Verkehrszählung

Vier von fünf Fahrten starten oder enden im Aarauer Stadtgebiet

Die Region Aarau ist hauptsächlich vom sogenannten Quell- und Zielverkehr geprägt. Rund 30 Prozent der Fahrzeuge haben ihren Start- oder Zielort in der Region. Das zeigt eine Erhebung der Nummernschilder.

Gross angelegt war die Aktion: An 43 Standorten in und um Aarau filmten im letzten September Kameras die Nummernschilder der Autos um herauszufinden, wohin sie fahren. Denn es gilt hier zwei Knoten zu lösen.

Nun zeigt die Analyse der Verkehrsströme in Aarau und den umliegenden Gemeinden Buchs, Suhr, Gränichen, Entfelden, Kölliken, Erlinsbach und Küttigen, dass die Knoten hauptsächlich selbst geknüpft sind: In der Stadt Aarau beispielsweise macht der Durchgangsverkehr nur 20 Prozent aus. Alle übrigen Autos starten entweder in der Stadt oder parkieren hier. Das ist nicht verwunderlich: Die Stadt bietet viele Arbeitsplätze, Einkauf- und Vergnügungsmöglichkeiten. Eine Transitzone ist sie nicht.

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Bringts die Ostumfahrung?

Es überrascht aber auf den ersten Blick, dass dies auch für den Knoten Suhr gilt: Wieder durchfahren nur 20 Prozent aller Autos das Gebiet Suhr/Gränichen. Wer also auf der Bernstrasse oder der Gränicherstrasse im Stau steht, will entweder ein Ziel innerhalb der beiden Gemeinden erreichen oder er kommt von hier. Denn auch dieses Gebiet ist dicht besiedelt und bietet viele Arbeitsplätze.

Würde eine Ostumfahrung Suhr den Knoten also wirklich lösen? «Eine grossräumige Umfahrung sehen wir weder für Suhr noch für Aarau», sagt Marianne Brunner, Projektleiterin beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

«Aber die Ostumfahrung würde sehr wohl etwas bringen. Eine massgebliche Entlastung gibt es aber nur, wenn auch die Südumfahrung gebaut wird.» Dies, weil der Hauptdurchgangsverkehr in Suhr auf der Achse Ost–West rollt. Dieses Nadelöhr würde durch eine Abkürzung nach Gränichen nicht genug entlastet.

Aber eben: Der Durchgangsverkehr ist nicht das primäre Problem. Deshalb ist die Stadt Aarau von den Vorschlägen in der kantonalen Netzstrategie nicht begeistert.

Auch wenn hier der Knoten kleinräumiger gelöst werden soll: Es gehe darum, in der Stadt Umwege zu eliminieren, sagt Marianne Brunner. Dass zum Beispiel ein Auto von der Rohrerstrasse her zum Kreuzplatz kommend nicht mehr eine Schlaufe zum Bahnhof fahren muss, um auf die andere Seite der Geleise nach Buchs, Suhr oder ins Gönhardquartier zu gelangen. Dort schafft die Verbindungsspange Buchs Nord Abhilfe, welche durchs Industriequartier Torfeld Süd gebaut wird.

Zudem soll statt der Bahnhofstrasse die Mühlemattstrasse stärker befahren werden. Dies, obwohl vom gesamten Durchgangsverkehr Ost-West in Aarau die Mühlemattstrasse schon heute 82% (nach Westen) bzw. 55% (nach Osten) der Last trägt. Die Netzstrategie des Kantons sieht einen Tunnel von der Rohrerstrasse direkt runter zur Mühlemattstrasse vor.

Dagegen wehrt sich die Stadt Aarau: «Ein solcher Tunnel wäre sehr attraktiv für den Durchgangsverkehr, einen Ausbau des Strassennetzes für den Durchgangsverkehr wollen wir aber nicht», sagt der zuständige Stadtrat Werner Schib.

Dadurch würde der neue Staffeleggzubringer als Achse zum nördlichen Aareufer weniger genutzt. Zudem habe die Stadt in den nächsten 15 Jahren das Geld nicht, neue Strassen zu bauen. «Unsere Hauptstrategie ist, den Langsamverkehr und den öffentliche Verkehr in der Stadt attraktiver zu machen, um die Strassen zu entlasten.»
Schlupflöcher im Boden gesucht

Eine Abkürzung vom Kreuzplatz zur Mühlemattstrasse wurde schon 2002 mit dem Sauerländer-Tunnel geschaffen. Doch nun ist offenbar die Suche nach weiteren Schlupflöchern durch die Stadt angesagt. Denn die Verkehrsstrategie des Kantons sieht sogar einen Tunnel vom Schachen zur Entfelderstrasse im Binzenhof vor. Auch dazu sagt Schib: «Das ist keine Lösung für uns. Die Analyse zeigt, dass wir das Problem innerhalb der Stadt angehen müssen.»

Kein Problem hat das Gebiet Kölliken/Entfelden: Die Analyse zeigt, dass vergleichsweise wenig Durchgangsverkehr durch das Siedlungsgebiet geht. Die Suhrentalstrasse als Zubringer zur Autobahn trägt die Hauptlast.

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