Behindertengerecht

Via Website der Stadt zum Rollstuhl-WC: Aarau schaltet digitalen Zugänglichkeitsplan auf

Nach Solothurn kooperiert nun auch Aarau mit Pro Infirmis – und schaltet die Zugänglichkeitsdaten auf seiner Webseite auf.

Nach Solothurn kooperiert nun auch Aarau mit Pro Infirmis – und schaltet die Zugänglichkeitsdaten auf seiner Webseite auf.

Welche Beiz, welcher Kulturtempel ist für Menschen mit Behinderung leicht zugänglich? Antworten gibt nun der digitale Zugänglichkeitsplan von Pro Infirmis auf der Website der Stadt.

Pro Infirmis Aargau-Solothurn hat in der Stadt Aarau rund 100 öffentliche Gebäude auf ihre Barrierefreiheit und Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen überprüfen lassen. Die dabei erhobenen Daten sollen Menschen im Rollstuhl und solchen mit einer Gehbeeinträchtigung helfen, sich selbstständig und selbstbestimmt im öffentlichen Raum zu bewegen.

Digitale Zugänglichkeitspläne hat Pro Infirmis Aargau-Solothurn bisher für die beiden Kantonshauptstädte realisiert. Eine spezielle App schaffen wollte man nicht, um die Menschen mit Behinderung nicht zu separieren. Die für sie relevanten Daten sollen dort greifbar sein, wo sich auch alle andern Menschen informieren, nämlich auf der Stadt-Website. Nach Solothurn kooperiert nun auch Aarau mit Pro Infirmis: Die vorliegenden Zugänglichkeitsdaten wurden auf der kürzlich neu gestalteten Website aarau.ch aufgeschaltet.

Das A und O einer Karte ist ihre Aktualität. Achim Bader, seit zwei Jahrzehnten bei Pro Infirmis Aargau-Solothurn engagiert und massgeblich am Projekt «Digitale Zugänglichkeitspläne» beteiligt, erklärt, wie die Aarauer Daten aktuell gehalten werden sollen: Als Ausgangspunkt diente eine ältere, auf Papier vorliegende Sammlung von Daten, die für die Digitalisierung nun überprüft und aktualisiert wurden.

Das Ganze sei natürlich eine «never ending story», sagt Bader, der hofft, dass weitere Gebäudebetreiber auf das Projekt aufmerksam werden und sich motivieren lassen, sich bei ihm respektive bei der Pro-Infirmis-Beratungsstelle in Aarau zu melden. Selbst die Information, dass ein Gebäude nicht barrierefrei sei, macht Bader deutlich, sei eine wertvolle Information.

Und wenn dann beispielsweise ein Restaurant einen Lift einbaue, mache es Sinn, dies Pro Infirmis mitzuteilen, damit die Karte aktualisiert werden könne. Dank einer entsprechenden Schnittstelle ist auch die Karte auf der Website der Stadt immer auf dem neusten Stand – jenem von Pro Infirmis –, ohne dass im Rathaus jemand einen Finger rühren muss.

So funktionierts

Wer sich im Gelände mithilfe seines Smartphones in Bezug auf die Zugänglichkeit orientieren will, gibt auf der Stadt-Website unter «Was suchen Sie?» einen passenden Begriff wie «Behinderung» ein. Unter «Seiten» wählt man dann das Kapitel «Mobilität für Menschen mit Behinderung».

Sodann erscheint eine Karte, die mit Symbolen beispielsweise für Restaurants, Parkhäuser und Toiletten gespickt ist. Verschieben, vergrössern und verkleinern lässt sich die Karte, indem man mit zwei Fingern über den Bildschirm streicht beziehungsweise die beiden Finger voneinander weg oder aufeinander zu bewegt.

Probe aufs Exempel: Man klickt aufs Symbol eines Kulturtempels (das Tempel-Symbol steht für Museum oder Galerie) am Schlossplatz und findet so die Daten des Forums Schlossplatz. Die zwei Symbole, die dann erscheinen, zeigen, dass das Haus zum Schlossgarten zwar rollstuhlgängig ist, dass es dort aber kein Behinderten-WC gibt.

Für das Kultur- und Kongresshaus (KuK), dem Forum Schlossplatz gleich gegenüber, wird die Rollstuhlgängigkeit des Gebäudes angezeigt. Zusätzlich steht hier auch eine Behindertentoilette zur Verfügung. Klargemacht wird aber auch, dass es direkt beim KuK keine Behindertenparkplätze gibt. Abrufen kann man «weitere Details» wie auch Fotomaterial.

So erfährt man, dass alle Säle ausser den Sälen 1 und 2 im Erdgeschoss für Personen im Rollstuhl nur mit dem Warenlift zu erreichen sind. Auch die Frage nach Behindertenparkplätzen wird im «Detail»-Bereich differenzierter beantwortet: Es gebe öffentliche Parkplätze gegenüber dem Eingang, genauer: drei mit einem Signet gekennzeichnete ungedeckte Rollstuhlparkplätze, 6 Meter lang und 3,5 Meter breit, 15 Meter vom Eingang entfernt. Das ist korrekt: Die Tafel mit dem Vermerk «max. 3 Std.» steht drüben vor dem Zaun beim Eingang zum Schlossgarten. Eine Bodenmarkierung gibt es nicht.

Auch die Daten diverser Restaurants wurden erfasst, unabhängig davon, ob und inwiefern sie den Ansprüchen von Menschen mit Behinderung genügen. Andere werden auf der Karte zwar erwähnt, aber ohne entsprechende Angaben. Erkennbar ist das daran, dass in diesem Fall das grüne Restaurant-Symbol fehlt.

Ein eher schwieriges Thema ist in Aarau ganz allgemein jenes der öffentlichen Toiletten. Die Pro-Infirmis-Recherchen ergaben – das zeigen die WC-Symbole auf der Karte – beispielsweise im Bahnhofbereich drei solche von Menschen mit Behinderungen nutzbare Anlagen: jene im Untergeschoss des SBB-Bahnhofs, jene in der Migros «Gleis 0» und, südlich der SBB- und WSB-Gleise, jene im Geschäftshaus Bleichemattstrasse 2.

In allen drei Fällen handelt es sich um Eurokey-Toiletten. Sprich: Die Toiletten sind geschlossen, können aber von Behinderten, die über einen Eurokey verfügen, mit diesem geöffnet werden.

Bisher ist Aarau die einzige Stadt im Aargau, für die ein digitaler Zugänglichkeitsplan existiert. Weitere Projekte, sagt Achim Bader auf Anfrage, seien aber geplant. Ganz zuoberst auf der Liste figuriere derzeit die Stadt Zofingen.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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