Aarau

Verbesserung der Infrastruktur: Altersheime im Renovierungsschub

Umbau in der Station Milchgasse: Innenwände und Decken wurden bereits entfernt.

Umbau in der Station Milchgasse: Innenwände und Decken wurden bereits entfernt.

Aarau erneuert für viel Geld ihre Pflegeheime, immer mehr Menschen wollen aber zuhause behandelt werden.

Einwohnerrätin und Pflegemitarbeiterin Susanne Heuberger (SVP) kämpft seit Jahren für eine Verbesserung der Infrastruktur in den städtischen Alters- und Pflegeheimen. Mit einer Motion schaffte sie es vor drei Jahren, dass der Stadtrat Investitionen in seine Heime prioritär behandeln musste.

Ob es direkt daran gelegen hat, dass die Stadt in der Altersfrage vorwärts gemacht hat, ist nicht klar. Laut Stadträtin Angelica Cavegn Leitner war man denn auch schon zu der Zeit «mit Hochdruck an der Arbeit». Doch die meisten Einwohnerräte fanden damals, dass etwas mehr Druck in der Sache nicht schadet.

Letzten Februar begann die Stadt mit der Sanierung der drei Häuser der Station Milchgasse des Pflegeheims Golatti in der Altstadt. 7,8 Millionen Franken wurden dafür bewilligt. Unterhaltungsarbeiten seien zwar stetig gemacht und in früheren Jahren etwa auch ein Lift eingebaut worden.

Doch der letzte grosse Umbau lag 50 Jahre zurück und die Anlage, in der nicht einmal die Toiletten rollstuhlgängig waren, war alles andere als zeitgemäss.

Kita statt Alterspflege im Herzoghaus

An der Milchgasse ist man laut der Stadträtin auch im Zeitplan, trotz zweiwöchigem Verzug wegen der Corona-Krise. Als nächstes auf der Liste steht der Neubau des Pflegeheims Herosé ab 2023. Dort wurde das Siegerprojekt bereits erkoren: Die Zentralschweizer Meier Gadient Architekten und Rogger Ambauen – die bereits gemeinsam das Buchser Alterszentrum Suhrhard bauten – werden das fünfgeschossige Gebäude in Aarau errichten.

Eine öffentliche Ausstellung des Projekts war für diesen Monat vorgesehen, doch auch hier kam laut Angelica Cavegn Corona dazwischen. Nähere Informationen sollen nun im Juni folgen. Neuigkeiten gab die Stadträtin bezüglich der Umnutzung vom Herzoghaus, in dem wegen Denkmalschutz kein zeitgemässer Pflegebetrieb mehr möglich sein wird: Im Erdgeschoss des ansprechenden Jugendstilgebäudes könnte ab 2025 die Kindertagesstätte der städtischen Mitarbeitenden untergebracht werden, darüber Büros der Abteilung Alter und vielleicht auch ein Saal für Trauungen.

Weiter oben könnten altersnahe Institutionen wie Spitex oder Pro Senectute Büros beziehen und im Dachstock kleine Sitzungszimmer oder Ruheräume fürs Personal gebaut werden. «Das sind erst erste Gedanken», sagte Angelica Cavegn an der letzten Einwohnerratssitzung.

Mit dem Neubau der Alterssiedlung Herosé ab 2026 wären alle städtischen Heime auf dem neuesten Stand. Die Stadt hat die Projekte also angepackt, sei gemäss Angelica Cavegn zudem bei verschiedenen landesweiten Projekten im Bereich Alter neu mit dabei wie etwa «Socius 2» für Altersarbeit in den Quartieren oder dem Netzwerk Altersfreundliche Städte.

In den städtischen Jahresberichten wird auch immer verankert, dass «das Bereitstellen einer zeitgerechten Infrastruktur» in den Pflegeheimen zu den Kernaufgaben der Stadt gehöre. Es läuft also etwas – für Susanne Heuberger aber noch kein Grund, ihre Motion von vor drei Jahren als erledigt zu erklären. «Die Motion wurde nötig, weil die Alterspolitik in Aarau jahrzehntelang vernachlässigt wurde», sagte sie an der Einwohnerratssitzung. «Man hat seitdem vorwärts gemacht, ist aber noch lange nicht dort, wo man sein muss.»

Der Druck durch ihre Motion solle aufrecht erhalten bleiben, damit «die städtischen Pflegeheime in möglichst kurzer Zeit wieder marktwirtschaftlich mithalten können», wohl mit privaten Angeboten. Dies könnten sie «nämlich schon lange nicht mehr». Auch weil noch keine vertieften Angaben zu den Neubauten am Herosé vorliegen, bat sie ihre Einwohnerratskollegen, die Motion noch nicht abzuschreiben. Auch die Umnutzung des Herzoghauses könne man dadurch «noch etwas steuern».

Am Schluss scheiterte sie aber mit ihrem Anliegen: 33 Einwohnerräte stimmten für die Abschreibung, 10 dagegen. Nach drei Jahren habe die Motion ihren Zweck erfüllt, so das Echo. Der Stadtrat habe, wie gefordert, die Altersfrage priorisiert, Konsequenzen gezogen und vorwärts gemacht, erklärte etwa Matthias Keller (EVP/EW) sein Votum.

Bis 2027 will Aarau mit an die 70 Millionen Franken seine Alters- und Pflegeheime modernisieren. Gleichzeitig machen sich aber zwei Entwicklungen bemerkbar: Zum einen scheinen immer mehr ältere Menschen lieber zuhause zu bleiben als ins Altersheim zu gehen, auch seit es ambulante Pflegeangebote wie die Spitex gibt.

Und zum anderen soll in absehbarer Zeit der demografische Höchststand der Pflegebedürftigen erreicht sein. Die Sanierung der Station Milchgasse ist entsprechend auch ausgelegt auf eine Nutzung für die nächsten 15 bis 20 Jahre. Nur unter diesem Aspekt hat der Kanton Ausnahmen für die Station Milchgasse bewilligt, etwa dass sich vereinzelte Zimmer eine Nasszelle teilen. In modernen Pflegeheimen ist dies nicht mehr erlaubt.

In absehbarer Zukunft könnten die Häuser an der Milchgasse also auch als normale Wohnungen vermietet werden, dafür wird auch beim derzeitigen Umbau geschaut. «Wir bauen so, dass wir flexibel sind», sagte Angela Cavegn. Die Trennwände zwischen den Zimmern werden zum Beispiel aus Gips erstellt, damit später mit wenig Aufwand aus den eher kleinen Zimmern grosse Studios gemacht werden können. Im Einwohnerrat sprachen sich bisher aber schon mehrere Fraktionen für einen langfristigen Erhalt eines Alters-Wohnangebot in der Altstadt. «Die Älteren sollen am gesellschaftlichen Leben in der Stadt teilnehmen können», sagte etwa Salomé Ruckstuhl (SP).

Sinkt die Nachfrage nach Pflegeplätzen bereits?

In Aarau gibt es laut den Abstimmungsunterlagen zur Sanierung der Station Milchgasse 174 Pflegeplätze in den städtischen Pflegeheimen. Hinzu kommen 10 Plätze im Steinfeld und 33 Plätze im Lindenfeld in Suhr sowie 30 Plätze im Suhrhard in Buchs.

Die Belegung der Betten in den städtischen Heimen schwankte in den letzten Jahren, lag aber immer über 94 Prozent. Sie sank zuletzt von 96,2 auf 94,9 Prozent im Jahr 2019, weil die frei gewordenen Betten in der Milchgasse wegen dem bevorstehenden Umbau nur noch temporär wieder belegt werden konnten. Gleichzeitig meldet aber das Lindenfeld seit zwei Jahren eine sinkende Auslastung seiner Betten – zuletzt auf 88 Prozent Ende 2019.

Bestätigt dies die Tendenz einer sinkenden Nachfrage? Im Zusammenhang mit dem Kauf der Walthersburg, wo unter anderem das private Seniorenzentrum untergebracht ist, verneinte Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker jedenfalls einen möglichen Ausbau in Richtung Pflegeheim. «Aarau hat keinen Bedarf an weiteren Pflegeplätzen», sagte er.

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