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Vaterschaftsurlaub: Die meisten Arbeitgeber machen keine Geschenke

Frischgebackenen Vätern steht ein Tag Urlaub zu – gleich viel wie fürs Zügeln. (Symbolbild)

Frischgebackenen Vätern steht ein Tag Urlaub zu – gleich viel wie fürs Zügeln. (Symbolbild)

Nach einer Geburt haben Väter einen Tag Vaterschaftsurlaub zugute. Nur wenige bekommen mehr als gesetzlich nötig, wie eine Umfrage bei Arbeitgebern in der Region zeigt. Auch Teilzeitarbeit danach ist noch lange nicht die Regel.

Die Zeit nach der Geburt ist für eine Familie prägend. Mütter erhalten in der Schweiz gesetzlich 14 Wochen Urlaub, um sich von der Geburt zu erholen und eine Bindung zum Kind herzustellen. Vätern, die mit dem Neugeborenen Zeit verbringen und die Mutter unterstützen wollen, bleibt wenig Zeit, denn gesetzlich steht ihnen nur ein Tag Urlaub zu – gleich viel wie fürs Zügeln.

Alles, was über diesen Tag hinausgeht, ist für den Arbeitgeber freiwillig. Die az hat bei Arbeitgebern in der Region nachgefragt, wie viele Tage Vaterschaftsurlaub sie gewähren. Dass es sich um ein heikles Thema handelt, bewiesen die Reaktionen. Drei Speditionsfirmen in der Region, die vornehmlich Männer beschäftigen dürften, ziehen es vor, keine Auskunft zu geben. «Schlechte Werbung für unsere Firma», meint eine Personalverantwortliche.

Anders dagegen bei der Kartonfabrik Kapag in Muhen. Inda Stojanovic erklärt bereitwillig, dass die Mitarbeiter Anspruch auf einen Tag Vaterschaftsurlaub hätten. Die gleiche Bedingung gilt für die Angestellten der Mammut Seon und auch für die Aarauer Werbeagentur Baldinger&Baldinger. Für die Angestellten des Spitals Menziken gibt es drei Tage Urlaub.

Wenig Interesse an Teilpensen

Mitarbeiter der Stadt Aarau können sich über ganze zehn Tage freuen. «Jährlich werden bei uns 2 bis 3 Angestellte Vater, und wir schauen, dass der Vaterschaftsurlaub auch bezogen wird», sagt Personalleiter Patrick Walde. Die Stadt versucht auch, Vätern entgegenzukommen, die Teilzeit arbeiten wollen. «Bei vielen jungen Paaren ist es üblich geworden, dass beide weniger als 100 Prozent arbeiten», sagt Walde. Doch natürlich müsse man sich das zuerst auch leisten können.

Einen ähnlichen Eindruck entsteht im Gespräch mit den Unternehmen. Viele Mitarbeiter von Mammut sind sowieso an Teilzeitstellen interessiert, weil sie in ihrer Freizeit intensiv Sport betreiben. In der Seilproduktion dagegen arbeiten fast alle Männer 100 Prozent. Auch der Finanzleiter einer befragten Firma, der anonym bleiben möchte, erklärt es so: «Teilzeitarbeit ist ein Luxusproblem. Mit einem Büezerlohn stellt sich diese Frage gar nicht, oft muss in solchen Familien auch ein Teilzeitpensum der Frau zum Einkommen beitragen.»

Andere Arbeitgeber sehen es jedoch als deutlichen Nachteil, wenn ihre Angestellten keine Vollzeitstelle besetzen. Marianne Friederich von Baldinger&Baldinger stellt es so dar: «Es besteht ein Trend zur Teilzeit, den wir nicht so gern sehen. Für uns ist es schwierig, wenn jemand eine Idee hat und dann dieser aufgrund seines Pensums nicht nachgehen kann.» Bei der Agentur arbeiten mehr Frauen als Männer.

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