Aarau
Unzufriedene Bewohner: Altstadtentwicklung muss in die Zusatzschleife

Der Stadtrat will die Konflikte auf dem Verhandlungsweg mit den Wirten und Veranstaltern lösen. Laut Stadtpräsident Guignard sollen Gespräche wenn irgendwie möglich noch in diesem Jahr ausfgenommen werden.

Hermann Rauber
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Flanieren in der Altstadt: Zum Problem ist der «Nachtbetrieb» geworden mit seinen Begleiterscheinungen Lärm und Abfall.

Flanieren in der Altstadt: Zum Problem ist der «Nachtbetrieb» geworden mit seinen Begleiterscheinungen Lärm und Abfall.

André Albrecht

Laut Stadtpräsident Marcel Guignard hat die Behörde darauf verzichtet, die bekannten Problemfelder Lärm und Littering mit einem obrigkeitlichen Ukas aus dem Rathaus zu lösen. Stattdessen sucht man nun mit den direkt Betroffenen auf dem «pragmatischen Weg» und mit bilateralen Gesprächen einen Konsens.

Dies soll, so Guignard, wenn immer möglich noch in diesem Jahr passieren, doch werde sich nach den Wahlen vom 22. September auch der auf den 1. Januar 2014 personell neu zusammengesetzte Stadtrat «mit Sicherheit ebenfalls mit dem Vorhaben beschäftigen».

Gestartet worden war das Prozedere im Mai 2011 mit einer breit gefächerten «Altstadt-Konferenz», welche die verschiedenen Nutzer (Eigentümer, Bewohner, Detailhandel, Wirte) an einem Tisch vereinigte. Als wesentliche Anliegen kristallisierten sich die folgenden Punkte heraus: Neugestaltung Färberplatz, Überdenken der Buslinien, Lösen des Lärm- und Abfallproblems und das Sicherstellen der vielfältigen Ansprüche durch Erstellen eines Nutzungskonzeptes. Ein solches fehlt aber mit dem Entscheid des Stadtrates, der sich kurz vor dem Maienzug nicht zu einem Massnahmenbeschluss durchringen konnte oder wollte.

Dem Stadtrat sei es «ein Anliegen, dass die heute schon belebte Altstadt im Rahmen der Rechtsordnung möglichst gut gedeihen kann». So steht es in einem internen Schreiben von Andreas Burri, dem Leiter der Fachstelle Wirtschaftsförderung der Stadt, an die begleitende Resonanzgruppe.

Weil das vorgeschlagene Konzept aber «noch nicht alle Aspekte der gewünschten Entwicklung festhält», habe der Stadtrat zum jetzigen Zeitpunkt auf definitive Massnahmen verzichtet. Es gehe in nächster Zukunft darum, «in geeigneter Form mit den Hauptakteuren die notwendigen Verbesserungen zu erreichen», schreibt Burri weiter.

Marcel Guignard bestätigt diesen «pragmatischen» Entscheid, der allerdings nicht bedeute, dass man das Geschäft «auf die lange Bank schiebt». Die bilateralen Verhandlungen mit den direkt Betroffenen, die primär für den «Nachtbetrieb» verantwortlich zeichnen, würden zügig an die Hand genommen. Der Stadtpräsident erwartet noch in diesem Jahr entsprechende Ergebnisse.

Diese «Zusatzschlaufe» stösst nicht überall auf Verständnis. Laut Marcel Suter, Präsident der Detailhandelsvereinigung Zentrum, hätte man sich die (auch finanziell) aufwändige «Übung» sparen können, denn «eine Strategie für die aktive Weiterentwicklung des historischen Quartiers sei nach wie vor nicht erkennbar».

Das Zentrum will nicht locker lassen und wird seine Forderungen bereits am kommenden 11. September im Unteren Rathaus erneut auf den Tisch legen. Konkret geht es laut Suter um eine bessere Belegung der meistens brachliegenden Markthalle auf dem Färberplatz und um attraktivere Übergänge von der City in die Altstadt. Ein weiteres Thema wird auch die Umleitung der BBA-Busse bei Grossanlässen sein.

Ähnlich tönt es aus dem Vorstand des Vereins Aarauer Altstadtbewohnerinnen und -bewohner (VAA). Gemäss Präsident Bruno Nüsperli habe man im Rathaus die Probleme zwar erkannt, aber nicht den Mut für konkrete Massnahmen aufgebracht. Die Wohn- und Lebensqualität in der Altstadt sei seit längerer Zeit «sinkend». In einem Rundschreiben an die Quartierbewohner warnt der Vorstand des VAA vor trügerischen Wahlplakaten mit dem allgemeinen Slogan «Für eine lebendige Altstadt!» und empfiehlt, am 22. September nur bürgerliche Kandidaten zu wählen, weil diese die Anliegen der Bewohner am ehesten vertreten würden.

Vorerst zufrieden sein dürfte ein Teil der Restaurant- und namentlich die Clubbetreiber in der Altstadt, die mit dem Status quo im Gegensatz zu den Anwohnern bestens leben können.

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