Rupperswil
Vierfachmord wohl erst im Frühsommer bei «Aktenzeichen XY»

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die aargauischen Ermittler allenfalls Unterstützung vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland erhalten. Doch die Hilfe lässt auf sich warten. Grund ist: Der Vierfachmord in Rupperswil ist zu umfangreich für Polizei und Fernsehen.

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Der Vierfachmord Rupperswil kommt erst im Frühsommer bei «Aktenzeichen» (Archivbild)

Der Vierfachmord Rupperswil kommt erst im Frühsommer bei «Aktenzeichen» (Archivbild)

Keystone/WALTER BIERI

Der Vierfachmord von Rupperswil beschäftigt die Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei auch sechs Wochen nach der Tat fast Tag und Nacht. «Die Ermittlungen der Sonderkommission laufen nach wie vor auf Hochtouren», sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, auf Anfrage der az. Die Sonderkommission umfasst gemäss «NZZ am Sonntag» 35 Personen.

Vergangene Woche wurde zudem bekannt, dass die Ermittler allenfalls Unterstützung vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen erhalten könnten. Denn, so bestätigte die Staatsanwaltschaft Medienberichte, man habe Kontakt zur Redaktion der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» aufgenommen. In der Sendung werden ungelöste Kriminalfälle gezeigt – in der Hoffnung, dass daraufhin aus der fernsehschauenden Bevölkerung wertvolle Hinweise eingehen. Ob der Fall Rupperswil aber tatsächlich ausgestrahlt werde, sei noch unklar, hiess es vor Wochenfrist.

ZDF-Sprecherin: «Noch nicht»
Wie gross stehen die Chancen dafür tatsächlich? Ein Blick auf die Website der ZDF-Sendung zeigt: In der nächsten Ausgabe vom 10. Februar wird dies noch nicht der Fall sein. Sechs Fälle werden thematisiert: Eine 89-Jährige, die um viel Geld betrogen wurde; eine verschwundene Ehefrau; ein Paket mit gefährlichem Inhalt; ein Trickdieb, der mit Uhren im Wert von 400'000 Franken davonkam und zwei Männer, die eine vermögende Witwe überfallen, gefesselt und geknebelt haben. Ein Vierfachmord in einem Schweizer Dorf wird hingegen nicht aufgeführt.

Auf Nachfrage der az lässt die «Aktenzeichen»-Redaktion über Sprecherin Margrit Preiss bestätigen, dass in der Sendung vom 10. Februar zu Rupperswil «nichts drin» sei. Preiss betont aber: «Noch nicht.»

Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie zuvor um 9.50 Uhr bei einem Bankomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil ab. Dabei wurde sie von einer Kamera gefilmt.
23 Bilder
So wurde die schreckliche Tat entdeckt: In einem Doppel-Einfamilienhaus stiessen Feuerwehrleute bei einem Brand am 21. Dezember 2015 auf vier Leichname.
Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne (†13 und †19) sowie die Freundin des älteren Sohnes (†21). Dieses Bild vor dem Haus der Opfer wurde zirka 9 Tage nach der Tat aufgenommen.
Carla Schauer am Bancomaten in Rupperswil am Tag ihrer Ermordung. Sie hob hier am Tatmorgen 1000 Euro in 100er-Noten ab.
Die Filiale der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil im Gebäude rechts hinten, etwas vom Baum verdeckt.
Die Lenzhardstrasse in Rupperswil, wo die Familie Schauer wohnte.
Die Feuerwehr rückte am Tattag um 11.20 Uhr wegen des Brands zum Haus an der Lenzhardstrasse aus.
Einsatzkräfte fanden im Haus die vier verkohlten Opfer. Sie wiesen alle Stich- oder Schnittverletzungen auf.
Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, informiert Medienschaffende nach der Tat.
Der Tattag: Ein Grossaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften ist vor Ort.
Das Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr lockt auch zahlreiche Anwohner an.
Vor Ort stehen Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft im Einsatz.
Ermittler bei der Arbeit: Sie sichern Spuren im und vor dem Haus.
Für die Ermittler ist Knochenarbeit angesagt: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
Auch das Care-Team Aargau ist vor Ort.
Das Quartier, in dem das Verbrechen geschah.
In der linken Doppelhaushälfte kam es zu den vier Tötungsdelikten.
Schüler und Anwohner stellen, als das Ausmass des Verbrechens klar wird, vor dem Haus Kerzen auf.
Schüler und Anwohner stellen, als das Ausmass des Verbrechens klar wird, vor dem Haus Kerzen auf.
Zwischen den Kernen befinden sich persönliche Abschiedsbotschaften.
Blick auf das Dorfzentrum von Rupperswil.
Flugblatt statt Facebook: Die Polizei sucht direkt in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit vier Toten geben können.
Neun Tage nach der Tat stehen nach wie vor viele Kerzen vor dem Haus der Opfer.

Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie zuvor um 9.50 Uhr bei einem Bankomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil ab. Dabei wurde sie von einer Kamera gefilmt.

Kapo AG

Klar ist zudem: Einen grossen Fall wie jenen von Rupperswil würde die Redaktion kaum mit einem kurzen Hinweis abhandeln, sondern in einem Film zeigen. Für eine solche Produktion benötigen die Fernsehmacher eine längere Vorbereitungszeit für Recherche, Konzeption, Dreh, Schnitt und Vertonung. Ein Ausstrahlungstermin im März erscheint daher unwahrscheinlich, denkbar wäre eher ein Sendetermin im Frühsommer.

Diese Beurteilung deckt sich mit den Informationen, die die Aargauer Staatsanwaltschaft momentan dazu gibt. Fiona Strebel sagt: «Nach ersten Kontakten mit der Redaktion hat sich gezeigt, dass ein Beitrag über den Fall Rupperswil eher ein langfristiges Projekt wäre.»

Nur als letztes Mittel
Die Bedingungen, die ein Fall erfüllen muss, um in «Aktenzeichen XY» thematisiert zu werden, sind klar festgelegt. So werden nur sogenannte Kapitalverbrechen aufgenommen, sprich: Mord, Sexualdelikte, Raub, schwere Betrugsfälle. Behörden können sich zwar jederzeit mit einem Fall an die Redaktion wenden, zum Teil geht die Redaktion auch auf die Ermittler zu. Ausgestrahlt werden darf aber erst, wenn die Ermittler «mit herkömmlichen Mitteln» nicht mehr weiterkommen. «Kein einziger Fall geht über den Bildschirm, der nicht den offiziellen Auftragsstempel von Polizei und Staatsanwaltschaft trägt», heisst es auf der Website.

Eine andere Frage, die von az-Lesern immer wieder aufgeworfen wurde, ist jene nach der «Spur nach Wohlen». Recherchen von Tele M1 hatten gezeigt, dass sich am Tag der Tat zwei Unbekannte in einer Apotheke mit Schnittverletzungen behandeln liessen. Die Staatsanwaltschaft stellte jedoch kürzlich im «Blick» klar, dass es «keine Anhaltspunkte» dafür gebe, «dass die dort behandelten Personen in Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt von Rupperswil stehen».

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