«Unser Wald ist leider auch eine Festhütte und ein Bikepark», erklärte Stadtoberförster Christoph Fischer am Aarauer Waldumgang, an dem am Samstagnachmittag 200 Ortsbürger teilnahmen. Die Ansprüche an den Wald sind in den letzten 50 Jahren stark gestiegen. Velofahrer, Jogger, Schatzsucher, Orientierungsläufer und mehr: Addiert man alle möglichen «Konsumenten», die sich im Wald aufhalten, so versteht man die Sorgen des Försters. Zum Beispiel hat der Forstbetrieb Aarau bereits mehrmals Paintball-Anfragen erhalten. Das «Kriegsspiel», bei dem die gegnerische Mannschaft mit Farbgeschossen getroffen werden muss, ist alles andere als optimal für den Wald.

Vandalen aus Lenzburg

Der Forstbetrieb Aarau unterhält vielfältige Wald-Infrastruktur. Beispielsweise müssen jährlich ungefähr 15 Bänke ausgewechselt werden, hinzu kommen Reparaturarbeiten sowie undankbare Aufräumarbeiten. «Wodkaflaschen auf dem Dach des Unterstandes Häxehüsli sind keine Seltenheit», erklärt Fischer, «und ab und zu gibt es auch beschädigte Bänke.» Die Täter bleiben unerkannt: In der Diskussion wurden die heutige Jugend und, etwas weniger ernst gemeint, die Lenzburger für Vandalismus und Abfälle im Aarauer Wald verantwortlich gemacht.

Mit oder gegen die Natur?

Christoph Spuhler, Geschäftsführer der Firma Holztrans in Buchs, führte beim Posten Holzproduktion seinen Vollernter vor. Das 16,5 Tonnen schwere Vehikel «frisst» die Bäume regelrecht, der Zeitbedarf pro Baum liegt bei ungefähr 30 Sekunden. «Wahnsinnig, was diese Maschine leistet», staunten die Ortsbürger mit genügend Sicherheitsabstand auf der Waldstrasse. Die beeindruckende Kraft und Effizienz des Vollernters hinterlässt aber auch beeindruckende Spuren im Wald. 50 Jahre dauert die Regenerierung des Waldbodens, auf dem die Maschine ihre Arbeit verrichtet hat.

Diskussionen waren vorprogrammiert, als Spuhler zu Beginn meinte, dass seine Firma mit der Natur und nicht gegen die Natur arbeite. «Ich habe das anders gesehen», entgegnete ein Ortsbürger und wies auf die 50 Zentimeter tiefe Reifenspur im Wald hin. Aber ohne Vollernter würde sich die Produktion nicht lohnen: «Wir müssen in einem globalisierten Markt verkaufen», erklärt Spuhler. Immerhin: Das Ungetüm fährt nur auf den Gassen des Feinerschliessungsnetzes, die alle 30 Meter in den Wald führen. Auch in der Holzproduktion gibt es ihn also, den klassischen Zielkonflikt zwischen Umwelt und Wirtschaft.

Austausch anstatt Monolog

Der Waldumgang am Samstag ermöglichte es dem Forstamt, sich selbst zu präsentieren: «Für einmal kommt das Forstwartteam aus dem Wald heraus», meinte Förster Roger Wirz im Forstwerkhof Distelberg. Überdies entwickelte sich ein wertvoller Meinungsaustausch zwischen Ortsbürgern und Förstern. Sei dies bei den drei Posten Erholungswald, Naturschutz und Holzproduktion oder, in informelleren Rahmen, beim anschliessenden Imbiss mit der traditionellen Waldumgangswurst.