Zukunftsraum Aarau

Velotour durch Gross-Aarau: «Solidarität unter den Gemeinden hört dort auf, wo es ums Portemonnaie geht.»

Den Auftakt zu den Diskussionen vor den Zukunftsraum-Abstimmungen machte eine Velotour durch vier Fusionsgemeinden: Vom regnerischen Suhr über beide Entfelden bis zum sonnigen Aarau.

Die Fakten zum Zukunftsraum Aarau sind auf dem Tisch, in der geplanten Grossfusion dürften nun die Emotionen entscheiden. In Suhr, wo das Thema auf der Kippe steht, organisierte das Komitee Pro Zukunftsraum und das Bündnis Zukunft Suhr deshalb eine Velotour durch vier Zukunftsraum-Gemeinden: Die mögliche neue Stadt sollte so wörtlich «erfahren» werden.

Unter heftigen Regengüssen startete die Tour beim Suhrer Gemeindehaus. 40 Personen nahmen teil, davon viele aus dem linksgrünen Lager. Mitglieder der in der Fusionsfrage geteilten Suhrer FDP blieben fern. Ebenso verzichtete der Suhrer Gemeinderat als einziger auf eine Begrüssung der Velofahrer.

Dieser hatte sich in einem knappen Entscheid gegen die Fusion ausgesprochen. Nur Gemeinderat Thomas Baumann (Mitglied von Zukunft Suhr) bekannte Farbe und fuhr die Strecke über Ober- und Unterentfelden bis nach Aarau mit.

Der Suhrer Gemeinderat Thomas Baumann auf der Velofahrt durch den Zukunftsraum, hier in Unterentfelden.

Der Suhrer Gemeinderat Thomas Baumann auf der Velofahrt durch den Zukunftsraum, hier in Unterentfelden.

Die Velotour mitorganisiert hatte Martha Brem: Die Kommunikationsfachfrau, die täglich mit dem Velo in die Klinik Barmelweid zur Arbeit fährt, ist seit 2013 Präsidentin von Zukunft Suhr und eine klare Verfechterin der Fusion. Sie zieht nun innerhalb des Feld-Quartiers über die unsichtbare Gemeindegrenze von Suhr nach Aarau und hofft, dass es diese Grenze auch politisch bald nicht mehr gibt.

«Die Suhrer entsorgen ihr Altglas manchmal in Aarau»

«Der Quartierladen verkauft Kehrichtsäcke beider Gemeinden, die Suhrer entsorgen ihr Altglas manchmal in Aarau», beschrieb sie das Leben im Quartier während der Velofahrt. Eine Unterentfelderin erzählte dann, wie einige früher ihren Abfall in Oberentfelden entsorgen gingen, weil es dort lange keine Gebühren gab. Der Regen hatte zu dem Zeitpunkt nachgelassen. Zufall oder nicht: Desto mehr sich die Fahrenden Aarau näherten, desto schöner wurde das Wetter.

Mitorganisatorin Martha Brem auf ihrem neuen Elektrovelo.

Mitorganisatorin Martha Brem auf ihrem neuen Elektrovelo.

Eine weitere mögliche Schicksalsfügung war, dass alle Gemeindeammänner der Region am Morgen eine Sitzung im Verband «aarau regio» hatten – und offenbar alle enttäuscht davon zurückkamen. Beim ersten Zwischenstopp in Oberentfelden fand Gemeindeammann Markus Bircher klare Worte: «Die Solidarität unter den Gemeinden hört dort auf, wo es ums Portemonnaie geht.»

Beim Thema Traglufthalle fürs Schwimmbad Suhr-Buchs-Gränichen können sich die Gemeinden der Region nicht über eine gemeinsame Finanzierung einigen. Solche Diskussionen würden sich nach einer Grossfusion erübrigen, so Bircher.

Fusion bringt mehr Handlungsfreiheit, sagt Hilfiker

Später, in Aarau, sagte Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker, es dauere jeweils lange und sei «unglaublich mühsam», die Interessen mehrerer Gemeinden aufeinander abzustimmen. «Mit einer Fusion hätten wir eine höhere Handlungsfreiheit, die uns allen etwas bringt.»

«Am vernünftigsten wäre es gewesen, Buchs und Aarau hätten zuerst fusioniert», sagte Heinz Lüscher, Gemeindeammann von Unterentfelden, ehrlich vor den Anwesenden.

«Am vernünftigsten wäre es gewesen, Buchs und Aarau hätten zuerst fusioniert», sagte Heinz Lüscher, Gemeindeammann von Unterentfelden, ehrlich vor den Anwesenden.

Beim Höhenweg in Unterentfelden, mit eindrücklicher Aussicht auf das Suhrental, hob Gemeindeammann Heinz Lüscher hervor, wie sie nach der Fusion «die schönste Wohnlage» der Stadt haben werden.

«Ich sehe vor allem Chancen in der Siedlungsentwicklung», sagte er, auch punkto Verkehr: «Wenn man dieses Thema nicht regional anschaut, kommt man zu keiner gescheiten Lösung. Und wenn fünf Behörden darüber beraten, ist es auch nicht besser.»

«Das Projekt hat gezeigt: Die meisten positiven Effekte gibt es dann, wenn alle beteiligten Gemeinden fusionieren», sagte Heinz Lüscher.

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