Aarau
«Vereinslokal Utopia»: In der Reithalle ist die Zukunft denkbar

Die begehbare Installation in der Reithalle ist das Destillat von sechs Nachtessen mit zwölf Aarauer Vereinen. Ziel der Installations-Macherinnen ist, dass über die Zukunft nachgedacht wird.

Sabine Kuster
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Verschiedene neue Aarau werden mit farbigen Bauklötzen dargestellt.

Verschiedene neue Aarau werden mit farbigen Bauklötzen dargestellt.

Sabine Kuster

«Seit dem frühen Morgen des 9. Juni 2080 ist vieles anders. Es kann kein Licht angeschaltet und kein Kaffee gekocht werden, die Computer sind tot. Die Stromversorgung ist über Nacht zusammengebrochen – und mit ihr der Alltag und die Ordnung.» Kein Wunder, dass sich die Menschen bei solchen Zukunftsszenarien einigeln.

«Die Zukunft ist kein Versprechen mehr», sagte Peter-Jakob Kelting, der Leiter des Theaters Tuchlaube, am Mittwochabend in der Alten Reithalle. Gut 120 Aarauerinnen und Aarauer waren zur Eröffnung der Installation «Vereinslokal Utopia» gekommen. Die Halle war ungewöhnlich voll für eine Vernissage, die keine leichte Kunst-Kost versprach. Ratzfatz leergegessen waren immerhin bereits die Teller auf einem Tisch beim Eingang. Dahinter war ein Loch in der Wand – der Einstieg in die Installation. An dieser hat man mehr zu beissen als an den Apérohäppchen.

Visionen in Bauklötzen

Schliesslich ist das Ziel der Installations-Macherinnen Seraina Dür und Christin Glauser vom Künstlerkollektiv «Goldproduktionen», dass wir zu denken beginnen. Über die Zukunft. Bei zwölf Aarauer Vereinen ist ihnen das schon gelungen: Im Februar hatten sie jeweils zwei Vereine mit je vier Vertretern zusammen zu einem Nachtessen und einer Diskussionsrunde über die Zukunft eingeladen. Die Installation ist das Endprodukt dieser Nachtessen.

Entstanden sind verschiedene neue Aarau, dargestellt mit farbigen Bauklötzen und drei Zukunftsszenarien, wovon nur eines so düster ist wie der zu Beginn beschriebene Technik-Crash. Ein anderes verspricht eine sozialere Gesellschaft mit einem ausgeklügelten Taxpunkte-System für Dienste an der Allgemeinheit.

Es geht um Utopien, um Szenarien, wie die Welt nie sein wird. Aber: «Utopisches Denken setzt Energie frei», sagte Kelting, «können wir das, was wir uns erträumen, eventuell doch umsetzen?» Diesen Gedanken wollen Dür und Glauser nun auch den Installationsbesuchern einimpfen. Denn auch sie haben eine Utopie, welche sie mit den Vereins-Nachtessen in die Realität gezerrt haben: «Wir wünschen uns, dass die Leute miteinander reden. Dass sie merken, dass sie die Zukunft mitgestalten können», sagte Christin Glauser. «Sie sollen sich aus dem Alltagstrott lösen, in dem sie feststecken, denn zusammen ist extrem viel möglich.»

Die Frage, wie Aarau in 100 Jahren aussieht, beantwortet die begehbare Installation mit ihren Zimmerchen der Zukunft nicht. Die Installation ist überhaupt keine Antwort, sondern ein Imperativ: «Die Leute sollen sich zwischen den Mitdenkern einreihen», sagte Seraina Dür.

Vereinslokal Utopia Bis zum 23. Mai. Geöffnet jeweils Do, Fr, Sa von 17 bis 20 Uhr und am Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Währenddessen finden verschiedene Events statt: Heute Freitag um 19 Uhr lädt Rebecca Moser zum Nachtessen «Dinner4 More» ein. Morgen Samstag veranstaltet der Verein Milchbüechli einen «falschsexuellen» Stammtisch mit einem Auftritt von «Mona Gamie».

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