Bus in der Altstadt, Anbindung der Aussenquartiere, höhere Taktfrequenz – der öffentliche Nahverkehr war in der letzten Zeit mehrfach Gegenstand von politischen Vorstössen in der Stadt Aarau.

Nun hat der Stadtrat eine Anfrage der beiden SP-Einwohnerrätinnen Leona Klopfenstein und Eva Schaffner beantwortet, die sich zwar primär auf die Busanbindung an den Fernverkehr und die Verkehrssituation auf der Aarauer Bahnhofstrasse bezieht, aber dennoch einige weitere Erkenntnisse beinhaltet. Dies sind die wichtigsten Punkte:

1. Es gibt bald ein «regionales Gesamtverkehrskonzept Aarau»

Die Stadt Aarau ist im Projektteam, das gemeinsam mit dem Kanton ein neues regionales Gesamtverkehrskonzept Aarau erstellt. «Die Stadt setzt sich dabei unter anderem für Verbesserungen der öV-Güte in aktuell schlecht erschlossenen Gebieten ein (z. B. Rohr Süd, Freitzeitgebiet Schachen, Kantonsspital Süd) und fordert eine bessere Abstimmung der regionalen Anschlüsse», heisst es in der Beantwortung der Anfrage. Eine Verbesserung der öV-Situation sei auch bei laufenden Strassenprojekten, konkret Bahnhofstrasse und Tellistrasse, ein Thema.

2. Der Stadtrat liebäugelt mit Tempo 30 auf der Bahnhofstrasse

Im Februar schrieb FDP-Einwohnerrätin Anna Wartmann auf Twitter: «Wenn in Aarau Tempo 30 eingeführt würde, könnte man die Ampeln und Zebrastreifen entfernen. Der Verkehr würde flüssiger und die Fussgänger hätten mehr Freiheit.» Wartmann meinte damit nicht nur die Bahnhofstrasse, sondern das ganze Stadtzentrum.

In der Antwort des Stadtrats auf die Anfrage Schaffner/Klopfenstein zeigt sich nun: Im Rathaus hat man durchaus Sympathien für das Anliegen. Punkto Bahnhofstrasse schreibt die Aarauer Exekutive: «Aus Sicht der Stadt ist auch die Diskussion um eine Temporeduktion angezeigt.»

Der Stadtrat betont aber, dass die Planungshoheit für die Bahnhofstrasse beim Kanton liege. «Der Kanton simuliert aktuell verschiedene Betriebsvarianten für die Bahnhofstrasse.» Über deren künftige Ausgestaltung könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts gesagt werden. «Aus Sicht der Stadt ist die Bahnhofstrasse aber nicht nur als Verkehrsachse, sondern vielmehr als Stadtraum zu betrachten, der von der Altstadt bis zum Bahnhof und künftig auch weiter über die Rohrerstrasse ins Torfeld Nord reicht.»

Man darf gespannt sein, was der Kanton dazu sagt – denn dieser sperrt sich seit Jahren dagegen, Tempo 30 auf Kantonsstrassen zuzulassen (Ausnahmen sind zwei kleinere Verbindungsstrassen in Olsberg und Windisch). Dabei gibt es entsprechende Begehren aus zahlreichen Gemeinden – der Suhrer Gemeinderat ist beispielsweise mit der Forderung nach Tempo 30 auf der Tramstrasse schon mehrfach abgeblitzt.

3. Der Stadtrat will bessere Bus-Zug-Anschlüsse am Bahnhof

Weil der Bahnhof Aarau kein klassischer Knotenbahnhof sei, verlassen die Fernverkehrszüge die Kantonshauptstadt über die ganze Stunde verteilt. Deshalb stelle die Planung der Bus-Anschlüsse «eine grössere Herausforderung» dar, so der Stadtrat. Er betont, dass der Kanton für die Bestellung des öffentlichen Regionalverkehrs zuständig sei und nicht etwa die Stadt selber, es sei denn, sie würde alles selber zahlen.

Vom Kanton fordert der Stadtrat «einen urbaneren öV-Takt». Zwei Stossrichtungen stünden für den Stadtrat dabei im Vordergrund: «Zum einen setzt er sich dafür ein, dass die Taktausdünnung abends künftig später als heute erfolgt, zum anderen sind aus Sicht der Stadt die teilweise noch bestehenden 30-Minuten-Takte zwingend auf einen 15-Minuten-Takt zu verdichten.

Ersteres führt zu besseren Anschlüssen in den frühen Abendstunden, letzteres zu grundsätzlich besseren Anschlüssen auch tagsüber.» Eine darüber hinausgehende Erhöhung der Taktfrequenzen, so der Stadtrat weiter, sei momentan aber kein Thema.

4. Der Bus hält auch künftig nicht an der Feerstrasse

Klopfenstein und Schaffner hatten in ihrer Anfrage die Tatsache bemängelt, dass der Bus bei der Zufahrt zum Bahnhof oft auf der Feerstrasse im Stau steckenbleibt (das ist die Strasse, die von der Laurenzenvorstadt her kommend beim Naturama in die Bahnhofstrasse mündet).

Für Passagiere bedeutet das nicht selten, dass sie im Bus im Stau sitzen bleiben müssen – draussen neben dem Bus die Rampe zur Unterführung –, im Wissen darum, dass sie den Zug-Anschluss noch erreichen würden, wenn sie jetzt auf der Feerstrasse aussteigen und laufen dürften.

Doch der Stadtrat erklärt nun in seiner Antwort, dass ein Bushalt in der Feerstrasse nahe bei der Bahnhofstrasse «schwer umsetzbar» ist – wegen dem Behindertengleichstellungsgesetz, dass verlangt, dass bis Ende 2023 alle Haltestellen auch für Gehbehinderte ohne fremde Hilfe nutzbar sein müssen. «Dies bedingt entsprechend hohe Haltekanten und hat Einfluss auf den Platzbedarf von Haltestellen. Ein zusätzlicher Halt hat zudem Einfluss auf die Umlaufzeiten der Busse.»

Immerhin: Die langen Wartezeiten für den Bus an der Kreuzung Feerstrasse/Bahnhofstrasse seien auch beim Kanton «ein anerkanntes Problem». Man prüfe dort die Steuerung der Lichtsignalanlage nochmals vertieft.