Aarau

Uriellas Sturz hat ihn auf die Idee für seinen neuen Roman gebracht

Autor Peter Voellmy plant bereits den Fortsetzungsroman.

Autor Peter Voellmy plant bereits den Fortsetzungsroman.

Regisseur Peter Voellmy feiert am Samstag Vernissage mit seinem Roman «Der Heilige Thomas von Aarau». Der Geschichtenerzähler plant schon seinen zweiten Roman.

«Thomas bremste ab. Das Vorderrad rutschte auf dem Boden weg. Mit einem Schrei fiel er über die Vorderstange und rollte auf den Asphalt. Der Fahrer sah ihn und bremste. Thomas rollte einen Meter zu weit auf die Strasse hinaus. Er schrie. Noch einmal. Es war zu spät. Das linke Hinterrad des Lastwagens rollte dumpf über seinen Kopf. Mit einem grauenhaften Knack zersplitterte der Helm in mehrere Teile. Blut sickerte auf die Strasse. Ein Zucken durchschauerte seinen Körper. Er blieb regungslos liegen.»

So beginnt sie: die Geschichte von Thomas, dem sportlichen Primarlehrer, der nach diesem Unfall nicht mehr der Gleiche ist. Tiere kommen ihm nah, ohne jede Scheu, er kann übers Wasser gehen und Menschen durch Handauflegen von Gebrechen heilen. Es ist die Geschichte vom «Heiligen Thomas von Aarau», dem neusten Roman von Peter Voellmy (63), der morgen Vernissage feiert.

Voellmy ist ein Geschichtenerzähler. Er schreibt nicht nur Bücher, er arbeitet auch als Regisseur, ist Gründer des Freilichttheaters Aarau, singt als Bänkelsänger schaurige oder mahnende Lieder und führt Besucher als Nachtwächter Peter durch Aarau. Die Geschichte vom «Heiligen Thomas» sei ihm zugeflogen, sagt er. «Ganz am Anfang aber steht die Geschichte von Sektenführerin Uriella, die behauptete, nach einem Sturz vom Pferd das Sprachrohr von Gott und Heiligen zu sein.»

Peter Voellmy lacht. Uriellas Sturz hatte sich bereits Anfang der Siebzigerjahre ereignet, aber irgendwie geisterte diese Geschichte immer in seinem Hinterkopf herum. Bis zu dem Moment, als er begann, aus einem solchen Nahtoderlebnis eine Geschichte zu stricken. Thomas’ Geschichte.

Aus Recherchezwecken beim Handaufleger

«Zwei Jahre lang habe ich die Geschichte mit mir herumgetragen, bis ich sie in eine Form gebracht habe», sagt Peter Voellmy. Sogar einen Handaufleger habe er aus Recherchezwecken besucht. Dann habe er sich hingesetzt und sie geschrieben. Gross verändert habe sich die Geschichte im Schreibprozess nicht mehr. «Ich habe ganz klare Bilder im Kopf», sagt er.

Da spricht der Theatermensch. Der, der immer die ganze Bühne vor dem inneren Auge sieht. Mit Kulissen, Akteuren, Requisiten. Etwas, das man auch dem Buch stellenweise anmerkt: Manchmal wünscht man sich als Bruch der rasanten Erzählweise eine Nahaufnahme, ein genaueres, exaktes Beschreiben der einzelnen Handlungen.

Als Theatermensch aber weiss Peter Voellmy auch, die Leute zu packen. Zum einen tut er dies, indem er die Geschichte in Aarau spielen lässt. «Die Leute mögen es, wenn sie das Umfeld der Geschichte kennen.» Zum andern, indem er Thomas ein grosses, braunes Couvert erhalten lässt.

Ein Couvert, von dem nur der sterbenskranke Schenker den Inhalt kennt. Und ein Couvert, das Thomas bis zur letzten Seite nicht öffnet. Er deutet lediglich an, es zu tun. Im letzten Satz. «Der Heilige Thomas von Aarau» ist ein Fortsetzungsroman. Weiss Peter Voellmy selbst denn schon, was im Couvert steckt? «Oh ja», sagt er. «Aber ich weiss noch nicht so recht, was Thomas damit anstellen soll.» Der zweite Roman aber, der komme bestimmt.

«Der Heilige Thomas von Aarau»
Erhältlich in allen Aarauer Buchhandlungen. Die Vernissage findet am Freitag, 18 Uhr, in der Stadtbibliothek Aarau statt. Der Eintritt ist frei, mit Apero.

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