Rupperswil

Verunglückter Joel war auf dem Weg zu seiner Freundin – Vater: «Warum hat es uns erwischt?»

«Er war immer sehr seriös», erzählt Vater René R. am Tag nach dem tödlichen Unfall seines Sohnes

«Er war immer sehr seriös», erzählt Vater René R. am Tag nach dem tödlichen Unfall seines Sohnes

 Roger Wintsch vom Aargauer Fahrlehrerverband sieht mangelnde Erfahrung und Ablenkung als Ursachen für Unfälle von Neulenkern.

Der 18-jährige Joel aus Holderbank wird am Dienstag nach dem Feierabend bei einem tragischen Verkehrsunfall in Rupperswil aus dem Leben gerissen. Er hatte erst vor rund drei Monaten die Autoprüfung bestanden. «Eine riesige Trauer», sagt der Vater gegenüber Tele M1.

Mit seinem roten Golf ist Joel aus Holderbank nach dem Feierband auf dem Weg zu seiner Freundin. Auf der Ausserortsstrecke zwischen Wildegg und Rupperswil passierts: Der 18-Jährige gerät auf die Gegenfahrbahn, kommt ins Schleudern und kracht in einen korrekt entgegenkommenden Lastwagen.

Innert kürzester Zeit sind die aufgebotenen Einsatzkräfte vor Ort. Sie müssen den eingeklemmten Joel aus dem Auto befreien – doch der Mechaniker-Lehrling verstirbt noch auf der Unfallstelle.

«Leider kamen alle Massnahmen zu spät»: Polizeisprecher Bernhard Graser am Unfallort

«Leider kamen alle Massnahmen zu spät»: Polizeisprecher Bernhard Graser am Unfallort

«Einfach eine riesige Trauer. Warum? Wieso? Warum hat es gerade uns erwischt?», fragt sich Vater René R. am Tag nach dem Unfall im Interview mit Tele M1.

Warum Joel auf der geraden und übersichtlichen Strecke auf die Gegenfahrbahn geriet, ist noch unklar. Erst seit rund drei Monaten ist er in Besitz des Führerausweises.

Möglicherweise ist dem Neulenker die fehlende Erfahrung – kombiniert mit einer kurzzeitigen Ablenkung – zum Verhängnis geworden, meint ein Experte:

«Die Problematik ist, dass man die Geschwindigkeit in modernen Autos immer wieder unterschätzt. Dabei legt man bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h in einer Sekunde 24 Meter zurück!», gibt Roger Wintsch, Fahrlehrer und Präsident ad iterim des Aargauer Fahrlehrerverbands, zu Bedenken.

Dass sein Sohn von seinem Mobiltelefon abgelenkt wurde, glaubt Vater René R. nicht: «Er war immer sehr seriös, hat nie etwas Verbotenes getan. Als ich jeweils beim Autofahren aufs Natel geschaut habe, hat er immer gesagt: 'Papa, weg mit dem!'», sagt er weiter gegenüber Tele M1.

Schicksalschläge zu verkraften

Womöglich war der 18-jährige Neulenker bei seiner Fahrt mit den Gedanken nicht auf der Strasse. Laut seinem Vater hatte er in den vergangenen Tagen zwei harte Schicksalsschläge zu verkraften. «Ein Kollege war am Tag zuvor mit seinem Töff schwer verunglückt. Und dann beschäftigte ihn den Suizid eines Schulkollegen stark.»

Die Unfallursache ausfindig zu machen, dürfte laut Polizei noch eine Weile dauern. Sie sucht Zeugen. Insbesondere der Lenker eines schwarzen Jeep, der unmittelbar hinter dem roten Unfall-Golf fuhr, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden. (az)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1