Aarau
«Urbane Ausbreitung ist relativ neu»: Auch in der Stadt verbreitet sich der Biber immer mehr

Im Telli gewinnen Naturschützer, beim Eniwa-Kraftwerk lichtet sich das Ufer weiter. Der Kanton beobachtet den Biber intensiv.

Michael Küng
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Der Biber verbreitet sich immer mehr

Der Biber verbreitet sich immer mehr

mik (16.11.2020) Bild: Fabio Baranzini (25.9.2020

Seinen Weg zurück nach Aarau hat der Biber dank der Aare gefunden. In die Stadt aufgemacht hat er sich einst – wen wundert’s – von Biberstein aus. Von der Zurlindeninsel aus hat er sich nach und nach ausgebreitet. Mittlerweile hat er sich sogar in dichte Siedlungsräume vorgewagt, etwa am Sengelbach, wo er inmitten der Telliblöcke einen Bau errichtet hat.

«Dass sich der Biber in den stark urbanen Raum ausbreitet, ist relativ neu», sagt Christian Tesini, Fachspezialist beim kantonalen Amt für Jagd und Fischerei. Dort sorgt er oft für Konflikte. Am Sengelbach entschied man sich bei der Stadt für einen Rückbau des Damms. Doch dessen Zerstörung beantwortete der unermüdliche Biber flugs mit einem Neubau. Bis schliesslich entschieden wurde, dass der grosse Nager bleiben darf.

Feinde des Bibers: Der Mensch und er selbst

Aktuell ist er um das Eniwa-­Kraftwerk tätig, unterhalb hat er zwei Bäume angeknabbert, oberhalb wehrt sich das Unternehmen mit der Einzäunung von Bäumen. Nun frisst der Biber stattdessen die jungen Stauden und Büsche. Konflikte, die unausweichlich sind: Die einzigen natürlichen Feinde des Bibers sind der Mensch und er selbst: Krankheiten, Inzucht, territoriale Streitigkeiten und die Möglichkeiten des Lebensraums setzen ihm Grenzen.

Im Aargau wird des Bibers Treiben mit einem kantonalen Monitoring beobachtet. «Eine aktive Bestandsregulierung machen wir aber nicht, das wäre beim Biber nicht sinnvoll», sagt Christian Tesini. Stattdessen wird jeder Einzelfall geprüft, und mögliche Massnahmen werden beraten. «Denn ein einzelner Biber kann unter Umständen einen enormen Schaden anrichten, während anderswo eine ganze Familie unauffällig bleibt», so Tesini.

Am augenfälligsten wird seine Anwesenheit jeweils im Winter, wenn er sich mangels Alternativen von Baumrinde ernährt und dazu besonders viele Bäume fällt.