Angesprochen auf die Erwartungen an den neuen Torhüter Mihailo Radovanović sagte HSC-Trainer Misha Kaufmann vor der Saison lapidar: «Viele Paraden.» Zwar sind in der neuen Saison erst zwei Spiele gespielt, aber viele Paraden hat der 23-jährige Serbe gleichwohl schon gezeigt.

Vor allem beim sensationellen Sieg gegen Schweizer Meister Kadetten Schaffhausen. Dort hat er nicht weniger als 19 Angriffsversuche pariert und eine Abwehrquote von 46 Prozent erreicht. Ein Traumwert.

Begeisterte: HSC-Suhr-Aarau-Torhüter Mihailo Radovanovic und seine Paraden gegen die Kadetten Schaffhausen

Begeisterte: HSC-Suhr-Aarau-Torhüter Mihailo Radovanovic und seine Paraden gegen die Kadetten Schaffhausen

Kein Wunder schwärmt HSC-Sportchef Guido Frei vom neuen Mann zwischen den Pfosten. «Im letzten Spiel hat er eindrücklich gezeigt, wozu er fähig ist. Er ist auf und neben dem Platz ein toller Mensch mit einem guten Charakter. Wir sind sehr zufrieden mit ihm.» Doch wer ist der 1,92 Meter grosse Neuzugang im Tor des HSC Suhr Aarau?

Vom Kreisläufer zum Torhüter

Aufgewachsen ist Mihailo Radovanović in der serbischen Stadt Čačak, ein Ort mit knapp 80 000 Einwohnern rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Belgrad. Seine ersten Gehversuche im Handball unternahm der damals 10-Jährige als Kreisläufer.

Ins Tor kam er bloss durch Zufall. «Ich hatte mich am Knöchel verletzt, also stellte mich der Trainer ins Tor. Ich wehrte viele Bälle ab und spürte das Spiel sehr gut. Von diesem Moment an war ich Torhüter», erinnert er sich.

Einige Jahre später wurden die Talentscounts des serbischen Spitzenclubs Partizan Belgrad auf Mihailo Radovanović aufmerksam. Es war der Startschuss einer rasanten Karriere: Mit 16 zog er in die Hauptstadt. Ein Jahr später gab er sein Debüt in der ersten Mannschaft – und das gleich beim Champions-League-Spiel in Kopenhagen.

Wenig später stieg er zum Stammgoalie auf und mit 19 wurde er ins serbische Nationalteam berufen. «Für die Nationalmannschaft zu spielen, war mein Traum. Ich konnte kaum glauben, dass ich das so schnell geschafft hatte», so Radovanović, der bislang 12 Spiele im serbischen Dress bestritten hat.

Ruhe und Stabilität gesucht

Nach zwei Meistertiteln und zwei Cupsiegen verliess er Belgrad in Richtung Deutschland. Mit Bietigheim spielte er in der 1. und 2. Bundesliga und lief zuletzt für das schwedische Team HK Drott auf. Und jetzt spielt Mihailo Radovanović also beim HSC Suhr Aarau.

Doch wie kommt ein Spieler seines Kalibers in die Schweiz? «Natürlich ist es sportlich ein Rückschritt, wenn man das Niveau mit der 1. Bundesliga vergleicht. Aber in der Schweiz zu spielen, ist genau das, was ich jetzt brauche», sagt Radovanović.

Nach den intensiven Jahren in der Bundesliga mit zwei Trainings pro Tag und deutlich mehr Pflichtspielen als in der Schweiz sowie dem unglücklichen Abstecher nach Schweden, wo er vier Monate spielte, jedoch nur eine Lohnzahlung erhalten hatte, suchte der 23-Jährige ein stabiles und ruhigeres Umfeld.

«Die Atmosphäre beim HSC ist sehr familiär und die Spieler schauen nicht nur für sich, wie das in Deutschland der Fall war. Generell sind die Schweizer freundlicher. Ich fühle mich hier sehr wohl», so Radovanović, der in seiner Freizeit als Ausgleich zum Handball gerne angeln geht.

Dass sich Mihailo Radovanović in seiner neuen Heimat schnell eingelebt hat, dürfte auch damit zusammenhängen, dass sein zwei Jahre jüngerer Bruder Aleksandar ebenfalls als Handball-Profi in der Schweiz weilt. Und zwar bei Ligakonkurrent HC Kriens-Luzern. «Wir wohnen nur eine halbe Stunde auseinander und treffen uns einmal pro Woche, das ist genial», freut sich Mihailo Radovanović.

Nächsten Mittwoch duellieren sich die Radovanović-Brüder zum ersten Mal in einem offiziellen Meisterschaftsspiel. Und dafür hat der ältere ein klares Ziel: «Mein Bruder darf gegen mich kein Tor schiessen», sagt Mihailo Radovanović lachend. Zuerst steht für den HSC Suhr Aarau aber das wichtige Heimspiel gegen den RTV Basel auf dem Programm: Sonntag, 17 Uhr, Schachen.