Aarau
Von der Migros zu McDonald's: Marronimann musste Stand zügeln

Giovanni Kaufmann, der Marroniverkäufer in der Igelweid, musste seinen Stammplatz räumen. Nun verkauft er seine Marroni vor dem McDonald’s. Er und die Fast-Food-Kette würden sich gut ergänzen, findet er.

lee Müller und Sabine Kuster
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Nicht alle Kunden wissen vom Standortwechsel des Marronistandes, und doch stehen viele bereits am Morgen Schlange, um heisse Marroni zu ergattern. Lee

Nicht alle Kunden wissen vom Standortwechsel des Marronistandes, und doch stehen viele bereits am Morgen Schlange, um heisse Marroni zu ergattern. Lee

«Zuerst habe ich tatsächlich gedacht, McDonald’s verkauft jetzt Marroni», sagt eine Kundin lachend. Dies ist nicht verwunderlich: Giovanni Kaufmann steht mit seinem Marronistand seit Anfang Oktober direkt vor der Filiale der Fast-Food-Kette.

Nach zehn Jahren musste er seinen Stammplatz in der Igelweid vor der Migros verlassen. «Die Situation hat sich geändert. Früher konnte ich meinen Stand über Nacht in der Migros unterstellen. Heute stehen dort die Selbstbedienungskassen», sagt der Marroniverkäufer. Auch die Fläche vor dem Laden gehört der Migros.

Von der Stadt bekam Kaufmann keinen neuen Standplatz, denn der Stadtrat hat vor Jahren entschieden, keine öffentliche Fläche mehr an Imbissstände zu vermieten. Die Ausnahme ist «Ömer’s Imbiss» am Graben, denn Ömer Akyüz verkaufte dort schon Hamburger und Hotdogs, bevor der Beschluss gefasst wurde. Hört Akyüz auf, wird es am Graben laut Polizeichef Daniel Ringier keinen Ersatz geben.

Die Stadt vermittelt

Die Stadt vermittelte den Marroniverkäufer darauf an den Mc Donald’s. Nun steht er mit seinem Stand vor der alten Mühle, dem McDonald’s-Lokal. Er fühle sich wohl am neuen Standort und mit dem neuen Platzvermieter. «Mc Donald’s und mein Marronistand ergänzen sich super», findet Giovanni Kaufmann, «immer wieder kommen Familien mit hungrigen Kindern im Schlepptau vorbei. Der jüngere Bruder schreit nach einem Burger, während die ältere Schwester die Mutter schnurstracks zu meinen Marroni zieht.»

Seine Marroni kommen aus verschiedenen Regionen in Italien wie den Abruzzen oder der Toscana. Durch die Unwetter in Norditalien sei dort die diesjährige Marroniernte garstig ausgefallen, sagt Kaufmann, darum müsse er vermehrt auf Marroni aus südlicheren Regionen zurückgreifen. Auch die Gallwespe, die seit Jahren in Italien ihr Unwesen treibt, sorgte bei den Marroniverkäufern für Kopfschmerzen.

Giovanni Kaufmann zeigt sich zuversichtlich: Durch den Einsatz des natürlichen Feindes der Gallwespe, einer Schlupfwespe namens «Torymus sinensis», wurde die Ausbreitung der Gallwespe bereits stark dezimiert. Kaufmann rechnet damit, dass sich die Marronibestände in Italien in den nächsten Jahren erholen.

Kunden finden den Weg

Ebenfalls optimistisch ist Kaufmann bezüglich seiner Kunden. Er schätzt, dass zwar über die Hälfte noch nicht wisse, wo er seinen neuen Stand aufgebaut habe, dass sich dies jedoch herumsprechen werde. Neu öffnet er seinen Stand auch am Sonntag und verkauft somit von Oktober bis März täglich Marroni.

An diesem Morgen finden jedenfalls viele den Weg zu ihm: Schon bald bildet sich eine Warteschlange vor dem Marronistand und Giovanni Kaufmann hat alle Hände voll zu tun, die frischen Marroni zu rösten und in kleine Säckchen zu packen. «Für die leckeren Marroni mache ich auch einen Umweg zu McDonald’s», sagt die Kundin, die zu Beginn noch dachte, McDonald’s biete neu auch Edelkastanien an.

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