Aarau
Verwirrung: Können «Meinstadion.ch»-Spendenbeiträge von den Steuern abgezogen werden?

Man kann die Spenden in der Steuererklärung deklarieren – aber erst, wenn das Volk Ja gesagt hat. Die Gründe.

Nadja Rohner
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Spenden ja, von der Steuer abziehen nein? Es herrscht Verwirrung.

Spenden ja, von der Steuer abziehen nein? Es herrscht Verwirrung.

© 2014 nightnurse images, Zürich

Seit dem Ja des Aarauer Einwohnerrats zu den beiden Stadion-Vorlagen am Montagabend ist der Bau einer neuen FC-Aarau-Sportstätte im Torfeld Süd wieder etwas näher gerückt. Das freut ganz besonders jene 2033 Personen, die im Rahmen der Sammelaktion «Meinstadion.ch» (zwischen November 2017 und Juli 2018) Geld gespendet haben.

Die Beträge bewegen sich im Rahmen von 80 Rappen bis 75 000 Franken. Spenden ab 100 Franken seien steuerlich abzugsfähig, hiess es stets vonseiten «Meinstadion.ch». «Alle Spenden sind als Schenkung an die Stadt Aarau ausgestaltet und mit der Auflage verbunden, dass die gespendeten Gelder für den Bau des Stadions zu verwenden sind», schrieb die GmbH in einer Mitteilung.

Ein FC-Aarau-Fan, der schon ganz am Anfang der Spendenaktion im November 2017 seine 200 Franken einzahlte und das auf der Steuererklärung 2017 entsprechend als «Zuwendung» deklarierte, musste jedoch erstaunt feststellen, dass das Steueramt der Stadt Aarau den Abzug ablehnte. «Meinstadion gemäss kantonalem Steueramt nicht abzugsberechtigt, da Crowdfunding», hiess es kurz und knapp in der definitiven Steuerveranlagung, die der Fan diesen Frühsommer erhalten hat.

Das Aarauer Stadion-Projekt in Bildern:

Kopie von Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern (Plan B)
12 Bilder
Um das Stadion im Torfeld (Platz für 10'000 Besucher) sollen vier unterschiedlich hohe Wohntürme gebaut werden.
Die Einnahmen aus den vier geplanten Hochhäusern sollen das Stadion mitfinanzieren.
Modell-Ansicht: Das Stadion mit den vier Hochhäusern (von Südosten her gesehen).
Die Modell-Ansicht von der Echolinde aus zeigt, wie sich die Silhouetten der vier geplanten Hochhäuser (rechte Bildhälfte) im Stadtbild machen würden. Am linken Bildrand ist das Telli-Hochhaus zu sehen (80 Meter hoch), rechts davon das AEW-Hochhaus (60 Meter hoch).
Bauherrin des Stadions ist die HRS.
Visualisierung: So soll es beim neuen Aarauer Stadion aussehen.
Der Verein "Unser Stadion" ist gegen das Projekt im Torfeld Süd: Er favorisiert für das neue Aarauer Fussballstadion den Standort Obermatte in Buchs.
Ende August 2019 sagte der Einwohnerrat Aarau Ja zu zwei Stadion-Vorlagen. Im November stimmt das Aarauer Volk ab. Im Bild: Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (M. FDP) und Stadrätin Suzanne Marclay (FDP) während der Debatte im Einwohnerrat.
Vor der Debatte: Alfred Schmid (l.), aktueller Präsident des FC Aarau, und Philipp Bonorand, sein Nachfolger im Spalier der FCA Junioren vor dem Parlamentsgebäude. aufgenommen vor der Stadion Debatte des Einwohnerrat Aarau am 26. August 2019. "mein stadion, mein quartier, unsertorfeld.ch"
Vorderhand trägt der FC Aarau seine Spiele weiterhin im Stadion Brügglifeld aus. (Bild vom Match zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel 1893 am 15. Mai 2014.)
25. Juli 2019: Das Stadion Brügglifeld hat eine neue Bestuhlung auf der Sitzplatz-Tribüne erhalten.

Kopie von Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern (Plan B)

Zur Verfügung gestellt

Michael Hunziker, Präsident von «Meinstadion.ch», hat von der Problematik auch gehört. Er verweist jedoch auf ein Schreiben des Vorstehers des Kantonalen Steueramts vom Juni 2018. Darin wird «Meinstadion.ch» tatsächlich beschieden, dass die steuerliche Abzugsfähigkeit gegeben ist – aber: Erst, wenn ein positiver Volksentscheid vorliegt. Also erst, wenn die Aarauerinnen und Aarauer am 24. November Ja gesagt haben zum Stadion und der Entscheid rechtskräftig wird.

Das wäre dann (allfällige Abstimmungsbeschwerden beiseitegelassen) in der Steuererklärung für 2019. Bei einem Volks-Nein würden die Spendenbeträge (ab 50 Franken) wieder an die Spender zurückbezahlt und könnten dann natürlich nicht steuerlich abgezogen werden.

Es ist also korrekt, dass das Aarauer Steueramt für die Jahre 2017 und 2018 den Abzug nicht zulässt – die Begründung «nicht abzugsberechtigt, da Crowdfunding» stimmt aber nicht. Das bestätigt nun auch das städtische Steueramt auf Anfrage.

Und: «Es ist den Spendern zu raten, dass sie die Belege über die getätigten ‹Spenden› aufbewahren und sobald das Geld definitiv via Einwohnergemeinde dem Stadion zukommt, den Abzug in der entsprechenden Steuerperiode geltend machen.»

Aarauer Stadion-Entscheid im Einwohnerrat – die Demo der FC-Aarau-Familie:

Aarauer Stadion-Entscheid im Einwohnerrat - Galerie für Demo der FCA-Familie
12 Bilder
Die FC-Aarau-Junioren machen sich stark für den Standort Torfeld Süd.
Rot dominiert vor dem Parlamentsgebäude: Viele FC-Aarau-Junioren sind gekommen.
Noch-Präsident Alfred Schmid (l.) und Bald-Präsident Philipp Bonorand inmitten der FCA-Junioren mit den «mein quartier, mein stadion, unsertorfeld.ch»-T-Shirts.
Die Stadträte Angelica Cavegn, Hanspeter Thür und Suzanne Marclay (v.l.) im Spalier der FCA Junioren
Auch die FCA-Führung ist gekommen: Sportchef Sandro Burki (links) und Präsident Alfred Schmid.
Zwischen den Junioren und auf dem grünen Teppich gehts für die Einwohnerräte in den Sitzungssaal.
Lelia Hunziker, Gegnerin des Projekts im Torfeld Süd, im Spalier der FC-Aarau-Junioren.
Stadtrat Hanspeter Thür (Grüne) macht sich für die Vorlagen stark.
Das Interesse an der Debatte ist gross.
Entscheid über das Fussballstadion: Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (Mitte, FDP) und Stadrätin Suzanne Marclay (FDP).
Der Einwohnerrat sagt schliesslich zweimal deutlich Ja zu den Vorlagen.

Aarauer Stadion-Entscheid im Einwohnerrat - Galerie für Demo der FCA-Familie

Foto: Colin Frei / Aargauer Zeit