Alterswohnsitz

Von Gränichen ins Thai-Paradies: Aargauer Auswanderer baut an seinem Traum

Thomas Luescher aus Gränichen baut in Thailand mit seiner Familie ein Altersrefugium.

Thomas Luescher denkt langfristig. Erst 53 Jahre alt, baut er bereits seit sieben Jahren in Thailand an seinem Traum für die Pensionierung: eine grosse Farm, mit eigener Strom- und Wasserversorgung, Wasserbüffeln und Gemüsegärten.

Gleichzeitig ist er Marketing-Chef der schweizerischen Handelskammer in Bangkok und versucht gerade, den Thailändern den Schweizer Elektro-Posttöff von Kyburz schmackhaft zu machen. Dass er das heute kann, verdankt Thomas Luescher viel Ausdauer und Hartnäckigkeit: Sein langer Weg zum Leben in Thailand war gleich von mehreren harten Rückschlägen geprägt.

Die Zinngiesserei wollte nach Thailand

Angefangen hat alles, als die Krauer Zinngiesserei in Aarau Anfang der Neunzigerjahre ins Straucheln geriet. Der gelernte Maschinenschlosser und Produktionsleiter Luescher reiste 1991 für das Unternehmen nach Thailand, um die Produktion dorthin auszulagern. Doch die Umstellung erwies sich schwieriger als gedacht und es misslang schliesslich, die Produktion in Thailand zu starten.

Als das Geld ausging, befanden sich die teuren Giess- und Gussformen, das wichtigste Kapital einer Giesserei, in Thailand, wo sie nutzlos herumlagen. Damit war die Krauer Zinngiesserei am Ende. Wenn diese Episode etwas Gutes hatte, dann den Beginn von Thomas Lueschers Traum von einem Leben in Thailand. Schon 1995 nahm er den nächsten Anlauf, wollte für ein weiteres Unternehmen eine Niederlassung in Thailand aufbauen.

Auf dieser pittoresken Farm soll Töchterchen Yaya aufwachsen können. «Und nicht in Bangkok», sagt Thomas Luescher.

Auf dieser pittoresken Farm soll Töchterchen Yaya aufwachsen können. «Und nicht in Bangkok», sagt Thomas Luescher.

Doch auch dieses Mal geht es schief: Im Zuge der Finanzkrise muss zwei Jahre später auch diese Firma ihre Tore schliessen. Heute kann Luescher mit einem Lachen auf seinen schwierigen Beginn in Thailand zurückblicken. «Nach der zweiten Pleite sagte ich mir: Wer nichts wird, wird Wirt. Also habe ich in Bangkok eine Gastwirtschaft aufgebaut», erzählt er.

Mit einem Freund baute er eine Wirtschaft für Fans des Töffsports auf. Nach weiteren fünf Jahren der nächste Schritt: Luescher wagte sich in die Selbstständigkeit, baute ein Geschäft mit Schneidsystemen der Rheintaler Firma Zünd auf: Textilien, Kunststoffe oder gar Komposite für die Luftfahrt – die Maschinen aus der Schweiz verarbeiten alle möglichen Werkstoffe.

Plötzlich war der Gränicher Familienvater in Bangkok

Der Plan funktionierte, nach nur vier Jahren Aufbau konnte er sein kleines Unternehmen an Zünd verkaufen. «Da war es erst einmal schön, etwas Geld in den Händen zu halten. Denn als Selbstständiger investiert man alles Geld, das man einnimmt, gleich wieder in den Aufbau des Geschäfts. Einmal Geld für sich selbst zu haben, das tat gut», erinnert sich Luescher.

Es folgte der Aufbau des nächsten Unternehmens und bald auch die Liebe. Thomas Luescher verliebte sich in die fünfzehn Jahre jüngere Vassana (38), im Oktober 2013 heirateten sie, keine zwei Wochen später kam Töchterchen Yaya, heute 6, auf die Welt. «Yaya war der Auslöser, dafür, dass wir angefangen haben, unseren Traum vom eigenen Refugium auf dem Land ernsthaft zu verfolgen.» Denn in Bangkok wollte Luescher seine Tochter nicht aufziehen.

«Das Leben der Kinder spielt sich dort nur zwischen der Schule und dem Einkaufszentrum ab, andere Angebote und Möglichkeiten gibt es für sie kaum.» Für den Gränicher kommt das nicht in Frage. Also weg von der Grossstadt. Fündig wurde die Familie über 500 Kilometer von Bangkok entfernt im Nordosten des Landes – nur 50 Kilometer entfernt vom mächtigen Mekong, der die Grenze zu Laos markiert.

Eine von Lueschers liebsten Anekdoten erzählt vom kleinen See, den er kurzerhand verlegt hat. «Als der Götti von Yaya zu Besuch war, meinte er, dass der See neben dem Haus nicht am richtigen Ort sei; der gehöre vor das Haus!», schildert Luescher.

Yayas Götti gehört einer der schönsten Gärten Thailands

Einen See verlegen? Ein Wunschtraum, meinte Luescher. Yayas Götti ist mit einem riesigen tropischen Garten Besitzer einer beliebten Touristenattraktion. Er meinte trocken: «Nein, Thomas. Das sind zwei Tage Arbeit.» Und so liegt der See heute vor dem Haus. Er wurde das Zuhause von 35 Wasserbüffeln, mit denen Luescher und einige Freunde handeln wollten.

Er sagt: 

Denn die Ranch ist nicht nur das Zuhause einer Familie und künftiges Altersrefugium, sondern auch Anziehungspunkt für Touristen und Schulen.

Reisenden bietet Luescher Mittagessen an und Schülern erklärt er die autarke Versorgung mit Solarstrom und Wasserpumpe. Das alles klappt auch dank der Unterstützung durch die Familien von Thomas und Ehefrau Vassana: Lueschers Bruder ist jüngst ebenfalls auf die grosse Farm gezogen und bringt nun sein grosses handwerkliches Geschick mit ein. Und aus Vassanas Familie liessen sich ein Tourguide für Gäste, ein Fahrer für die Farm und Kräfte für die übrige Bewirtschaftung der grossen Anlage rekrutieren. Der Gränicher ist in seinem Thai-Paradies angekommen.

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