Unterentfelden
Nach dem Weltkonzern und der Grossbank will er nun in die Dorfpolitik

Guido Scherer (59, FDP) will sich künftig im Gemeinderat einbringen. «Ich will der Gemeinde etwas zurückgeben», sagt er. Als Vizepräsident der Finanzkommission ist er sich aber um die eingeschränkten Möglichkeiten bewusst. Eine Fusion mit Aarau könnte «eine strategische Option» sein.

Daniel Vizentini
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Auf der Distelbergwiese in Unterentfelden hat Gemeinderatskandidat Guido Scherer einen grossen Teil seiner Kindheit verbracht.

Auf der Distelbergwiese in Unterentfelden hat Gemeinderatskandidat Guido Scherer einen grossen Teil seiner Kindheit verbracht.

Fabio Baranzini

«Es heisst Zukunftsraum, nicht Gegenwartsraum.» Mit diesem Satz hinterliess Guido Scherer (FDP) an der Infoveranstaltung zum Zukunftsraum Aarau vor rund einem Jahr einen bleibenden Eindruck. Doch so dezidiert er sich zu politischen Themen äussert: Als Privatperson zeigt er sich ausgelassen, redefreudig und mit viel Humor.

Nach vier Jahren in der Finanzkommission der Gemeinde kandidiert er nun für den Gemeinderat. Für die FDP geht es darum, den bei den letzten Wahlen verloren gegangenen zweiten Sitz im Gemeinderat zurückzuerobern. Und er persönlich wolle «Unterentfelden etwas zurückgeben». In der Gemeinde aufgewachsen, studierte er in St.Gallen an der HSG, arbeitete über 20 Jahre in Zürich beim Weltkonzern für Technologieberatung Accenture und später fast zehn Jahre bei der UBS.

Vor 23 Jahren überzeugte er seine Ehefrau von Unterentfelden und zog ins Dorf zurück. Die beiden Söhne des Ehepaars wuchsen dort heran, so wie einst Guido Scherer selbst. «Die Wiese am Distelberg, das war früher unser Revier», erzählt er. «Im Winter wurde sie zum Schlittelhügel, im Sommer bauten wir Schanzen und fuhren mit dem Velo darüber.» Guido Scherer erinnert sich an eine glückliche Kindheit, seine Eltern wohnen immer noch wenige Meter von der Wiese entfernt. «Dass wir nun zu ihnen schauen können, war mit ein Grund für die Rückkehr ins Dorf.»

Elektroautos, Elektrovelo und Solaranlage auf dem Dach

Aktuell arbeitet der 59-Jährige mit einem Kollegen an einem neuen Elektromobilitätsprojekt. Als grosser Tesla-Fan mit bald zwei Elektroautos liegen Guido Scherer Technologie und Nachhaltigkeit am Herzen. Begeistert erzählt er von der Solaranlage auf seinem Dach samt Hausbatterie. Zum Termin an der Distelbergwiese kommt er mit dem Elektrovelo angefahren. An diesem sonnigen Tag kann er mit seinem Handy von dort aus beobachten, wie viel Strom die Solarzellen bei ihm zuhause gerade am produzieren sind.

Mit diesen Hobbys wäre Guido Scherer eigentlich prädestiniert für einen Posten bei den Grünliberalen. Er winkt aber ab: Die FDP sei historisch gesehen die lösungsorientierte Partei, die den Milizgedanken hierzulande am besten stütze, wie er sagt.

«Meinen Deutschen Cousins erzähle ich immer wieder von den Vorzügen unseres Milizsystems. Das ist wirklich eine Stärke der Schweiz.» Mit verschiedenen Personen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, sei genau das, was er jahrzehntelang in seiner Arbeit gemacht habe. Diese Erfahrung wolle er auch im Gemeinderat gerne ausspielen.

«Gemeinde müsste sich in die Führung der Badi einmischen»

Seine Eltern stammen aus Bayern, «das sieht man meinem bayerischen Bauch etwas an», sagt er humorvoll. Guido Scherer geniesst das Leben, schwärmt von der Unterentfelder Dorfmusik und ihrem «sehr hohen Niveau» und schaut der Zukunft eigentlich positiv entgegen, auch wenn die Finanzen der Gemeinden nicht allzu viel zulassen. Als Vizepräsident der Finanzkommission sei er sich der angespannten Lage bewusst, zuletzt wurde von einer Erhöhung des Steuerfusses um satte zehn Prozentpunkte gesprochen.

Gross wachsen könne Unterentfelden nicht, mit der Schule stünden hohe Investitionen an, «die jetzt Priorität haben». Ein Ort, an dem er gerne sparen würde, ist das mit Oberentfelden gemeinsam geführte Schwimmbad, das allein für Unterentfelden jährlich 300'000 Franken Defizit mache. In Unterentfelden wären dies fast vier Steuerprozente. «Ich weiss, ich mache mich da unbeliebt, aber die Gemeinde müsste sich da in die Führung einmischen können. Weitermachen wie bisher geht für mich nicht.»

Eine Fusion mit Aarau sei «eine strategische Option», wie auch ein Alleingang

Zur Zukunft der Gemeinde könnte auch die Fusion mit Aarau gehören, die er für eine strategische Option hält. «Wir müssen aber zuerst an der Zukunftskonferenz von nächster Woche verstehen, was die Bevölkerung eigentlich will», sagt er.

Das Projekt Zukunftsraum, das Unterentfelden bejaht hatte, hatte die Gemeinde in einem regional grösseren Raum «auf Augenhöhe» behandelt. Falls nun eine Fusion nur mit Aarau zu Stande kommen soll, müsse das Projekt genauso gut sein. «Wir sind der Juniorpartner, Aarau ist die grosse, professionelle Stadt. Wir müssten schauen, dass wir da auf eine vernünftige und für beide Seiten gute Art zusammenkommen, sonst ist der Alleingang besser.»

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