Unterentfelden

Unterentfelder holt Bronze an der Biologie-Olympiade

Daniel Ballmer (Mitte) mit seinen Kollegen aus der Schweiz und Liechtenstein. zvg

Daniel Ballmer (Mitte) mit seinen Kollegen aus der Schweiz und Liechtenstein. zvg

Der Unterentfelder Daniel Ballmer hat an der Biologie-Olympiade in Taiwan die zweite Bronze-Medaille geholt. Nur schon die Teilnahme war ein riesiger Erfolg. Insgesamt massen sich 227 Jugendliche aus 28 Ländern.

An der 22. Internationalen Biologie-Olympiade in Taiwan haben die jungen Schweizerinnen und Schweizer drei Medaillen gewonnen. Daniel Ballmer aus Unterentfelden holte Bronze. Er hat die Neue Kanti Aarau besucht.

Nur schon die Teilnahme ist ein riesiger Erfolg. Das Viererteam musste sich gegen über 1000 Mitbewerberinnen und -bewerber aus der ganzen Schweiz qualifizieren. Insgesamt massen sich 227 Jugendliche aus 28 Ländern während einer intensiven Woche in Taipeh. Es geht bei der Internationalen Biologie-Olympiade (IBO) nicht nur um den wissenschaftlichen Wettbewerb, sondern auch um den kulturellen Austausch und die Kontakte unter Jugendlichen aus aller Welt. Die az Aargauer Zeitung hat sich mit Daniel Ballmer per Mail unterhalten. Er weilt mittlerweile in Neukaledonien, wo er für eine Naturschutzorganisation arbeitet.

Herr Balmer, wie haben Sie die Biologie-Olympiade in Taiwan erlebt ?

Daniel Ballmer:Für mich war es ja schon die zweite, aber so ein Anlass ist und bleibt etwas ganz Spezielles. Sie müssen wissen, dass so eine Olympiade nur aus zwei Prüfungstagen besteht, der Rest sind Exkursionen und Abende mit Freunden. Es ist unglaublich: Man sitzt in einer Runde mit Slowenen, Iranern, Aserbaidschanern, Deutschen, Indern und amüsiert sich mit Kartenspielen, die jeder kennt. Glücklicherweise hatten die meisten von uns ein gutes Englisch. Sonst wäre es schwierig geworden.

Was waren die Motive, an der Olympiade teilzunehmen?

Um ganz ehrlich zu sein: Mein Hauptmotiv war die Reise. Ich schreibe aus Neukaledonien, wo ich ein halbjähriges Praktikum bei einer Naturschutzorganisation mache. Das hatte ich schon vor dem Ende der Schweizer Ausscheidung eingefädelt. Und dank der IBO war mein Hinflug gratis. Der zweite Grund war natürlich Taiwan selbst. Eine Gelegenheit, fremde Kulturen kennenzulernen, sollte man immer nutzen. Besondere Ambitionen bezüglich der Olympiade hatte ich eigentlich kaum, insbesondere auch, weil ich letztes Jahr bereits Bronze gemacht hatte.

Wie haben Sie Taiwan erlebt?

Das olympische Camp ist ein abgeschlossenes System. Man wird immer herumgeführt (zum Glück von sehr netten Guides, die später wirklich gute Freunde wurden), damit man das Schönste vom Gastgeberland sieht. Wir reisten nach der Olympiade noch zehn Tage durchs Land, wo wir Natur und Kultur hautnah erlebten. Nicht nur die Attraktionen, auch versteckte Schönheiten. Unter Taiwan stellt man sich in der Schweiz wohl zuallererst eine kalte asiatische Business-Kultur vor. Dies beschränkt sich aber auf einige Viertel in Taipeh. Der Rest des Landes ist extrem vielfältig. Die Einwohner sind sehr höflich und gastfreundlich. Wir hatten einige unvergessliche Erlebnisse.

Warum gerade Biologie? Ihr Lieblingsfach?

Unter Anderem. Ich mochte auch Deutsch, Pause und Freifach Theater. Aber in diesen Fächern gibt es keine Olympiade. Bleibt also Bio.

Worin wurden Sie geprüft? Welches war das Prüfungsthema?

Alles. Die IBO deckt möglichst alle Themen der Biologie ab, vom Molekül bis zum Ökosystem. Die vier Praktika hatten die Themen Molekularbiologie, Zoophysiologie und -anatomie, Pflanzenphysiologie und Systematik/Ökologie. Meine Faszination liegt bei Letzterem. Einen grossen Teil der Bewertung machten allerdings die biochemischen Themen aus, die mich nicht so sehr interessieren. Das ist verständlich, da momentan gefühlte neunzig Prozent aller Arbeitsplätze in der Biologie in dieser Sparte liegen.

Verraten Sie mir doch etwas zu Ihrer Person, ihrer Familie.

Meine Familie unterstützt mich immer, auch wenn sich meine Eltern manchmal etwas mehr Einsatz für die Schule gewünscht hätten. Aber sie haben mich nie zum Lernen oder überhaupt zu irgendwas gezwungen, wofür ich ihnen angesichts der Asiaten an der IBO unendlich dankbar bin. – Meine Schwester Lisa ist mir dicht auf den Fersen, sie beginnt gerade ihr drittes Schuljahr an der Neuen Kantonsschule Aarau. Wir skypen oft alle vier zusammen. Lisa war letztes Jahr in den USA im Austausch. Es hat sie etwas getroffen, dass wir Weihnachten schon wieder nicht gemeinsam feiern können.

Und Ihre Interessen, Hobbys?

Drei Interessen habe ich, seit ich denken kann: Biologie, Schauspielern und Schreiben. Komische Mischung, nicht wahr? Anfang Jahr wurde das sozialkritische Musical «Die ArmSeligen» in Aarau aufgeführt, eine gemeinsame Maturaarbeit mit Ivo Rickenbacher. Vor meiner Abreise war ich Mitglied in zwei Improvisationstheatergruppen, züchtete tropische Insekten und schrieb für das Parteiblättchen der Aargauer Grünen. All dies möchte ich nach meiner Rückkehr wieder aufnehmen, vielleicht mit Ausnahme der Insekten. Wer weiss, wohin es mich als nächstes verschlägt, und anspruchsvolle Arten in gute Hände weiterzugeben, ist nicht leicht.

Wo stehen Sie in Ihrer Ausbildung?

Momentan ausserhalb. Der Zivildienst wollte mich nicht, von Schulen brauche ich erst mal eine Pause, und ich wollte mich schon immer einmal für etwas richtig Sinnvolles engagieren. Also wurde ich Naturschützer auf Neukaledonien.

Haben Sie Berufsziele?

Nächstes Jahr möchte ich mich an verschiedenen Schulen im deutschsprachigen Raum für ein Studium in Schauspiel oder literarischem Schreiben bewerben. Mein Berufsziel ist Drehbuch- und Stückautor, was man leider nicht direkt studieren kann. Früher wollte ich Ökologie und Evolutionsbiologie studieren.

Was machen Sie in Neukaledonien?

Ich arbeite in Nouméa, etwa fünf Flugstunden östlich von Australien. Mein Arbeitgeber ist eine einheimische Naturschutzorganisation namens Mocamana. Ende August eröffnen wir einen neuen Lehrpfad durch den Trockenwald. Ich werde momentan vor allem als Fotograf und Grafiker eingesetzt. Ich habe aber auch schon bei der Wiederaufforstung mitgeholfen. Nebenbei forsche ich an Spinnen. Das war eigentlich nicht vorgesehen, aber in meiner ersten Woche fanden wir eine bizarre Spinnenart, die höchstwahrscheinlich noch unbeschrieben ist. Sie trägt einen Fortsatz in Form einer E-Gitarre auf dem Abdomen, der fast doppelt so lang ist wie sie selbst.

Wann kehren Sie zurück?

Auf meinem Rückflugticket steht, dass ich am 22. Januar 2012 in Zürich landen werde. Einige meiner Freunde glauben allerdings, dass ich nicht mehr zurückkommen werde. Davon sehe ich im Moment noch ab. Einerseits wäre es schade ums Rückflugticket, und andererseits würde ich doch recht gerne eine Ausbildung abschliessen.

Was sind Ihre Eindrücke von Neukaledonien, von Kultur, Gesellschaft, Menschen?

Die Hauptinsel von Neukaledonien misst etwa einen Drittel der Fläche der Schweiz. Allerdings leben hier lediglich 200000 Menschen, die Hälfte davon in der Hauptstadt Nouméa. Der Rest der Insel besteht aus bewaldetem Hügelland, Stränden und Nickelminen, welche die Bäche verseuchen. Nouméa, der einzige Teil des Landes, den ich bisher gesehen habe, ist europäisch. Das Leben ist nur geringfügig günstiger als in der Schweiz. Aber die Menschen sind lockerer, wir haben gleitende Bürozeiten. Man ist sehr nett. Für einen Schweizer ist es ein spezielles Erlebnis, wenn eine Jugendbande in Kapuzenpullis freundlich Bonsoir sagt.

Neukaledonien ist eine zu Frankreich gehörige Inselgruppe im südlichen Pazifik. Wie unterhalten Sie sich mit den Bewohnern?

Wenn ich Einheimische auf Französisch anspreche, wechseln die meisten gleich auf Englisch. Das Traurige dabei ist, dass ihr Englisch meist noch viel schlechter ist als mein Französisch, und dass sie oft akzentfreies Englisch nicht verstehen. Hier bin ich für viele einfach «le Suisse».

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