäste oder eine Messe wie die «in&out» mit bis zu 1500 gleichzeitig anwesenden Besuchern möglich sein.

Die Reithalle figuriert im Inventar der militärischen Hochbauten des Bundes als Objekt von regionaler Bedeutung mit dem höchsten Erhaltungsziel 1. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist ein Abbruch zu vermeiden und die Erhaltung des Grossvolumens anzustreben.

Da der im Jahr 2008 bewilligte Projektierungskredit von 1,1 Mio. Franken inzwischen nahezu aufgebraucht ist, beantragt der Stadtrat dem Einwohnerrat aktuell einen Zusatzkredit von 1,2 Mio. Franken für die Projektierung des 20-Millionen-Vorhabens. 915 000 Franken sind allein für die Honorare der Generalplaner vorgesehen, 50 000 Franken für einen Konzertakustik-Spezialisten. Ein Betrag von 1,2 Mio. Franken wurde dementsprechend im Budget 2017 eingestellt.

Bericht und Antrag zum Zusatzkredit hat der Stadtrat am 17. Oktober verabschiedet – wenige Stunden, bevor das Budget vom Einwohnerrat zurückgewiesen wurde. Die SVP, die überhaupt auf das Reithallen-Projekt verzichten möchte, ist dem Zusatzkredit nicht grün. Und die Fraktion von Pro Aarau, Grünliberalen und EVP hat im September verlauten lassen, dass sie es begrüssen würde, wenn der Planungskredit 2017 dem freiwilligen Referendum unterstellt würde. (uw)

In Aarau ist das kein Thema mehr. Und mit dem Ausstellungsort, der Alten Reithalle, sind die beiden mehr als zufrieden. «Die Halle ist der Hammer», sagt Hürzeler und zieht die Jacke etwas enger um die Schultern, «auch wenn sie nicht geheizt ist.»

Richtig kalt wurde den beiden Frauen bei den Vorbereitungsarbeiten jedoch selten: Weil die Paletten mit den Stellwänden nicht durch die Türen passten, musste jede Wand einzeln in die Halle getragen werden. Ein Kraftakt. Baumann zuckt mit den Schultern und lacht. «Das sind die Tücken des ersten Mals. Das gehört dazu.»

«Aarau hat ein Flair für schöne Dinge»

Wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung am Freitagmittag ist die Plackerei sowieso vergessen: Die meisten Aussteller haben ihre Stände aufgebaut und eingerichtet, es summt und brummt in der Halle. Und mitten im emsigen Treiben stehen die geladenen Gäste für den Eröffnungsapéro und lauschen der Ansprache von Stadtpräsidentin Jolanda Urech.

Sie finde, die Designmesse passe ausgezeichnet nach Aarau, die Stadt habe ein Flair für schöne Dinge. «Und die Alte Reithalle, ein Ort mitten in der Stadt, ist von der Ausstrahlung her der perfekte Ort für diese Messe.»

Ohne Billig-Konkurrenz im Nacken

Die Aussteller stammen aus den Bereichen Mode, Wohnaccessoires, Schmuck, Textil, Schuhe, Keramik, Karten und Papeterie. Was sie eint: Ihre Produkte werden in der Schweiz entwickelt und hergestellt. Dieser Fokus unterscheide die «in&out» denn auch von anderen Designmessen, sagt Hürzeler. Und es mache sie zu einer wichtigen Plattform für die Hersteller, die den Kunden ihre Produkte vorstellen, die Philosophie dahinter erklären können – ohne den Konkurrent im Nacken, der mit dem im Ausland produzierten und deshalb günstigeren Produkt lauert.

«Unser Publikum legt Wert auf regionale Produkte und lässt sich das auch etwas kosten», sagt Hürzeler. Entsprechend hoch seien die Umsätze, die an der Messe erzielt würden. Ausserdem sei ihr Publikum ein treues, so Baumann. «Wir rechnen mit bis zu 5000 Besuchern.»

Designmesse «in&out» in der Alten Reithalle am Apfelhausenweg 20 in Aarau. Freitag 12 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr.