Buchs
Verteidiger will Amokschützen für vier Jahre ins Gefängnis schicken

Der Verteidiger des Amokschützen von Buchs will seinen Mandanten für vier Jahre ins Gefängnis schicken. Gegen eine Verwahrung will er sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Der Staatsanwalt hatte 11 Jahre Gefängnis und die Verwahrung gefordert.

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Urs Oswald, der Verteider des Amokschützen

Urs Oswald, der Verteider des Amokschützen

Alex Spichale

Auch für Urs Oswald, den Verteidiger des angeklagten Hans S. ist klar, sein Mandant ist kein Musterknabe. Die ihm zur Last gelegten Vorwürfe gehen Oswald aber zu weit. Für die wesentlichen Punkte der Anklage (versuchte vorsätzlicher Tötung, strafbare Vorbereitungshandlungen zu mehrfachem Mord, Aufbewahrung von Sprengstoff) fordert er einen Freispruch.

Für die restlichen Anklagepunkte verlangt er eine Gefängnisstrafe, die nicht höher als vier Jahre ist. Eine Verwahrung seines Mandanten sei «unter keinen Umständen» gerechtfertigt, führte Oswald aus. Er werde eine solche bis zum letzten Mittel bekämpfen.

Der angeklagte S. machte sich dabei - wie schon die ganze Zeit zuvor - fleissig Notizen.

Staatsanwalt Peter Heuberger hat heute Vormittag eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und die Verwahrung gefordert. Für ihn sei es zweifelsfrei erwiesen, dass S. im November 2008 in Buchs an der Neumattstrasse zumindest einen Schuss auf Polizisten abgegeben habe und er auch die weiteren ihm zu Last gelegten Verfehlungen begangen habe.

«Schutzbehauptungen»

Dass die gefunden Hülse von anderen Pistolen stammen könnte, taxierte Heuberger heute Vormittag in seinem Plädoyer als «reine» Schutzbehauptung. «Die Ausflüchte des Angeklagten stehen auf schwachen Beinen», erklärte Heuberger.

Als nicht glaubhaft taxierte der Staatsanwalt auch die Aussagen von S. zur «Todesliste». Die Polizei hatte im Haus von S. eine Liste mit 26 Namen gefunden - Leute, auf die es S. offenbar abgesehen hatte. Dazu fand die Polizei auch ein ganzes Arsenal von Folterinstrumenten.

Gefahr von weiteren Straftaten?

S. hatte gestern erklärt, dass es sich mit der Liste abreagieren wollte, dass das Ganze ein Spiel gewesen sei und ihn die Folterinstrumente inspiriert hätten.
Heuberger sieht das ganz anders: S. habe einen detaillierten Massnahmenplan erstellt und als konkrete Vorkehrungen mit dem Ziel getroffen, 26 Personen unter vorheriger Anwendung von Foltermethoden zu töten.

Der Angeklagte zeige trotz den Tatsachen keinerlei Reue, gab sich Heuberger erstaunt. Für den Staatsanwalt steht auch ausser Zweifel, dass S. weitere Straftaten verüben wird, wenn er nicht verwahrt werde.

Angeklagter ist nicht untherapierbar

Soweit wollte der Gerichtspsychiater Josef Sachs, der heute früh vor Staatsanwalt Heuberger an der Reihe war, nicht gehen. In seinem Gutachten kam er zum Schluss, dass der 53-jährige Angeklagte unter einer «wahnhaften Störung» leidet. Daneben leide der Hans S. auch unter Schlaf- und Schmerzstörungen.

Der Angeklagte habe vor allem ein Problem mit Autoritäten, so Sachs. Und das schon seit langem. Seine diesbezüglichen Wahnvorstellungen dürften nach dem zwanzigsten Altersjahr eingesetzt haben. Sachs legte dar, dass S. kein Ventil finde, um die Vorstellungen abzubauen, sondern sich diese vielmehr «aufstauen» würden. «Mit richtigen Autoritäten habe ich keine Probleme», entgegnete S. am Schluss des Gutachtens auf die Ausführungen von Sachs.

«Keine Probleme»

Das Risiko, dass S. wieder gewalttätig wird, stufte Sachs als «mittelgross» ein. Ob psychotherapeutische Massnahmen helfen könnten, wollte der Gutachter nicht eindeutig bejahen. Man müsse diese zuerst anwenden, bevor er dazu Genaueres sagen könne. Unklar blieb im Verlauf des Prozesses aber, ob S. sich überhaupt in eine Therapie begeben würde. Der Gerichtspräsident fragte den Anklagten bei Prozessende zweimal eindringlich, ob er in eine Theapie einwilligen würde. Bereits am frühen Morgen wurde S. das gefragt. Er hatte die Frage nicht mit Ja beantwortet, sondern Spitzfindigkeiten vorgebracht.

Das Urteil gegen S. wird morgen um 14 Uhr verkündet. (rsn/spi)