Oberentfelden

Von der Tussi bis zur «crazy Rolle»: Daria Ziörjen lebt ihre Rollen

«Eine crazy Rolle»: Daria Ziörjen spielt dieses Jahr bei der Theatergesellschaft Oberentfelden eine Zauberin.

«Eine crazy Rolle»: Daria Ziörjen spielt dieses Jahr bei der Theatergesellschaft Oberentfelden eine Zauberin.

Ab Samstag Abend tritt die 24-jährige Steuerfachfrau drei Wochen lang als Zauberin im Theater Oberentfelden auf.

Am Samstag feiert die Theatergesellschaft Oberentfelden mit der Komödie «So en Zirkus» Premiere. Seit sieben Jahren dabei ist die Steuerfachfrau Daria Ziörjen (24). Kunststück: Mutter Irène ist schon zum 35. Mal mit von der Partie und Bruder Jannis macht heuer zum ersten Mal mit, derweil Papas Kraft beim Kulissenschieben und Bereitstellen der Requisiten gefragt ist.

Eine Theaterfamilie, wie es sie bei den Oberentfelder Theaterleuten häufig gibt. Man denke auch an Wabers oder Achermanns. Jannis, der Sohn von Daniel Achermann, der den Clown spielt, hat das Theaterspielen sogar zum Beruf gemacht.

Rollen authentisch mit Leben füllen

«Wir waren als Familie, schon als ich noch Kind war, beim Aargauer Freilichtspektakel dabei», erzählt Daria. Damals war sie dort Statistin, seit 2012 übernimmt sie bei der Theatergesellschaft Oberentfelden Sprechrollen, dieses Jahr gibt sie die Zauberin Emmanuelle.

Es sei extrem spannend, in andere Rollen zu schlüpfen, äusserlich, was Kleider und Aufmachung angeht, aber auch den Charakter betreffend. Gleich bei ihrem Start 2012 war sie herausgefordert:

«Am Anfang musste ich eine Tussi spielen, die sich aber im Verlauf des Stücks zur Punkrockerin verwandelt», erinnert sie sich. Komplette Gegensätze. Das reizt sie am Theaterspielen: Nicht nur einen Text aufsagen, sondern die Person leben, authentisch, nicht aufgesetzt.

Das Auswendiglernen ist kein Problem

«Eine crazy Rolle», sagt sie zu ihrem aktuellen Auftritt als Zauberin und sie findet es «cool», ganz verschiedene Rollen spielen zu können: Abwechslung. Die Rolle erforschen und mit ­Leben füllen, so lautet die Aufgabe. «Das macht Spass mit den Leuten im Verein; ich habe hier eine zweite Familie gefunden.» Und einen Ausgleich zur Büroarbeit.

Das Auswendiglernen sei ihr schon immer leicht gefallen. Der Text gehört ja in einen Handlungszusammenhang. Natürlich muss sie ihn lesen, in ihrer Wohnung auch laut und mit Emotionen, um die Person lebendig werden zu lassen. «Was wohl der Nachbar denkt, wenn er mich so hört?», lacht sie.

«Die Zeit vergeht wie im Fluge»

Daria Ziörjen rühmt das Klima im Verein: «Kein Neid, keine Eifersucht.» Es ist der Regisseur, der die Rollen zuteilt und auch bei der Probenarbeit «hartnäckig» bleibt. Wer spielen will, teilt dies im Frühling mit. Die Zusammensetzung des «Personals» hat einen Einfluss auf die Stückwahl.

Regisseur Nicolas Russis Credo: Wer spielen will, soll möglichst spielen können. So kann wie in der aktuellen Produktion aus einer Rolle, Zauberer, eine Doppelrolle, zwei Zauberinnen, werden. Etwas schräge Rollen findet Daria einfacher zu spielen.

Man hat’s offensichtlich gut untereinander, gibt einander Tipps, macht Verbesserungsvorschläge. «Cool», sagt sie, «und obwohl es eine anstrengende Zeit ist, vergeht sie wie im Fluge.»

«Wir geben immer alles»

Und der Lohn? «Für mich ist’s die Freude am Spielen», sagt Daria, «dazu kommen die Reaktionen des Publikums, das Lachen, Ausrufe, das Mitfiebern, Mitleiden.»

Dem Publikum einen unterhaltsamen Abend zu bieten, vielleicht sogar einen, den sie nicht so schnell vergessen, motiviere vor jedem Auftritt aufs Neue. «Wir geben immer alles», sagt die leidenschaftliche Theaterfrau, «es gibt kein Abflachen, keine Routine.»

Und manchmal möchte sie nach der Dernière noch weiter spielen, denn es fehle etwas, die Rolle, die Theaterfamilie, die sie ins Herz geschlossen hat. Eine Familie, so Daria Ziörjen, deren Türen für Theaterbegeisterte, ob Jung oder Alt, ob für die Bühne oder die Arbeit im Hintergrund, offenstünden.

Nun geniesst sie die «spezielle Atmosphäre in ganzen Januar» bis zur letzten Aufführung am 25. Januar, bevor sie in ein Loch zu fallen befürchtet und das Plangen auf die nächste Spielzeit anfängt.

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