Aarau

Von Frauenwahlen und Quotenmännern

Gabriela Suter freut sich über ihre Wahl in den Nationalrat - der Anteil der Frauen ist schweizweit ist deutlich gestiegen.

Gabriela Suter freut sich über ihre Wahl in den Nationalrat - der Anteil der Frauen ist schweizweit ist deutlich gestiegen.

Anja Kaufmann über die Gleichberechtigung in der Schweiz – und den Mechanismus, der sich hinter dem Begriff Quotenregelung versteckt.

Nach den Nationalratswahlen im Oktober beträgt der Frauenanteil im Nationalrat neu 42%. Der Anteil Frauen stieg damit sagenhafte 10 Prozentpunkte gegenüber der letzten Zusammensetzung an. Dieser Anstieg ist überdurchschnittlich, da er seit den Wahlen im Jahr 2003 jeweils nur drei bis vier Prozentpunkte pro Legislatur betrug.

Es ist eine gute Nachricht, wenn dem Nationalrat nach 50 Legislaturen erstmals über 40% Frauen angehören. Bis zur wirklich repräsentativen Vertretung fehlen zwar noch gut acht Prozentpunkte, dies könnte aber schon in der nächsten Wahl erreicht werden, wenn erneut ein ähnlicher Quantensprung in Sachen Frauenanteil verzeichnet werden könnte.

Im kantonalen Parlament sieht es hingegen nicht ganz so gut aus. Mit knapp 35% Frauenanteil muss sich noch einiges ändern, damit eine repräsentative Vertretung beider Geschlechter erreicht wird. Im Grossen Rat wurde kürzlich wieder einmal versucht, mit politischen Mitteln eine angemessenere Vertretung beider Geschlechter in staatsnahen Strategie- und Aufsichtsgremien zu erreichen. Gefordert wurde ein Frauenanteil von 30%. Der Regierungsrat (derzeit vier beziehungsweise bald fünf Männer) wäre grundsätzlich bereit gewesen, den Vorstoss umzusetzen. Das Reizwort Frauenquote führte aber dann zu Äusserungen (leider meistens aus den Reihen der Frauen selbst), dass eine Quote die Qualität verschlechtern und zu mehr Bürokratie führen würde. Es stehe nicht ein bestimmtes Geschlecht im Vordergrund, sondern es komme vielmehr auf die entsprechenden Fähigkeiten an.

Interessant ist erstens, dass offenbar der Mechanismus, der sich hinter dem Wort «Quotenregelung» versteckt, immer noch nicht verstanden wird oder nicht verstanden werden will. Grundvoraussetzung für eine Quotenregelung ist immer die gleiche fachliche Qualität der zur Auswahl stehenden Bewerberinnen und Bewerber. Nur wenn dies gewährleistet ist, soll dann in einem nächsten Schritt der- oder diejenige bevorzugt werden, dessen oder deren Geschlecht (noch) untervertreten ist. Das sind momentan aufgrund der realpolitischen Begebenheiten meistens die Frauen. Zweitens ist im Zusammenhang mit Frauenquoten spannend, dass bei Männern fast nie die Frage nach genügenden Fähigkeiten gestellt wird. Treten sie an, sind sie selbstverständlich qualifiziert. Es wäre ein Affront sondergleichen, sagen zu wollen, dass Männer ihre Posten nur bekommen, weil sie Männer sind und nicht, weil sie über die entsprechenden Qualifikationen verfügen. Das wären ja dann quasi Quotenmänner, umgekehrt betrachtet.

Das letzte Wort zum Thema Quotenregelung scheint noch lange nicht gesprochen. Sollte ich aber jemals einen Job, ein Amt oder eine Stellung bei gleicher Qualifikation bekommen haben, weil die Frauen im entsprechenden Gremium untervertreten waren und eine (zumindest annähernd) gleichberechtigte Vertretung von Mann und Frau angestrebt wurde, dann nenne ich mich gerne Quotenfrau. Ich bin mir absolut sicher, ein Mann hätte bei umgekehrten Voraussetzungen dasselbe getan und sich nicht dafür entschuldigt, warum auch!

Autorin Anja Kaufmann, 39, ist juristische Mitarbeiterin beim Kanton Aargau und SP-Einwohnerrätin

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