Aarau

«Unverpackt»-Laden vor Eröffnung: Hier gibt es sogar kompostierbare Zahnbürsten

Nadine Almer, Regula Simsa, Andrea Hilfiker und Barbara Reusser (v.l.).Mario Heller

Nadine Almer, Regula Simsa, Andrea Hilfiker und Barbara Reusser (v.l.).Mario Heller

Am Samstag eröffnet der «Unverpackt»-Laden an der Milchgasse in Aarau. Bis es so weit ist, braucht es noch viel Einsatz. Und noch mehr Kaffee.

Die Zahnbürsten sind da. Nadine Almer jauchzt vor Freude. So viel Erleichterung über eine Schachtel voller Zahnbürsten, das sagt eigentlich schon alles. Der Druck, der auf dem «Unverpackt»-Team lastet, ist enorm. Am Samstag ist Eröffnung, am Samstag muss im Lokal an der Milchgasse 5 alles fertig sein. Und nur weil auf dem einen Regal alle Behälter schon voll sind, heisst das noch nicht, dass das auch so bleibt. «Es ist wie beim Einrichten einer neuen Küche», sagt Barbara Reusser. «Kaum hat man sie eingerichtet, merkt man, dass es anders rum viel praktischer wäre.»

Die Zahnbürsten sind nicht irgendwelche Zahnbürsten. Sie sind aus Bambus. Sind sie verbraucht, landen sie nicht im Abfall, sondern auf dem Komposthaufen. Das ist das Konzept des ersten Aarauer «Unverpackt»-Ladens: Hier kann der gesamte Wocheneinkauf erledigt werden, ohne dass danach auch nur der kleinste Fitzel Plastik im Abfall landet. «Das ist es, was uns von anderen Läden in Aarau unterscheidet, die ebenfalls Ware unverpackt anbieten», sagt Regula Simsa, «wir bieten das gesamte Sortiment unverpackt an.»

260 Artikel ohne Verpackung

Rund 260 Artikel stehen in den Regalen; von der Zahnbürste über Gemüse und Brot, Nüsse, Getreide, Nudeln, Brot, selbst Putzmittel, WC-Papier und Deo haben keine Verpackung oder wenn, dann eine wiederverwendbare. Selbst Damenbinden und andere Hygieneprodukte kommen aus, ohne Abfall zu produzieren, man kann sie einfach auswaschen. Entweder bringt der Kunde das Gefäss – Glas, Chromstahlbehälter, Stoffsäckli – mit und füllt das Gewünschte ein, oder er kauft das Produkt im Glas und bringt es später gegen Depot zurück. «Gewisse Produkte wie Sirup oder Wein lassen sich aus verschiedenen Gründen, beispielsweise dem Aroma oder der Gährung, einfach nicht im grossen Gefäss anbieten», sagt Barbara Reusser.

Damit jeder Kunde glücklich wird, darf jeder bei der Sortimentgestaltung mitreden: «Wenn ein Kunde etwas vermisst oder ihm ein Produkt in der Form nicht passt, dann nehmen wir das auf», sagt Nadine Almer. Das sei der genossenschaftliche Gedanke, der beim «Unverpackt»-Laden eine grosse Rolle spielt. Vor allem darf der Kunde Fragen stellen, zu Herkunft, zu Zusammensetzung, zu Hersteller. «Wir kennen praktisch jeden Lieferanten persönlich», sagt Almer. Ausserdem liegt im Laden ein Buch auf, in dem sämtliche Lieferanten vorgestellt werden, inklusive einer Kontaktmöglichkeit für spezifische Fragen oder bei tiefer gehendem Interesse. «Transparenz ist uns wichtig», sagt Barbara Reusser.

Keine Konkurrenz

Was dem «Unverpackt»-Team auch wichtig ist, ist das Einbetten in die bestehende Aarauer Laden-Landschaft. «Wir wollen niemanden konkurrenzieren, da verlieren am Schluss immer beide», sagt Regula Simsa. Deshalb habe man Läden mit unverpackten Artikeln eine Zusammenarbeit und einen Sortimentabgleich angeboten. Beispielsweise gibt es zwar im «Unverpackt» Tee zu kaufen, aber keinen, den das «Teeblatt» vis-à-vis auch anbietet.

Jetzt tickt die Uhr, die Zeit rennt. Die künftigen Kunden sind ungeduldig und gespannt. Viele gute Rückmeldungen haben die Frauen in den letzten Wochen erhalten, das Echo auf die Genossenschaftsanteile ist besser als gedacht. «Die Leute haben wirklich auf einen Laden wie unseren gewartet», sagt Barbara Reusser. Doch noch bleibt so viel zu tun. Was tagsüber nicht erledigt werden kann, tun die Frauen nachts. Schürzen nähen, zum Beispiel. «Wir sind alle etwas zittrig», sagt Regula Simsa und lacht. «Wegen Schlafmangel, zu viel Kaffee und vor lauter Aufregung.» Und eigentlich sei es ihnen nicht mehr ums Einrichten und Schwatzen. «Jetzt wollen wir endlich unsere Kunden begrüssen.»

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