Maienzug

Verbot von Live-Musik am Vorabend: Petition eingereicht

Am Freitag hat der Stadtrat mitgeteilt, dass am Maienzug-Vorabend unter anderem künftig der Sicherheit wegen keine Live-Musik auf Bühnen mehr erlaubt ist –  am Montagnachmittag ist bereits eine Petition ins Rathaus geflattert.

Am Freitag hat der Stadtrat mitgeteilt, dass am Maienzug-Vorabend unter anderem künftig der Sicherheit wegen keine Live-Musik auf Bühnen mehr erlaubt ist – am Montagnachmittag ist bereits eine Petition ins Rathaus geflattert.

Die Plattform «We love Aarau» hat übers Wochenende eine Petition gegen den Stadtratsentscheid lanciert und diese am Montagnachmittag mit 508 Unterschriften eingereicht.

«Überstürztes und unüberlegtes Vorgehen» warf die FDP-Fraktion des Einwohnerrats der Maienzug-Kommission vor. Hat doch diese beschlossen, die Organisation des Maienzug-Vorabends einem noch zu gründenden Verein zu übertragen (az vom 9.5.). Grund: Der Stadtrat findet die Mehrfachrolle als Veranstalterin, Bewilligungs- und Polizeibehörde und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten heikel. Um die Sicherheit der Festbesucher zu verbessern, hat er zudem beschlossen, auf den Bühnen in der Altstadt sei am Vorabend des Maienzugs auf Live-Musik zu verzichten.

Der Maienzug-Vorabend im Zeitraffer

Der Maienzug-Vorabend 2011 im Zeitraffer

Mit der Sicherheit am Vorabendfest setzt sich die Maienzugkommission seit 2012 auseinander. FDP-Einwohnerrätin Olivia Müller erinnerte in ihrer Anfrage denn auch daran, dass Einwohnerrat Beat Krättli (SVP) schon im März vor einem Jahr im Einwohnerrat die Frage gestellt hatte, ob der Stadtrat das Konzept des Vorabendfests zu überprüfen gedenke. Stadträtin Jäggi hatte dies damals verneint.

Und so war man im Einwohnerrat gestern Abend umso mehr gespannt, was Stadträtin Regina Jäggi zusätzlich zur am vergangenen Freitag herausgegebenen Mitteilung ausführen würde. Sie betonte, dass bereits im Jahr 2013 Workshops veranstaltet worden seien, um Fragen der Sicherheit zu diskutieren. Massnahmen seien auch getroffen worden. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Rechtsgutachten liege aber erst seit kurzem vor.

Und dieses stelle fest, so Jäggi, «dass im Falle eines schwerwiegenden Ereignisses nicht nur Mitglieder des Stadtrats, sondern auch Mitglieder der teilweise ehrenamtlich tätigen Maienzugskommission sowie Angestellte der Stadt sowohl strafrechtlich, als auch zivilrechtlich verantwortlich» gemacht werden könnten. Diesen Zustand beizubehalten, so Jäggi, wäre verantwortungslos.

Indem man die Haftung an einen Verein abwälze, sei das Problem nicht gelöst, hakte Olivia Müller nach. Die Frage der Haftung sei bei einem Verein anders geregelt, antwortete Jäggi. Zudem seien in den folgenden Jahren die Risiken bei der Bewilligung der Festkonzepte jeweils neu zu beurteilen. Die Stadt werde sich künftig auf die Aufgaben als Bewilligungs- und Polizeibehörde beschränken.

Auch nur DJs am Volksmusikfest?

Olivia Müller bezweifelte, dass DJs weniger Volk anziehen als Live-Bands, und fragte, ob am Volksmusikfest auch nur noch DJs bewilligt würden. Regina Jäggi meinte, dass das Volksmusikfest mit dem Maienzug-Vorabend nicht vergleichbar sei. Im Übrigen würden auch andere grosse Feste wie die Badenfahrt durch Vereine organisiert. Live-Bands sind am Maienzug-Vorabend ausserhalb der Altstadt (Graben, Holzmarkt) bewilligt.

Aarauer Maienzug-Vorabend 2014: Zukünftig sollen wie im Video keine Bands mehr Live spielen, sondern nur noch DJs auflegen dürfen.

Aarauer Maienzug-Vorabend 2014: Zukünftig sollen wie im Video keine Bands mehr Live spielen, sondern nur noch DJs auflegen dürfen.

Das Verbot von Live-Musik in der Altstadt war übers Wochenende auch das grosse Gesprächsthema in der Stadt. Der Tenor: Ein Vorabend ohne Bands ist wie ein Maienzug ohne Blumen. Eine Online-Petition der Plattform «We love Aarau» mit der Forderung «Live-Musik gehört zum Vorabend» wurde innert 48 Stunden von 508 Personen unterzeichnet. Die Unterzeichner fordern vom Stadtrat einen Vorschlag, die Sicherheitssituation zu verbessern, ohne Live-Musik zu verbieten.

«Problem wird so nicht gelöst»

SP-Einwohnerrätin Silvia Dell’Aquila, Betreiberin der Plattform, hat die Petition gestern Nachmittag an den Stadtrat weitergeleitet. «Die Sicherheit am Vorabend ist zweifellos wichtig. Dafür aber pauschal alle Bühnen aus der Altstadt zu verbannen, löst das Problem nicht», sagt sie. So stehe beispielsweise an der Ecke Kronengasse/Metzgergasse, wo das Gedränge jeweils am grössten sei, weit und breit keine Bühne. «Da müsste man sich vielmehr überlegen, ob die Bars und Grillstände am richtigen Ort stehen.»

Die Kommentare auf der Online-Plattform der az sind zum Teil gehässig. Vor allem Stadträtin Regina Jäggi werden Vorwürfe um die Ohren gehauen. Der Maienzugvorabend gebe es schon seit Jahrzehnten, und das jeweilige Gedränge auch, schreibt ein Oliver R. und fragt bissig, ob den Leuten, die zum Plaudern stehen bleiben, dies künftig ebenfalls verboten würde. «Die Stadt will sich nur aus der Verantwortung nehmen. Steuern und Gebühren sind gut, aber bloss keine Verantwortung.» Es gibt auch verständnisvollere Kommentare. Daniela Ott beispielsweise fragt sich, was passiert, wenn während des Gedränges in der Altstadt ein Brand ausbricht und die Feuerwehr mit ihren Geräten nicht zum Brandherd durchkommt.

Den Kommentar finden Sie hier

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