Aarau

Versuch ist gescheitert: Es soll vorerst keinen doppelten Kunstrasen geben

Die heutigen beiden Naturrasenplätze «Winkel» in Aarau Rohr sind sanierungsbedürftig.

Die heutigen beiden Naturrasenplätze «Winkel» in Aarau Rohr sind sanierungsbedürftig.

Der Einwohnerrat Aarau verlangt zusätzliche Abklärungen. Die Vereine, wie die FC Aarau Frauen, müssen warten.

Nebeneinander zwei Kunstrasen-Fussballplätze: Das gibt es im Aargau bisher noch nicht und schweizweit nur ganz selten. Der Versuch, in Aarau Rohr eine derartige Anlage im Schnellzugstempo zu realisieren, ist gestern Abend im Einwohnerrat gescheitert. Mit 27 zu 18 Stimmen haben die Parlamentarier einen 5,4-Millionen-Kredit in eine Zusatzschlaufe geschickt.

Auf die Gefahr hin, dass die Anlage nicht auf die Wintersaison 2021/22 in Betrieb genommen werden kann. Leidtragende sind diverse Aarauer Vereine, allen voran die FC Aarau Frauen, die künftig in Rohr trainieren sollen.

Einzig die FDP unterstützte Kreditantrag geschlossen

Die vorläufige Kreditablehnung ist aus mehrfacher Sicht bemerkenswert: Der Stadtrat ist mit seinem aussergewöhnlichen Vorgehen, sich gleichzeitig einen Projektierungs- und Ausführungskredit bewilligen zu lassen, gescheitert. Nicht zum Ziel geführt hat auch sein Last-Minute-Versuch, die Vorlage zu retten, indem er explizit auf die Verfüllung des Kunstrasens mit dem umstrittenen Kunststoffgranulat verzichtet.

Zu gross war die Skepsis quer durch fast alle Parteien hindurch, zu gross die Absicht, nur einen Projektierungskredit von 210'000 Franken zu genehmigen. Einzig die Freisinnigen stimmten geschlossen für den Kredit. Selbst aus der Partei von Sportminister Daniel Siegenthaler, den Sozialdemokraten, gab es sechs Stimmen für die Rückweisung und eine Enthaltung.

Von den 50 Einwohnerräten waren 46 anwesend, zwei SVP- und je ein SP und FDP-Mitglied entschuldigt.

Verdreifachung der Nutzungsstunden

Dass das Kunstrasen-Projekt nicht schlank durchgehen wird, zeichnete sich bereits in der Beratung durch die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) ab. Diese empfahl mit 6 zu 5 Stimmen Ablehnung, wie ihr Sprecher Stefan Zubler (FDP) gestern Abend erklärte. Der Bedarf nach zusätzlichen Trainingskapazitäten für den Breitensport war aber sowohl in der Kommission als auch im Rat unbestritten.

Dank den beiden Kunstrasenplätzen wären auf der Anlage «Winkel» statt 1200 Nutzungsstunden (wie heute mit den beiden sanierungsdürftigen Naturrasen-Feldern) neu 3300 Stunden möglich. Das über das ganze Jahr (heute nur Mitte März bis Ende Oktober). Die Belastung des Quartiers durch den zusätzlichen Verkehr, aber auch das abendlich Licht (Nutzung bis 22 Uhr) würde zunehmen. Im Einwohnerrat wurde auf die Gefahr von Einsprachen und Beschwerden im Baubewilligungsverfahren hingewiesen.

Stadtrat Daniel Siegenthaler strich den Vorteil der Kunstrasenfelder hervor. Dank ihnen würden im Winter zwei Hallen für andere Vereine frei. Und der betonte: «Wir werden in vier bis fünf Monaten nicht eine wesentlich andere Botschaft haben.» Doch die Mehrheit des Einwohnerrates will sich die Zeit für vertiefte Abklärungen nehmen.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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