Ist es möglich, dass vier Orchestercellisten 30 Meter unter dem Aarauer Bahnhof musizieren und einen Spaziergang durch die Musikgeschichte machen? Kann so etwas zwischen Felsen und Betonmauern schön klingen? Und: Gibt es Menschen, die das hören möchten?

Ja, das alles geht. Vier Mitglieder aus dem Celloregister der Argovia Philharmonic haben im Rahmen der «Serie Surprise» den Beweis erbracht und mit einem Kammermusikonzert im «Aufschluss Meyerstollen» verblüfft. Zu hören gab es bestbekannte Klassiker in Arrangements für Celloquartett – zunächst besinnliche, zum Schluss virtuose und moderne.

Eröffnet wurde das einstündige Konzert mit Frühbarock. Wiliam Byrd, ein Zeitgenosse von William Shakespeare, war einer der berühmtesten Komponisten seiner Zeit. Seine Pavana bot einen gehaltvollen Einstieg ins Programm. Sechzig Jahre nach Byrds Tod kam Johann Sebastian Bach zur Welt. Von ihm erklang die berühmte, oft arrangierte Air aus der dritten Orchestersuite, ein Stück, das ebenso gut zu dieser speziellen Formation passte wie die beiden Gavotten aus demselben Werk. Mozarts «Ave verum corpus», ein Spätwerk, erlebte im tiefen Keller eine berührende Interpretation.

Der zweite Teil war der Romantik gewidmet. Hier konnten die vier Cellisten aus dem Vollen schöpfen. Vor allem hier kam den Musikern die überraschend gute Akustik des Stollens so sehr entgegen, dass es eine Freude war, den gut gemachten Bearbeitungen etwa von Schuberts «Ständchen» oder eines Walzers von Johannes Brahms zuzuhören. Mit Wagners Pilgerchor aus der Oper «Tannhäuser», fein differenziert und diesmal eben nicht nur pompös, endete der romantische Teil.

Der Gesang fehlte niemandem

Ist es möglich, Stücke aus der Welt des Pop so umzuschreiben, dass sie zu vier klassischen Instrumenten passen? Es ist möglich, und wie! «Nothing Else Matters» von Metallica überzeugte ebenso wie «Smooth Criminal» von Michael Jackson. Der Gesang fehlte niemandem, und manch einer von denen, die es sich auf den Klappstühlen mehr oder weniger bequem gemacht hatten, staunte ob der handwerklich gut gemachten und überzeugend arrangierten Kompositionen.

Mit zwei Zugaben und dem feinen Nachtlied «Guten Abend, gute Nacht» von Brahms verabschiedeten die Cellisten das Publikum. Dass dreissig Meter weiter oben Züge durch den Bahnhof Aarau donnerten, merkte man erst, wenn man den Stollen wieder verliess.