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Volkssport Sparbillett: Wer seine Fahrkarten geschickt löst, reist unheimlich günstig – wie diese Beispiele zeigen

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Sparbillette gibt es in der SBB-App.

Sparbillette gibt es in der SBB-App.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Im letzten Winter war es die kleine Mehrwertsteuersenkung, jetzt ist es der billigere Strom: Auf die SBB wird immer wieder sanfter Druck ausgeübt, den Kunden etwas zurückzugeben. Und immer häufiger tun sie das in Form von Sparbilletten. Am Montag gaben sie bekannt, dass sie wegen der Strompreissenkung gegen zehn Millionen Franken für punktuelle Verbilligungen zur Verfügung stellen werden. Bei den Sparbilletten variieren die Preise je nach Buchungsdatum und Auslastung der Züge (je weniger Passagiere, desto günstiger die Preise). Normalerweise profitieren Frühbucher besonders stark. Aber es gibt auch Fälle, in denen Sparbillette sehr kurzfristig verfügbar sind. Buchen kann man sie nur über die SBB-App (dort wird auch ihre Verfügbarkeit angezeigt).

Gefahr für Gemeinde-GA

Die Sparbillette dürften mittelfristig zur ernsthaften Konkurrenz werden für die SBB-Tageskarten, die die Gemeinden zur Verfügung stellen (Preis meist um die 45 Franken pro Tag). Geht die Nachfrage zurück, werden viele Gemeinden diesen Service einstellen, weil er nicht mehr kostendeckend ist.

Unter den AZ-Redaktoren hat es einige geübte Sparbillett-Kunden. Ihre eindrücklichsten Beispiele:

  • Für 8.80 Fr. nach Basel (retour): Ein freier Tag unter der Woche, Herbstmesse in Basel – das passt gut. Das Sparbillett Aarau–Basel ist so unverschämt billig, dass man es kaum für möglich hält: 3.20 Franken (2. Klasse mit Halbtax) für 41 Minuten Zugfahrt, Abfahrt um 9.36 Uhr. Leicht teurer ist die Rückfahrt um 15.47 Uhr: Diesmal kostet die Reise 5.60 Franken. Eine Stunde früher wäre es noch einmal günstiger gewesen. Kassensturz nach zwei Bahnfahrten zwischen Aarau und Basel: 8.80 Franken statt 21.80 Franken. Macht eine Ersparnis von 13 Franken. Macht wiederum eine Fahrt auf dem Riesenrad auf dem Münsterplatz plus eine Handvoll Mässmögge. Und macht vor allem eines: Es weckt den Ehrgeiz, selbst bei Regenwetter mit dem Velo zum Bahnhof zu pedalen, anstatt Geld für den Bus auszugeben. Da kostet eine Fahrt von sieben Minuten und mit Halbtax nämlich 2.80 Franken – für geschätzt zwei Kilometer Weg.
  • Für 23.40 Fr. in den Tessin (retour): Fahrt morgens um halb sieben für 12 Franken von Aarau nach Lugano. Nach einer Höhenwanderung entlang der Denti della Vecchia blieb noch genug Zeit, um dem See entlang zu flanieren und ein Abendessen auf dem Monte Brè zu geniessen. Dann ging es mit dem letzten Zug wieder auf 230 Kilometern quer durch die Alpen nach Hause – dieses Mal für 11.40 Franken.
  • Heimfahrt für 7.20 Franken: Nach dem Fussballspiel in St. Gallen. Abfahrt um 22:38 Uhr. Für 7.20 Franken insgesamt 130 Kilometer nach Aarau zurückgelegt. Und von zwei Zugführern erfahren, dass 30 Franken zahlen muss, wer bei der Billettkontrolle keinen Akku mehr hat. Also, aufgepasst, ihr Sparfüchse.
  • Für 28.40 Franken an die Sonne: Dem Nebel entflohen, von Lenzburg nach Kandersteg gefahren. Abfahrt im 10.35 Uhr mit einem gewöhnlichen Billett (ohne Halbtax): für 28.40 statt 63 Franken.
  • Für 15.40 Franken nach Bern: Bei dieser Halbtax-Fahrt war das Sparbillett ein begrenztes Schnäppchen: Das Billett ab Lenzburg war nur 2.10 Franken günstiger – aber immerhin. Vielleicht lag es daran, dass es die Fahrt bereits fast in der Stosszeit erfolgte.

Sind sie auch ein Schnäppchenjäger auf Schienen? Gehören Sie zu denjenigen, die den neuen Volkssport Sparbillette betreiben? Schreiben Sie uns ihre eindrücklichsten Beispiele (neben dem Preis mit möglichst vielen Angaben zu Reisezeit und -tag).

Mails an: aarau@azmedien.ch