Buchs
Vier Buchs, vier Hefte: Die Geschichte eines «austauschbaren» Dorfes

Vier Hefte erzählen Geschichten über vier Buchs: Eines liegt im Aargau, die anderen in Luzern, St. Gallen und Zürich. Die Dörfer scheinen auf den ersten Blick austauschbar, suggerieren die Hefte «4 Books for 4 Buchs».

Heidi Hess
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Diese Fotos bilden die Szenerie für die Geschichte, die im aargauischen Buchs spielt. Emmanuel Freudiger

Diese Fotos bilden die Szenerie für die Geschichte, die im aargauischen Buchs spielt. Emmanuel Freudiger

Ein Dorf scheint austauschbar. Kreisel, Schulhaus, die Beiz im Ort – irgendwie siehts überall gleich aus, ob in Buchs im Kanton Zürich, im Kanton Sankt Gallen, Luzern oder im Aargau. Das jedenfalls suggerieren die vier schmalen Hefte «4 Books for 4 Buchs», erschienen im Zürcher Kunstverlag Edition Patrick Frey. Zumindest auf den ersten Blick.

Ein neuer Tag beginnt

Dabei haben die vier Dörfer gleichen Namens nur schon unterschiedliche Einwohnerzahlen. Vom kleinen Luzerner 400-Seelen-Buchs, das als einziges der vier Dörfer keine eigenständige Gemeinde mehr ist – 2006 fusionierte es mit der Nachbargemeinde Dagmersellen. Bis zum grössten Buchs im Kanton Sankt Gallen, das über 11000 Einwohner zählt. Und in Buchs Aargau mit über 7000 Einwohnern kann man kaum ausmachen, wo Aarau oder Suhr aufhören und Buchs anfängt, derart sind die Gemeinden zusammengewachsen.

Ob im Aargau oder im Kanton Zürich, die vier Geschichten der Autorin Carolina E. Santo mit Fotografien von Véronique Hoegger beginnen allerdings viermal gleich: Überall zeigt die erste Fotografie frühmorgens den Blick aus dem Fenster. Gleichzeitig lautet die Kernaussage des ersten Satzes jedes Mal: «Ein neuer Tag beginnt.» Auch wenn die Protagonistin an diesem Tag nun in allen vier Buchs zunächst auf Feldwegen oder geteerten Strassen durch Grün joggt, an einem Brunnen vorbei und irgendwann auf den jeweils 52 Seiten nach Kreisel, Laden und Schulhaus stets in einem Restaurant landet, so liegt der Unterschied doch im Detail.

Das erkennt, wer in den Heften simultan blättert. Und genau das macht die vier Hefte interessant. Es geht um die Frage, ob Buchs Luzern tatsächlich idyllischer und ländlicher ist, weil es so klein ist? Oder wie man in Buchs, Aargau, die Vorortgemeinde erkennt?

Die Portugiesin Carolina E. Santo jedenfalls spielt damit. Santo ist Szenografin, hat Theaterwissenschaften an der Sorbonne in Paris studiert und den Master in Szenografie 2009 an der Hochschule der Künste in Zürich gemacht. Sie realisierte zahlreiche Bühnenbilder und Installationen und arbeitet heute für die Oper in Paris.

Die kleinen Unterschiede

Szene für Szene zeigt sie die gleiche Handlung in unterschiedlicher Umgebung. Entsprechend variieren die Ereignisse, verändert sich die Geschichte in Nuancen.

Dass Ähnliches nicht gleich ist, wird etwa dann deutlich, wenn die Hauptperson, eine junge Frau, in den verschiedenen Ortschaften einen Laden betritt. So spielt sich die Szene im kleinen luzernischen Buchs in einer Dorfbäckerei ab, dem einzigen Laden im Dorf, der demnächst für immer schliessen soll. In der Agglomerationsgemeinde Buchs im Aargau hingegen wählt Santo den türkischen Supermarkt, der für die multikulturelle Gesellschaft dieser Gemeinde steht.

«Buchs», Carolina E. Santo und Véronique Hoegger, Edition Patrick Frey. 38 Franken.