«Für mich geht ein Bubentraum in Erfüllung.» Das sagt David Bürge (43). Er ist zum ersten Vollprofi-Feuerwehrkommandanten im Aargau gewählt worden. Der ehemalige Angestellte der Berufsfeuerwehr des Flughafens Kloten übernimmt am 1. April die Stützpunktfeuerwehr Aarau (rund 120 Angehörige).

Sie leistet neben Aarau und Biberstein auf Anforderung in weiteren 36 Gemeinden Hilfe. Die zuständige Stadträtin Suzanne Marclay-Merz spricht davon, man habe mit Bürge einen «ausgezeichneten Kandidaten» wählen können. Und: «Wir hatten viele sehr gute Bewerber, also eine optimale Ausgangslage.»

Beide leben im Westaargau

David Bürge wird Daniel Ringier (59), dem langjährigen Stadtpolizeichef und ab Juni Leiter der neuen, übergeordneten Abteilung Sicherheit (Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz), unterstellt sein. Ringiers Beförderung wurde vom Stadtrat im Januar bekannt gegeben, Bürges Wahl gestern kommuniziert.

Einziger Makel des Doppelpacks: Weder der Sicherheits-Chef noch der Feuerwehrkommandant wohnen in der Kantonshauptstadt. Ringier lebt in Zofingen, Bürge in Safenwil. Letzterer hatte die Möglichkeit, seinen Wohnsitz behalten zu dürfen, zur Bedingung für seine Wahl gemacht. David Bürge war zeit seines Lebens in Safenwil. Er wohnt mit seiner Familie (zwei Kinder) in einem Einfamilienhaus und gehört für die SVP dem Gemeinderat an. Bürge ist unter anderem Präsident des Gemeindeverbands Forstbetrieb Kölliken-Safenwil.

Ursprünglich Schreiner gelernt

David Bürge übernimmt das Feuerwehrkommando von Thomas Kuhn (55). Der nicht vollamtliche Kommandant Kuhn leitete die Feuerwehr Aarau interimistisch seit dem Sommer 2017, als Michael Gautschi (42) überraschend zurücktrat. Kuhn hat die Feuerwehr nach schwierigem in eher ruhiges Fahrwasser geführt.

Zur Wahl von David Bürge schreibt der Stadtrat: «Die Neubesetzung erfolgt im Rahmen der Professionalisierung des Feuerwehrkommandos. Hohe Verfügbarkeit und kurze Entscheidungswege sind mit der vollamtlichen Kommandantenstelle gewährleistet.»

David Bürge hat in Kölliken bei Friedli Schreiner gelernt und sich dort zum Chefmonteur weitergebildet. Die Feuerwehr war stets ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Während 21 Jahren (bis Ende 2016) gehörte er der Feuerwehr Safenwil an – zuletzt als Ausbildungschef im Rang eines Offiziers. Während fünf Jahren war er Feuerwehrinstruktor der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV). Und vor allem: Vom Januar 2001 bis zum Februar 2004 war Bürge Angestellter des Flughafens Kloten – als Brandwächter bei der Berufsfeuerwehr.

Leiter des Care-Team Aargau

Aktuell arbeitet der Safenwiler als Betriebsleiter/stellvertretender Geschäftsführer beim Recycling- und Entsorgungscenter Wiggertal AG (Rewag) in Oftringen. Bis vor einem Jahr war der Kanton sein Arbeitgeber. Bürge hatte sich vom Zivilschutzinstruktor bis zum Kommandanten des Kantonalen Katastrophen-Einsatzelements (KKE) hochgearbeitet. Er gehörte acht Jahr lang dem Kantonalen Führungstab an (bis März 2018).

In der Funktion als KKE-Kommandant leitete er das Care-Team Aargau, das etwa nach dem Vierfachmord von Rupperswil zum Einsatz kam. Die AZ berichtete im Dezember 2016 unter dem Titel «Sie helfen in den schwersten Stunden» über Bürge und seine Leute.