Die Militärjustiz führt derzeit umfangreiche Ermittlungen, um den festgestellten Fehlbestand bei Sprengmitteln aufzuklären. Vermisst werden mehrere Arten von Sprengmitteln an mehreren Standorten der Durchdiener-Rekrutenschule in Aarau.

Bei den Ermittlungen werde die Militärjustiz von der Militärpolizei und von Experten des Kriminaltechnischen Dienstes unterstützt, sagte Tobias Kühne, Sprecher der Militärjustiz, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, will Kühne keine Angaben machen, welche Sprengmittel vermisst werden. Zu Sprengmitteln gehören gemäss Armeeangaben Sprengstoff, Sprengschnüre, Zündkapseln und auch Handgranaten.

Laut der "Basler Zeitung" vom Donnerstag fehlen neben einigen Kilo Sprengstoff auch "zahlreiche" Sprengkapseln und Zündschnüre sowie "eine erhebliche Anzahl" Handgranaten.

Explosiver Diebstahl in Aarauer Rekrutenschule

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Die Armee vermisst mehrere Kilo Sprengstoff. Die Militärjustiz hat eine Untersuchung eingeleitet, bis jetzt ohne Erfolg.

Es gehe insgesamt um "mehrere Kilogramm", hielt Kühne fest. Es handle sich um einen grösseren Fall. Das Klären der Ursache der Fehlbestände und das Auffinden von allenfalls fehlenden Sprengmitteln stehe im Fokus der Abklärungen. "Wir klären nach wie vor ab, was die Ursachen dieser Fehlbestände sind", sagte Kühne.

Doch die Untersuchung beschränkt sich nicht nur auf die Kaserne Aarau. Armee-Chef André Blattmann will es genauer wissen. Am späteren Donnerstagnachmittag erklärt das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, VBS: "In Absprache mit dem Departementsvorsteher hat der Chef der Armee eine armeeweite Überprüfung von Prozessen und deren Abläufe angeordnet."

Die Armee sei sich der Verantwortung bewusst, heisst es in der Mitteilung weiter, die sie im Umgang mit "sensitivem Material und gefährlichen Gütern" habe. In allen erkannten Fällen hätten die verantwortlichen Kommandanten deshalb unverzüglich eine Untersuchung durch die Militärjustiz angeordnet. Die Überprüfung der Prozesse und Abläufe sollten allfällige Gemeinsamkeiten zwischen den Ereignissen aufdecken und eine allfällige Systematik erkennen lassen.

Bereits seit einiger Zeit habe die Armee - nach den terroristischen Anschlägen im benachbarten Ausland - den Eigenschutz verstärkt. Es seien verschiedene Sicherheitsmassnahmen ergriffen worden: Depots, Lager und Transporte würden stärker bewacht, und die Wachtdispositive der Truppe seien überprüft und wo nötig angepasst worden.

Nun würden zusätzlich die verschiedenen Schnittstellen und die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert und allenfalls angepasst. 

Das VBS hatte am Montag mitgeteilt, dass vergangene Woche bei einer Kontrolle von Munitionskisten in der Infanterie Durchdiener Rektrutenschule 14 in Aarau ein mutmasslicher Verlust von Sprengmitteln festgestellt worden sei.

Was ist mit der Schweizer Armee los?

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