Bei einer Wohnung ist Zügeln eine mühsame Angelegenheit. Bei einem Einfamilienhaus erst recht. Und bei einem Schulhaus? Gesamtschulleiterin Denise Widmer seufzt. Ein zufriedenes Seufzen, kein verzweifeltes.

«Für uns ist es eine Erleichterung.» Mühsam war es höchstens für die Zügelmänner: Über 2000 Kartonschachteln haben sie von Schulhaus zu Schulhaus getragen, dazu das gesamte Mobiliar. Drei Tage Zeit für das Zügeln eines ganzen Schulhauses, mehr gab es nicht. Und es hat gereicht.

Das neue Schulhaus «Vinci» mitten im Suhrer Dorfzentrum ist auf der Zielgeraden. Zwei Jahre nach Beginn der Aushubarbeiten, in der Woche vor dem Schuljahresbeginn. Einzig im Eingangsbereich legt der Plattenleger noch die letzten Plättli und die Maler hantieren mit Farbrollen.

Aber es wird alles rechtzeitig zum Schulbeginn am Montag fertig. «Eine Punktlandung», sagt Jeannette Schreyer, Projektverantwortliche der Suhrer Bauverwaltung, im Vorbeieilen. Und schon ist sie wieder verschwunden, an der nächsten Besprechung, an der nächsten Abnahme.

Endlich alle unter einem Dach

Gesamtschulleiterin Denise Widmer kann ihr Glück über das neue Schulhaus kaum fassen. «Endlich haben wir Platz», sagt sie. Der 21-Millionen-Bau umfasst 24 Schulzimmer, 12 Gruppenräume, 5 Therapieräume, ein Sekretariat, ein Büro für zwei Schulleiterinnen, ein Lehrerzimmer, den Raum für die Gemeindebibliothek, dazu die Archiv- und Lagerräume. Hier finden alle Primarschulklassen unter einem Dach Platz; bisher waren die Klassen auf drei Schulhäuser verteilt.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Lehrpersonen wie die Hühner auf der Stange im Sitzungszimmer auf den Regalen sassen, weil es nicht genügend Stühle gab. Vergessen sind die Stunden, in denen die Schüler und Schülerinnen auf den Gängen sassen und Aufgaben lösten, weil es keine Gruppenräume gab.

«Oder die gestaffelten Pausen, weil nicht alle Lehrer gleichzeitig Platz im Lehrerzimmer hatten.» «Was uns die Gemeinde hier gebaut hat, ist gewaltig und in Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich», sagt Widmer.

In den Schulzimmern ist das Durcheinander von Raum zu Raum unterschiedlich. Obwohl die Lehrpersonen erst am Montagmorgen ihre Zimmer übernehmen durften, sind die ersten am Nachmittag mit Einrichten bereits fertig.

Andere tun sich etwas schwerer, schieben Stapel mal da, mal dort in die Regale. Noch ist alles etwas gewöhnungsbedürftig, beispielsweise das mit dem Licht, das dimmt, sobald man sich lange nicht im Raum bewegt. Oder die Frage aller Fragen: Darf man in die nigelnagelneuen Wände Nägel einschlagen? Denise Widmer lacht und drückt eine Reiszwecke in die jungfräuliche Wand. «Natürlich, darf man hier Löcher machen. Das ist ein Schulhaus.»

Umzug freut noch nicht alle

Logopädin Barbara Huwiler ist schon fast fertig mit Einrichten. Sie freue sich sehr, dass es nun endlich losgeht. «Es war nicht einfach, in den Ferien die Füsse hochzulegen», sagt sie. Am liebsten hätte sie ihr Zimmer schon vor Tagen eingerichtet.

Eine Einstellung, die Widmer freut. Aber auch eine, die nicht alle Lehrpersonen teilen. «Zügeln bedeutet immer auch, Altes zurückzulassen und sich auf Neues einzustellen», sagt Widmer. Gerade für Lehrpersonen, die bisher in kleinen Schulhäusern und damit in kleinen Teams gearbeitet haben, ist die Umstellung gross. Neu besteht das Team aus 40 Lehrpersonen. «Das muss wachsen», sagt Widmer. Sie ist zuversichtlich. «Dieses Schulhaus macht über kurz oder lang alle glücklich, da bin ich mir sicher.»

Schulhaus-Einweihung am Samstag, 9. September, 11 Uhr.