Aarau
Unveröffentlichte Texte aus der Schublade

Eine neue Idee für die Stadt Aarau: Christine Schnapp startet einen «Salon libre» für junge, heimliche Schreiberlinge mit unveröffentlichten Texten.

Sabine Kuster
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Im «Barracuda» wagten sich die ersten Mutigen ins Scheinwerferlicht. kus

Im «Barracuda» wagten sich die ersten Mutigen ins Scheinwerferlicht. kus

Am Donnerstagabend fand zum ersten Mal in Aarau eine Open-Mic-Veranstaltung statt: eine Plattform für unveröffentlichte Texte. «Das fehlte in Aarau noch», findet die 36-jährige Christine Schnapp. Im Kulturlokal Ono in Bern hatte sie schon einige solcher Abende erlebt und gesehen, wie die Kultur des freien Wortes gewachsen ist. Auch das Müllerhaus in Lenzburg kennt sie, in Aarau aber soll sich ein «Salon libre» für jüngere Autoren etablieren.

Der Start war hart: Nur zwei Autorinnen wagten sich ins Scheinwerferlicht – darunter sie selbst. Und die meisten Gäste waren wegen des Biers ins «Barracuda» gekommen, nicht wegen den Trouvaillen aus den Schubladen der heimlichen Autoren.

Umso erfrischender klangen dann die beiden kurzen Sequenzen Literatur, «Tea Time» und «Eine Nacht im Kaufhaus». Letzterer endete so: «Ihre Augen gingen zu. Florians Augen gingen zu. Edgars Augen gingen zu. Der Mann kam. Der Mann kam noch einmal. Ihre Augen gingen auf. Dem Mann gingen die Augen über.» Die Biertrinker machten grosse Augen: So etwas hatten sie noch nie gehört.

Der «Salon libre» wird im Mai und Juni erneut stattfinden. Dann wird sich zeigen ob die Open-Mic-Kultur auch in Aarau Fuss fassen wird.

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