Küttigen

«Von einem Vertrauensproblem würde ich nicht reden»

Tobias Leuthard wurde 2012 in den Küttiger Gemeinderat gewählt. Seit Anfang dieses Jahres ist er Ammann. (Archiv)

Tobias Leuthard wurde 2012 in den Küttiger Gemeinderat gewählt. Seit Anfang dieses Jahres ist er Ammann. (Archiv)

Küttigens Ammann Tobias Leuthard über die brennenden Themen in seiner Gemeinde.

Vor elf Monaten hat Tobias Leuthard (SP) Dieter Hauser als Ammann der Gemeinde Küttigen abgelöst. Heute Abend leitet er zum zweiten Mal die Gemeindeversammlung. Zu einem Zeitpunkt, in dem es in der Gemeinde gleich an mehreren Fronten Scharmützel gibt. Im AZ-Interview nimmt Leuthard nun Stellung zu den wichtigsten Diskussionspunkten.

Herr Leuthard, aus Ihrer Gemeinde mehren sich die schlechten Nachrichten. Das Ritzer-Garderobengebäude hat Verspätung. Die Entwicklungsrichtplanung im Rombachtäli musste wegen Widerstand in der Bevölkerung sistiert werden. Bei der Kulturlandplanungs-Revision wäre beinahe ein kantonales Schutzgebiet zu Landwirtschaftsland umgezont worden. Und das sind nur drei Beispiele. Haben Sie eine Pannenserie?

Tobias Leuthard: Bei der Kulturlandgeschichte ist tatsächlich ein Fehler passiert, bei den anderen Themen würde ich eher von einem normalen Such- und Findungsprozess für gute Lösungen sprechen. Wir haben die Fehler und Vorgänge immer transparent gemacht.

Die FDP greift den Gemeinderat in letzter Zeit öfter scharf an. Zuletzt mit dem Vorwurf der Intransparenz: Der Gemeinderat hat versprochen, die Kreditabstimmungsvorlage für das neue Feuerwehrgebäude nachträglich vom Kanton prüfen zu lassen, weil sie angeblich punkto Solaranlage nicht transparent genug gewesen sei. Nun bemängelt die FDP, dass der Gemeinderat das Thema an der Gmeind vom Mittwoch nicht traktandiert hat.

Da die Antwort des Gemeinderats keinen Antrag beinhaltet, werden wir unter «Verschiedenes» darüber informieren. Wir haben die FDP stets auf dem Laufenden gehalten, auch darüber, dass der Kanton uns bestätigt hat, dass alles korrekt abgelaufen ist. Zudem haben wir der FDP ein Gesprächsangebot gemacht.

Haben Sie ein Vertrauensproblem in Ihrer Gemeinde?

Von einem Vertrauensproblem würde ich nicht reden. Transparenz wird heute stark gewichtet. Für Aussenstehende ist es manchmal schwer nachvollziehbar, warum wir nicht offensiver oder schneller kommunizieren. Viele einzelne Interessensgruppen melden ihre Bedürfnisse an. Der Gemeinderat versucht, alle aufzunehmen und abzuwägen, bevor er entscheidet und dies mitteilt. Das dauert.

Und dann ist das Buschtelefon schneller.

Manchmal, ja. Aber ich halte es für eine Stärke des Gemeinderats, dass er stets einen guten Entscheid und Kompromiss sucht und sich die Zeit nimmt dafür.

Wie ist die Stimmung innerhalb des Gemeinderats?

Wir haben in neuer Zusammensetzung eine gute Gesprächskultur entwickelt. Zu einem Entscheid kommen wir fast nie durch Abstimmen, in der Regel schält sich ein Konsens heraus.

Schauen wir die einzelnen Problemfelder an. Die Garderobe beim Ritzer – wo stehen Sie?

Knackpunkt sind die Finanzen. Ziel ist nach wie vor, dass es nicht teurer wird als 3 Mio. Wer wie viel an die Baukosten und die Betriebskosten zahlt, handeln wir derzeit mit dem FC Küttigen aus. Eine gewisse Annäherung hat stattgefunden, die Gespräche waren konstruktiv.

Der FC sagt, er könne nicht so viel bezahlen, wie der Gemeinderat fordert.

Es ist nicht im Interesse des Gemeinderats, den Verein in den finanziellen Abgrund zu treiben. Wir haben eine Wunschvorstellung formuliert, der FC hat seine Möglichkeiten aufgezeigt. Nun wird austariert.

Und wann wird gebaut?

Die Verpflichtungskreditvorlage für die Garderobe liegt bereit, nur der Kostenteiler noch nicht. Und wir sind in den Abklärungen – auch mit dem Kanton – , ob unter der Garderobe noch Schutzräume erstellt werden sollen. Dies sollte das Projekt aber nicht weiter verzögern – wir möchten es gerne an die Sommergmeind 2019 bringen. Auch die Finanzkommission und die Parteien sollen vor der Kreditabstimmung noch ein weiteres Mal einbezogen werden. Wenn ich hier den Bogen zur vorherigen Vertrauensfrage machen darf ...

Bitte.

Es gehört zur Strategie des Gemeinderats, transparent zu sein und Partizipationsgefässe zu schaffen. Wenn wichtige Entscheide gefällt sind, informieren wir auch aktiv.

Apropos Partizipation. Der Gemeinderat wollte eine Forums-Veranstaltung zu den Legislaturzielen abhalten. Mangels Anmeldungen wurde sie abgesagt – angeblich sollen aber technische Probleme schuld daran gewesen sein ...

Das ging ziemlich daneben … Zum einen gingen tatsächlich aufgrund einer Umstrukturierung des Mailservers Anmeldungen vorübergehend verloren, das tut uns leid. Zum anderen wären wir aber ohnehin nie auf genügend Anmeldungen gekommen, um die Veranstaltung im geplanten Rahmen durchführen zu können. Angemeldet haben sich vor allem Parteienvertreter, die normalen Stimmbürger haben kaum Interesse gezeigt.

Was lernen Sie daraus?

Wir werden künftig vermehrt wieder mit monothematischen Veranstaltungen arbeiten, wie wir das erfolgreich zum Thema Alter oder Raumplanung getan haben. Legislaturstrategien sind wohl eher ein Parteien-Thema.

Stark interessieren dürfte hingegen die Grossunterkunft für Asylsuchende, die der Kanton vielleicht im Gebiet Ritzer bauen will.

Regierungsrätin Franziska Roth war mit einer Delegation bei uns. Das Gespräch war offen und konstruktiv: Wir konnten unsere Bedenken eingeben, Frau Roth und ihre Mitarbeiter haben versucht, sie zu zerstreuen – etwa mit Hinweis auf Frick oder Unterentfelden, wo es trotz grosser Asylunterkunft relativ wenige Probleme gibt. Der Gemeinderat muss im Januar eine Stellungnahme beim Departement einreichen – wie wir uns positionieren, entscheiden wir nächste Woche.

Welche Stimmung nehmen Sie aus dem Dorf wahr?

Bei einem Teil der Bevölkerung löst der Vorschlag des Kantons Ängste aus, vereinzelt hatten wir auch positive Reaktionen. Schwierig ist, wenn Behauptungen in den Raum gestellt werden – zum Beispiel, dass die Sozialkosten steigen würden. Dies ist nicht korrekt. Fakt ist hingegen, dass dieses Areal ein ganz wichtiges Entwicklungsgebiet ist für die Gemeinde. Private planen angrenzend eine grosse Siedlung. Und eine Grossunterkunft würde für ungefähr 30 Jahre bestehen.

Sistiert ist die Planung andernorts – im Quartier Rombachtäli. Wann nimmt der Gemeinderat einen neuen Anlauf für einen Entwicklungsrichtplan?

Mittlerweile sind wir im Gespräch mit einem neuen Planungsbüro. Wir werden den Prozess im 1. Semester 2019 wieder aufnehmen – sicherlich stärker partizipativ als bisher, damit die früheren Widerstände aus der Bevölkerung besser abgeholt werden können.

Aus den Widerständen heraus ist ein aktiver Quartierverein entstanden, das ist doch gut.

Ja – der Verein hat im Bereich Natur- und Heimatschutz sehr viel geleistet und seine Arbeit wurde nun an runden Tischen mit Kanton, Stadt Aarau, Jurapark, Forst besprochen. Es ist dem Engagement des Quartiervereins, aber auch der Offenheit des Gemeinderats zu verdanken, dass sich hier etwas bewegt. Das ist unser Politikverständnis: Wir nehmen ein Anliegen entgegen, prüfen es umfassend, suchen eine gute Lösung.

Trotzdem läuft es in Ihrem ersten Jahr als Ammann nicht überall rund.

Fehler passieren, damit umzugehen braucht gegenseitiges Verständnis. Man merkt aber schon, dass Teile der Bevölkerung Kritik schnell und sehr deutlich formulieren. Ich wünschte mir etwas weniger Schuldzuweisungen und Emotionalisierungen. Wenn ich Mails erhalte, die schon im ersten Satz Wörter wie «entsetzt» oder «empört» erhalte, ist es schwierig, die Diskussion zu versachlichen.

Löscht es Ihnen schon ab?

Nein, überhaupt nicht – ich habe viel Freude und Lust an der Politik. Ich bin selber ein eher ungeduldiger Mensch und habe deshalb Verständnis, wenn andere mit Ungeduld an uns herantreten. Ich würde nicht sagen, dass es ein schwieriges Jahr war – eher ein Jahr der Findung. Wir sind gut unterwegs und offen, zu lernen.

Meistgesehen

Artboard 1