Suhr
Vogelgezwitscher statt Presslufthämmer: Bau der Parkresidenz verzögert sich

Letzten Sommer hätten die Bagger auf dem Huggler-Areal auffahren sollen – passiert ist nichts. Gemäss Besitzer Theodor Huguenin sind Verhandlungen über den Hochwasserschutz und dem Forbestand der alten Mühle der Grund. 2016 soll Einzugstermin sein.

Katja Schlegel
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Wegen der Verzögerung werden die Hallen auf dem ehemaligen Huggler-Areal wieder vermietet.ksc

Wegen der Verzögerung werden die Hallen auf dem ehemaligen Huggler-Areal wieder vermietet.ksc

Ein Vogel hüpft durchs Gestänge eines alten Krans, aus einer Garage ist das Knattern eines Bohrers zu hören, hinter einer Tür telefoniert jemand lautstark. Ansonsten ist es ruhig auf dem Huggler-Areal. Zu ruhig.

Eigentlich hätte hier im Sommer 2013 mit den Bauarbeiten für das Projekt «Parkresidenz Mühle» begonnen werden sollen. So jedenfalls hatte es Besitzer und Architekt Theodor Huguenin bei der Auflage des Gestaltungsplans im Sommer 2012 angekündigt.

Die Baubewilligung für die Erschliessung des Gebiets über den Mühleweg hat der Gemeinderat diese Woche erteilt, und auf dem Gelände der Parkresidenz Mühle laufen die Bauarbeiten für die Verlegung der Fernwärmeleitung der TBS. Das Baugesuch für die Überbauung aber ist noch nicht eingereicht worden.

Fragen werfen auch die Inserate auf, die in den letzten Wochen regelmässig erschienen sind: «Zu vermieten im Huggler-Areal Suhr, Werkhallen, Werkstätten, Lager, Büroräume, Aussenlager, Wohnmobil-Plätze und Reithalle». Auch auf dem Turm, an dem noch der Schriftzug der Firma Huggler aufgemalt ist, hängt ein Plakat «zu vermieten». Was ist hier los? Wurde das Projekt gestoppt?

«Nein», sagt Huguenin. Er hat das 2,2 Hektaren grosse Industriegelände zwischen der Suhre und dem Chilemattweg 2006 Emil Huggler gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Stefan Fritz abgekauft. «Wir arbeiten am Projekt und werden das Baugesuch auf der Basis des bewilligten Gestaltungsplans in den nächsten Monaten einreichen.»

So soll die Parkresidenz Mühle dereinst aussehen.

So soll die Parkresidenz Mühle dereinst aussehen.

Zur Verfügung gestellt

Für die Verzögerung gibt es laut Huguenin verschiedene Gründe: So hätten sich unter anderem die Verhandlungen mit dem Kanton über den Gestaltungsplan bezüglich Hochwasserschutz und dem Schutz der alten Mühle, die mitten im Areal steht, in die Länge gezogen.

Mieter profitieren von Verzögerung

Die Inserate und das Plakat für die Vermietung erklären sich mit dem Auszug der Emil Huggler AG, Baumaschinenfabrik, die auf dem Gelände eingemietet war. Über die Firma wurde gemäss Eintrag im Schweizerischen Handelsamtsblatt Mitte Januar der Konkurs eröffnet, sämtliche Güter müssen nun liquidiert werden.

Zeitgleich mit dem Konkurs hat die Firma ihre Hallen und Büros verlassen. Weil Huguenin nicht vor Frühling 2015 mit einem Baustart rechnet, werden diese Räume nun wieder für kurze Zeit vermietet. Die Verzögerung um fast zwei Jahre hat auch für die anderen Mieter auf dem Areal seine Vorteile: «Gekündigt wurde bis heute niemandem», sagt Huguenin.

Er rechnet damit, dass die Mieter im nördlichen Teil des Areals bis Ende 2014 bleiben können, bevor die Gebäude bis zur Mühle abgerissen werden. Je nach dem bestehe sogar die Möglichkeit einer Rochade: «Sind die ehemaligen Huggler-Hallen im Süden frei, können die Mieter aus dem nördlichen Teil da einziehen.»

Nicht vom Rückbau betroffen ist die kleine Halle im nördlichsten Zipfel des Areals, das Zuhause des Familienbetriebs Circus Viva, einem Partyzeltvermieter und Eventorganisator.

Gestartet wird mit der ersten Etappe der Überbauung im nördlichen Teil des Areals. In vier bis fünf weiteren Etappen soll die Residenz gebaut werden. Geplant sind zehn kubenförmige Mehrfamilienhäuser mit total rund 130 Einheiten zum Wohnen und Arbeiten, die sowohl vermietet als auch verkauft werden sollen.

Die Wohnungsgrundrisse können je nach Bedürfnis der Bewohner flexibel gestaltet werden. Auf dem Dach befindet sich je eine Attika-Wohnung. «Die ersten Wohn- und Geschäftseinheiten werden voraussichtlich im Jahr 2016 bezugsbereit sein», sagt Huguenin.

Residenz mit Fernwärme

Die Wohnungen werden im Minergie-Standard gebaut. «Ausserdem konnte dank unserer Bemühungen und Einwilligung die Fernwärmeleitung der TBS unter der Suhre hindurchgeführt via unser Grundstück geleitet werden, wo eine kleine Verteilzentrale entstehen wird», so Huguenin. So können nicht nur die Schul- und Verwaltungsgebäude sowie die katholische Kirche, sondern auch die Parkresidenz Mühle und LEBENsuhr mit Wärme ab der Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs versorgt werden.

Die parkähnliche Überbauung wird verkehrsfrei sein. Die alte Mühle bleibt stehen und soll im Rahmen des Projekts saniert werden. Auch hier sollen laut Huguenin Wohnungen und Geschäftsräume Platz finden.