Aarau
Verein Szenart läuft neu unter der Regie der Jungen

Mit einem jungen Leitungsteam und «Geschichten aus der Vorstadt» startet der Verein Szenart in die neue Theatersaison. Der Gründer und bisherige künstlerische Leiter Hannes Leo Meier verliess die Theatergruppe, um ihr mehr Eigenständigkeit zu geben.

Elia Diehl
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Das neue Leitungsteam der Theatergruppe Szenart: Anna Byland, Patrick Oes, Jonas Egloff, Ruth Huber und Sandra Wehrt (v.l.). ZVG

Das neue Leitungsteam der Theatergruppe Szenart: Anna Byland, Patrick Oes, Jonas Egloff, Ruth Huber und Sandra Wehrt (v.l.). ZVG

Zur Verfügung gestellt

Acht Jahre hat Gründer Hannes Leo Meier als künstlerischer Leiter von Szenart die junge Aarauer Theaterszene geprägt.

Anfang 2013 verliess der Endvierziger die Theatergruppe und machte Platz für ein Leitungsteam aus fünf jungen Theaterschaffenden: Jonas Egloff, Ruth Huber, Patrick Oes, Anna Byland und Sandra Wehrt. Alle waren bereits in unterschiedlichen Formen bei Szenart aktiv.

«Es ist wichtig, dass die Organisation neu belebt wird und die Jungen nachrücken», begründet Hannes Leo Meier seinen Abgang. «Ich habe die Gruppe ja nicht als meinen Alterssitz gegründet», fügt er an, «sondern als Gefäss für die Aarauer Theaterszene.» Ein Pool von Innovation und sprühenden Ideen, der jungen Theaterschaffenden eine Heimat bietet – das sei immer schon Programm gewesen.

Schon vor zwei Jahren beschloss Meier, Szenart zu verlassen. «Es gibt den richtigen Moment, wo der Gründer und Pionier abtreten muss», sagt Meier, «aus Respekt vor meiner Kreation und allen, die mitgearbeitet haben.» Szenart solle auf eigenen Füssen weitergehen und den Beweis erbringen können, ohne Gründerabhängigkeit lebendig zu sein. Aber erst galt es Schulden von rund 95 000 Franken zu tilgen, denn er wollte Szenart solid übergeben.

Den Finanzhaushalt des Vereins auf festen Boden bringen und daneben ein gutes Programm schaffen, war eine grosse Herausforderung für Meier. «Klar, dass solch eine Arbeit irgendwann anhängt», sagt er, aber das Ziel sei erreicht. «Szenart lebt weiter», sagt Meier zufrieden.

Sein «Baby» abzustossen, brauchte jedoch Überwindung. «Wenn man etwas so leidenschaftlich betrieben hat, dann gibt es ein Verlustgefühl – aber auch die Frage: Was wird jetzt aus mir selbst?»

Derzeit arbeitet Meier als Lehrer an der kantonalen Schule für Berufsbildung. Mit Blick auf das Ende seiner viermonatigen Stellvertretung meint er: «Dann habe ich wieder mehr Raum, mich künstlerisch weiter zu entfalten.» Seine vorerst letzte Szenart-Inszenierung «7 Pfarrer» startet im Februar 2014. «Ich bin mit Szenart sehr verbunden, aber nun wirklich draussen», sagt Meier. Den Jungen rede er nicht rein.

Dank der neuen Struktur müssten seine Nachfolger ihn weder kopieren noch zwanghaft versuchen, es anders zu machen. Die Verantwortungsteilung und die gegenseitige Bereicherung sieht er als Pluspunkte des neuen Leitungsmodells.

Auch Co-Leiter und Medienverantwortlicher Jonas Egloff hebt den Vorteil des produktiven und kreativen Austauschs im Team hervor. Vor allem sieht er eine Chance auf mehr Dynamik. «Die aktiven Projektleiter sind stets Teil des Leitungsteams», sagt der 27-jährige Aarauer.

Mit Vor- und Nachlauf dauere ein Projekt sicherlich zwei Jahre. Auch dank Anna Byland sei für eine gewisse Kontinuität gesorgt. Die 34-Jährige war die letzten drei Jahre als Projektleiterin von Szenart aktiv und ergänzt das Team in beratender Funktion.

«Wir werden sicherlich auch auf Hannes Leo Meiers riesigen Erfahrungsschatz im Theaterschaffen zurückgreifen», sagt Egloff, «aber zuerst wird es einen Abspaltungsprozess geben, bei welchem wir herausfinden, was Szenart für uns ist.»

Bereits nach kurzer Zeit unter dem neuen Leitungsteam zeigt sich bei Szenart ein gewisser Wandel. «In der Ausgestaltung der einzelnen Projekte gibt es bereits mehr Vielfalt.» Das Community Theater, bei welchem mit bestimmten Bevölkerungsgruppen ein Projekt erarbeitet wird, bleibt aber weiterhin im Fokus.

So, wie in Jonas Egloffs erstem Szenart-Projekt «Nein, ich will» mit Menschen aus Eritrea. Das Tanztheater feiert am 20. November Premiere und entstand aus seiner Abschlussinszenierung an der Zürcher Hochschule der Künste. «Ich freue mich, dass es nun unter ‹echten› Bedingungen in der freien Szene aufgeführt wird.»

Als erste Produktion unter der neuen Leitung zeigt Szenart aber bereits am 5. September «Geschichten aus der Vorstadt». In der 8. Ausgabe begibt sich der szenisch-literarische Spaziergang unter der Regie Ruth Huber erstmals aus den Altstadtgassen hinaus und erkundet das Quartier um die Laurenzenvorstadt. Die 29-jährige Theaterwissenschafterin inszeniert bereits zum dritten Mal «Geschichten aus der Altstadt».

Saisonstart von Szenart: Geschichten aus der Vorstadt VIII – Laurenzi

Premiere: 5. September 2013.

Weitere Termine: 6./8./11./12./13./15. September. Beginn jeweils um 19 Uhr vor dem Forum Schlossplatz. Reservation unter www.szenart.ch

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