Aarau

Vor 15 Jahren flüchtete er aus Bangladesch – jetzt eröffnet Sultan Bepari sein eigenes Restaurant

Sultan und Thamina Bepari eröffnen das Restaurant «Halde».

Sultan und Thamina Bepari eröffnen das Restaurant «Halde».

Erst studierte er in Dhaka Wirtschaft. Danach arbeitete er jahrelang als Florist. 2003 musste er aus politischen Gründen flüchten, Familie und Freunde in Bangladesch hinter sich lassen, ein Leben voller Zukunftspläne. Dann begann er zu kochen. Und heute erfüllt sich sein grosser Traum.

Tipu Sultan Bepari eröffnet in der Aarauer Altstadt sein eigenes Restaurant. Nicht irgendeines, sondern eines mit Tradition: das Restaurant Halde.

Es gibt wohl nur wenige in der Stadt, die noch nie etwas von ihm gegessen haben. Der Mann, den alle nur Sultan nennen, hat die letzten elf Jahre hinter Aarauer Küchenzeilen und Bartresen gestanden: Erst fünf Jahre im «Gossip» an der Rathausgasse, die letzten sieben Jahre im «Signor Rossi» an der Laurenzentorgasse. Seine allerersten Erfahrungen in einer Schweizer Küche hatte Sultan 2013 gar bei Hotelkönigin Ljuba Manz im 4-Sterne-Hotel St. Gotthard in Zürich gemacht, wo er eineinhalb Jahre lang arbeitete.

Jetzt tut er, wozu ihm Gäste und Freunde seit Jahren raten – und was auch ihn schon lange reizt. «Bislang war aber einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt», sagt er. Ihm fehlte lange seine Frau Thamina (32) zur Unterstützung; sie kam erst 2015 in die Schweiz, zusammen mit dem ersten gemeinsamen Sohn (heute 12), vor zwei Jahren sind die beiden nochmals Eltern geworden.

Halb Aarau kennt ihre Küche

Doch jetzt ist die Zeit reif. Zusammen mit seiner Frau wagt Sultan jetzt den grossen Schritt. «Wir bieten Alltagsgerichte aus Bangladesch und Indien an», sagt Sultan. Alltäglich, aber nicht unspektakulär. «Meine Rezepte sind alte Familienrezepte, die seit Generationen weitergegeben werden», sagt Sultan sichtlich stolz. Rezepte, die man in keinem Kochbuch findet, sondern nur in Sultans Kopf.

Und da hütet er sie auch wie Schätze. «Das sind meine grössten Geheimnisse», sagt er. Und er weiss, dass die Aarauer sie lieben werden. Genauso wie die Samosas, die Spezialität seiner Frau Thamina. «Am ‹Musig i de Altstadt› haben wir innerhalb einer knappen Stunde 400 Samosas verkauft», sagt er und zwinkert: «Halb Aarau weiss, wie gut wir kochen.»

Um sich auf die Qualität konzentrieren zu können, verzichten Sultan und sein Team auf eine grosse Karte. «Wir bieten lieber wenige, dafür ganz frische Menüs an.» So wird es wochentags von Dienstag bis Freitag über Mittag drei Angebote geben, eines vegan, eines vegetarisch, eines mit Fleisch oder Fisch (Menüpreis inklusive Getränk zwischen 18 und 25 Franken).

Übersichtlich soll die Karte auch abends und am Wochenende bleiben. Und dazu saisonal und regional: Sultan zieht sein Handy aus dem Sack und zeigt Bilder vom Gemüse, das er diesen Sommer auf seiner Bündte unterhalb der Golattenmattgasse gezogen hat. Kürbisse, Gurken, Tomaten, Berge von Gemüse, dazu riesige Sträucher Koriander. «Ich hoffe, dass ich im Sommer auch Gemüse aus meinem Garten servieren kann», sagt er.

Bis dahin greift er auf regionale Produzenten zurück, nebst Lieferanten von original asiatischen Produkten. Alle Menüs will Sultan auch als Take-Away anbieten, ebenso wie Catering.

So kurz vor der Eröffnung ist die Aufregung gross. In den letzten Wochen ist im Lokal einiges passiert, vieles musste umgebaut und ersetzt werden. Apropos: Bleiben wird übrigens der Name, die «Halde» bleibt die «Halde». «Dieser Name hat eine 40-jährige Geschichte, so etwas darf man nicht verändern», sagt Sultan. Dass er nun Teil dieser Geschichte wird, freut ihn sehr. «Ich liebe Aarau und die Altstadt ganz besonders», sagt er. «Dass ich hier nach 15 Jahren in der Schweiz meinen Traum verwirklichen kann, ist grossartig.»

Eröffnungsapéro am 1. Dezember, ab 17 Uhr. Regulärer Betrieb ab Freitag, 7. Dezember, 17 Uhr. Öffnungszeiten: Di bis Fr 9 bis 14 Uhr und 17 bis 24 Uhr / Sa und So 11 bis 14 Uhr, 17 bis 24 Uhr. Küche Di bis So jeweils von 11.30 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr. www.halde20.ch

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