Aarau
Volkshochschule Aarau: Die Neugierde soll auch im reifen Alter kitzeln

Lernen im Erwachsenenalter? Diese Idee hatte es einst schwer im Aargau. 50 Jahre nach der Gründung der Volkshochschule Aarau ist das schwer vorstellbar. Und doch sagt Hélène Klemm, Präsidentin seit 25 Jahren, sei es nicht einfach, Nischen zu finden.

Hermann Rauber
Merken
Drucken
Teilen
Seit 25 Jahren präsidiert Hélène Klemm die Volkshochschule Aarau.

Seit 25 Jahren präsidiert Hélène Klemm die Volkshochschule Aarau.

Jiri Reiner

«Günstig, nah und kompetent» müsste wohl auf der Fahne der Volkshochschule Aarau stehen, sofern sie denn eine hätte. Die Institution hat diese Woche ihren 50. Geburtstag unter dem Motto des «lebenslangen Lernens» gefeiert, der Kernidee, die heute aktueller denn je ist. Der Begriff stammt vom dänischen Lehrer und Pfarrer Frederik Severin Grundtvig, der im 19. Jahrhundert Bildungsmöglichkeiten für Erwachsene ins Leben rief.

Erster Versuch schlief ein

In Aarau reichen erste Versuche in die gleiche Zeit zurück, wie Brigitte Künzli in ihrer Historia erläuterte. Auf Anregung von Heinrich Zschokkes «Gesellschaft für vaterländische Kultur» existierte in der Aargauer Kantonshauptstadt kurzzeitig ein «Bürgerlicher Lehrverein», der allen Volksschichten Bildung vermitteln wollte, bald aber wieder einschlief.

In der Schweiz erwachte der Drang nach zusätzlicher Wissensvermittlung für jedermann von Neuem nach dem Ersten Weltkrieg und dem Generalstreik 1918. Die damals gegründeten Volkshochschulen konnten sich allerdings vorerst nur in grossen Zentren halten.

Erst zu Beginn der 1960er Jahre fasste die Idee auch im ländlichen und kleinstädtischen Aargau Fuss. Es war die von Zschokke 1811 gegründete Kulturgesellschaft des Bezirks Aarau, die erneut den Anstoss für die Lancierung gab.

«Energiequelle für das Gehirn»

Am Anfang stand eine Gruppe von Mittelschullehrern unter Führung von Leonhard Jost, die die Sache an die Hand nahm. Der ehemalige Seminarlehrer und Gründungspräsident erzählte 50 Jahre später an der Jubiläumsversammlung, wie es dazu kam. Jost stand damals an der Spitze der Literarischen- und Lesegesellschaft Aarau.

«Es war ein elitäres Publikum, mir aber schwebte eine breiter greifende Bildungsoffensive vor», sagte der bald 92-Jährige. Er bekannte allerdings, dass die Umsetzung «nur teilweise gelungen ist», wünschte der Volkshochschule Aarau aber trotzdem «Offenheit, Perspektiven und weite Horizonte».

Neugierde im reifen Alter erhalten

Unter den Gratulanten befand sich auch Stadtrat Lukas Pfisterer, ein Nachfahre von Heinrich Zschokke, für den damals das republikanische Anliegen «Bildung macht frei» Triebfeder war. Heute stehe die «Neugier» im Vordergrund, die es auch im reiferen Alter zu erhalten gelte.

Martin Burkard, der Rektor der Alten Kantonsschule, verwies schliesslich auf die vielfältigen Verbindungen zwischen den Aarauer Mittelschulen und der Volkshochschule, sowohl auf der «personellen als auch auf der räumlichen Ebene».

Dass man sich auf gutem Weg befindet, bewies Hélène Klemm, die seit 25 Jahren die Institution präsidiert und damit nicht weniger als die halbe Vereinsgeschichte mitgeprägt hat. 1964 startete der Betrieb mit sechs bis neun Kursen pro Jahr, heute sind es 42.

Das sei, so Klemm, nicht selbstverständlich, denn die Volkshochschule musste sich der Konkurrenz durch private Anbieter, Klubschulen, der Pro Senectute, Spitäler oder dem Internet stellen. Die Suche nach Nischen werde immer schwieriger. Deshalb sehe sich die Volkshochschule noch immer als «Ort der persönlichen Begegnung» und als «Plattform für lebendige Diskussionen», die beste «Energiequelle für das Gehirn».

Sommerakademie sehr erfolgreich

Als erfolgreich erwies sich die Einführung einer «Sommerakademie» vor 15 Jahren, die sich als wahrer Publikumsmagnet etabliert hat. «Uns geht es darum, dass wir gemeinsam den Horizont erweitern und damit auch der Vereinsamung entgegen wirken wollen», fasste Klemm die Philosophie der Volkshochschule Aarau zusammen. Diese sei zwar «nicht rentabel, aber wertvoll».