50 Millionen Franken. Noch nie hat die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) auf einen Schlag eine derart grosse Rollmaterial-Bestellung getätigt, wie im November (die az berichtete). Die fünf dreiteiligen Züge der Firma Stadler Rail AG sollen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 zur Verfügung stehen.

Allerdings vorerst mit Einschränkungen – weil sie 60 Meter lang sind. Die bisherigen Züge sind nur 40 Meter, eine Doppeltraktion also 80 Meter. Zwei zusammengekoppelte neue Züge wären 120 Meter.

«Doppeltraktionen zu lang»

Dafür ist die WSB-Infrastruktur nur teilweise ausgelegt. Die Folgen? «Doppeltraktionen der neuen Züge wird es vor dem Jahr 2025 wohl nicht geben. Sie wären unter anderem für die heutigen Haltestellen Oberentfelden Engelplatz und Unterentfelden Post zu lang. Diese müssen zuerst angepasst werden», erklärt Mathias Grünenfelder, Direktor von AAR bus+bahn.

Könnten allenfalls die alten, kürzeren mit den neuen, längeren Zügen zusammengehängt werden? Nein, das geht aus technischen Gründen nicht. «Wir wollten nicht die alte Technologie in das neue Rollmaterial einbauen», erklärt Grünenfelder. Das bestehende Rollmaterial ist teilweise bereits im Jahr 1979 in Betrieb genommen worden.

Bei der Haltestelle Unterentfelden Post sind die Platzverhältnisse schon heute, mit dem bestehenden Rollmaterial, sehr eng. Eine Anpassung ist vergleichsweise einfach: Die Haltestelle muss am bestehenden Ort verlängert werden. Es wird darum eine Verschiebung der Strasse notwendig werden.

Viele Probleme beim Engelplatz

Komplizierter ist die Situation in Oberentfelden, wo sich das letzte noch nicht eingentrassierte Stück WSB im Suhrental befindet und wo es bei der Haltestelle Engelplatz einen grossen Veränderungsbedarf hat.

Etwa wegen der vielen Bahnübergänge, insbesondere der Einmündungen der Schönenwerder- und der Köllikerstrasse in die Kantonsstrasse. Zudem ist die Haltestelle Engelplatz nicht behindertengerecht. Das Gesetz schreibt entsprechende Anpassungen bis Ende 2023 vor. Und schliesslich ist die Haltestelle zu kurz für die 120 Meter langen Doppeltraktionen der neuen Züge.

Näher zum Schulhaus Dorf

Es ist geplant, die Haltestelle Oberentfelden Engelplatz Richtung Norden zu verlegen. Also an die Aarauerstrasse in den Bereich Restaurant Schmiedstube/Schulhaus Dorf. Ziel ist es, in diesem Jahr ein Vorprojekt zu erstellen.

Die Federführung liegt beim Kanton. Das Projekt ist Teil des Agglomerationsprogrammes des Bundes. Weil Bundesgelder zur Verfügung stehen, dürfte die Finanzierung der der Haltestelle-Verschiebung, die mit der Eigentrassierung gekoppelt werden soll, einfacher sein. Sie wird so oder so einige Millionen Franken kosten.

Mehr Züge morgens nach Aarau

Während die Planer wegen des neuen Rollmaterials noch schwierige Probleme zu lösen haben, können sich die Passagiere auf mehr Komfort und mehr Verbindungen freuen. Denn dank der neuen Züge kann das Fahrplanangebot verbessert werden. Die Basis des Fahrplans bleibt der 15-Minuten-Takt.

Es können aber in den Spitzenzeiten zusätzliche Züge eingeschoben werden. Allerdings ist dies vorerst nur in der Lastrichtung und während der Spitzenstunde geplant, also in der Richtung, in der Passagieraufkommen besonders gross ist. Zum Beispiel in der Morgenspitze zwischen 7 und 8 Uhr talabwärts nach Aarau