Aarau
Versprechen eingelöst: Der Mann mit dem Traktor ist angekommen

Walter Fischer hat heute sein Versprechen, das er vor 53 Jahren in der Kinderklinik gab, eingelöst: Er tuckerte mit dem Traktor von Stetten zur Aarauer Klinik. Dort erwartete ihn eine Überraschung.

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Gruppenbild mit Traktorfahrer und Spitalpersonal.
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Herzliche Begrüssung: Walter Fischer vor der Aarauer Kinderklinik.
Traktorfahrer Walter erreicht Aarauer Kinderklinik und löst Versprechen ein
Walter Fischer vor seiner Mission, mit dem restaurierten Bührer-Traktor aus dem Jahre 1967.

Gruppenbild mit Traktorfahrer und Spitalpersonal.

Kantonsspital Aarau

Bei einer therapeutischen Weiterbildung brach Walter Fischer aus Stetten im Reusstal unlängst in Tränen aus. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er ein 53 Jahre altes Versprechen einlösen möchte.

Damals lag er nämlich wochenlang im Aarauer Kinderspital, erkrankt an einer Hirnhautentzündung, die sein Leben hätte auslöschen können. Doch so weit kam es nicht. Das verdankte der Bauernbub auch der guten Pflege der Krankenschwestern. Als er endlich nach Hause durfte, versprach er, er werde die Schwestern bald einmal mit dem Traktor besuchen kommen. Das war im Jahr 1961.

Wie das Leben so spielt – die Jahre vergingen, ohne dass er sein Versprechen einlöste. Aus dem Knirps wurde ein Automechaniker, ein Car- und Buschauffeur – und schliesslich ein Sozialpädagoge und ein Jugendheimleiter.

Herzlicher Empfang

Auf 11.00 Uhr hatte sich Walter Fischer heute bei der Kinderklinik angekündigt. «Um 11.00 Uhr kam er an», erzählt Andrea Rüegg, Sprecherin des Kantonsspitals Aarau. Das Personal erwartete ihn bereits, als er mit dem restaurierten Bührer-Traktor aus dem Jahre 1967 angetuckert kam. Die Ärztinnen und Pflegefachfrauen hatten sich nicht in Schale, dafür teilweise in Pflegetrachten geworfen. Und zwar in solche, welche Mitarbeiterinnen der Kinderklinik damals getragen hatten. Sie befanden sich im eigenen Archiv.

«Alle waren sehr aufgeregt und haben sich auf ihn gefreut», erzählt Andrea Rüegg weiter. Ihr Eindruck: Er sei sehr überrascht gewesen, dass ihn Schwestern in der Tracht von damals empfingen. Walter Fischer überreichte einer Mitarbeiterin stellvertretend für alle einen riesengrossen Blumenstrauss mit Sonnenblumen. Er sagte, dass ihm dieser Empfang sehr viel bedeute.

Damals war er, wegen seiner ansteckenden Krankheit, allein in einem Zimmer im ersten Stock in der Isolierstation untergebracht gewesen. Es muss ein kleines Trauma gewesen sein.

Walter Fischer tuckerte anschliessend nicht gleich wieder davon. Er erhielt eine persönliche Führung durch das Kinderspital, besichtigte auch jenen ersten Stock. Und schliesslich nahm er sogar ein Mädchen mit auf seinen Traktor und drehte zwei Runden ums KSA-Areal mit ihm. «Zum Abschied schenkten wir ihm Ballone als Symbole für die Leichtigkeit, die er verloren hatte», erzählt Andrea Rüegg. Man darf hier ein wenig spekulieren: Walter Fischer dürfte mit einem strahlenden Lächeln auf seinem Traktor nach Hause gefahren sein. (pz)

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