Unterentfelden
Die Schweiz rollt auf Entfelder Rädern: Über 100'000 Stück werden hier vertrieben

Die Firma FTA Fahrzeugtechnik in der Unterentfelder Suhrenmatt feiert den 60. Geburtstag. Chefin Karin Kaufmann führt das Familienunternehmen in zweiter Generation weiter. Es gehört zu den landesweit vier grössten Firmen in der Branche.

Daniel Vizentini
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Karin Kaufmann führt die Unterentfelder Firma FTA Fahrzeugtechnik in zweiter Generation.

Karin Kaufmann führt die Unterentfelder Firma FTA Fahrzeugtechnik in zweiter Generation.

Sandra Ardizzone

Räder sind überall: unter jedem Bürostuhl, Einkaufswagen, Rollkoffer, Spitalbett, Transport- oder Stapelwagen. In Supermärkten stehen ganze Kühlregale teils auf kleinen Rädchen. So unscheinbar, wie sie sind, nimmt man sie kaum wahr – und doch ginge ohne Räder nichts.

Bei jedem Rad, das in der Schweiz über den Boden rollt, ist die Chance gross, dass es einst in Unterentfelden vertrieben wurde: Seit 60 Jahren handelt das Familienunternehmen FTA Fahrzeugtechnik vom Industriegebiet Suhrenmatt aus mit grossen und kleinen Rädern, Rollen und Transportgeräten. Mit einem Sortiment von rund 4000 verschiedenen Rädern und einem Lagerbestand von an die 100'000 ist es hierzulande eines der vier grössten Unternehmen in der Branche.

Geführt wird es seit bald 30 Jahren von Karin Kaufmann in zweiter Generation. Ihr Vater Hans Walter Kaufmann hatte die Firma 1961 als Ingenieurbüro für Fahrzeugtechnik gegründet. Das Geschäft mit den Rädern lief aber derart gut, dass sich das Unternehmen bald darauf spezialisierte.

Karin Kaufmann lernte eigentlich Marketing, machte eine Ausbildung bei einer Bank, begann aber aushilfsweise im Betrieb ihres Vaters zu arbeiten. «Am Anfang fand ich es auch eher langweilig», sagt sie heute unverblümt. «Dann aber habe ich Feuer dafür gefangen.»

Schwere, leitfähige, rostfreie oder hochhitzebeständige Räder

Sie sah, wie vielfältig die Räderwelt ist, kam mit verschiedenen Branchen in Kontakt, denn überall gibt es Räder. Wenn sie heute unterwegs ist, selbst in den Ferien, achtet sie immer automatisch darauf, welche Räder wo verwendet werden. «Das ist ein wenig eine Berufskrankheit», sagt sie humorvoll.

Vor etwa 20 Jahren ist auch Karin Kaufmanns Lebenspartner Roland Wasem ins Unternehmen eingestiegen, heute teilen sie sich die Geschäftsleitung. Ihr Vater, Firmengründer Hans Walter Kaufmann, wurde im August 92 Jahre alt. Noch bis 90 habe er jede Woche im Betrieb vorbeigeschaut und mitgeholfen, erzählt sie. «Die FTA ist wie sein viertes Kind.» Nun bringt sie ihm jeweils die neuen Kataloge vorbei. «Er liest diese leidenschaftlich, ist begeistert nach wie vor.»

Die Angebotsvielfalt ist auch enorm gross: Karin Kaufmann führt durch das Firmenlager und zeigt etwa ein Schwerlastrad, das 50 Kilogramm wiegt. Es gibt auch elektrisch leitfähige Räder für grosse Datencenter, damit Mikrochips nicht durch statische Ladung kaputtgehen. Oder hochhitzebeständige Räder, speziell mit lebensmittelverträglichem Material gefettet, die etwa in Bäckereien eingesetzt werden und Temperaturen von bis zu 350 Grad aushalten.

Im Lager der FTA Fahrzeugtechnik in Unterentfelden stehen an die 100'000 Einzelstücke.

Im Lager der FTA Fahrzeugtechnik in Unterentfelden stehen an die 100'000 Einzelstücke.

Sandra Ardizzone

Rund 98 Prozent der Räder der FTA stammen von europäischen Herstellern, wie Karin Kaufmann sagt. Die meisten aus Deutschland, Italien, Finnland oder England. Auch aus ökologischen Gründen: Es sei schliesslich unsinnig, Dinge, die hier hergestellt werden, von weit weg zu importieren.

Bis in die 1980er-Jahren stellte die FTA in Unterentfelden noch Transportgeräte samt den Rädern her. Mit der steigenden Konkurrenz aus Asien wurde dieses Geschäft nicht mehr stemmbar, die FTA setzte den Fokus auf den Handel, seit 20 Jahren auch mit einer Niederlassung in Deutschland. Eine Werkstatt führt die Firma in Unterentfelden aber dennoch. Manche Kunden brauchen zum Beispiel kleine Rollen für ältere Industriemaschinen, für die es keine offiziellen Ersatzteile mehr gibt. Karin Kaufmann sagt:

«Wir versuchen, für alle Arten von Kunden Lösungen zu finden, und machen auch Sonderanfertigungen, wenn auch nur in kleinen Mengen.»
Im Betrieb herrscht angenehmes, familiäres Klima.

Im Betrieb herrscht angenehmes, familiäres Klima.

Sandra Ardizzone

Papiersparen, Minergiebau, kurze Arbeitswege: Die Umwelt stets im Fokus

Dank Onlineshop kam FTA gut durch die Coronakrise, wie Karin Kaufmann sagt. Sie sei vor Jahren schon eine der ersten in der Branche gewesen, die darauf gesetzt hat. Die Onlineverkäufe hätten sich in der Zeit verdoppelt, entsprechen heute etwa 30 Prozent vom gesamten Absatz.

Aktuell investiert die Firma in die Digitalisierung der Arbeitsabläufe. «Auch um Papier zu sparen», wie Karin Kaufmann sagt. Die Umwelt steht auch hier im Fokus: Seit zehn Jahren ist das Unternehmen in einem modernen Minergie-Bau zu Hause. Fast alle Wände sind aus Holz, nur zwischen der Lagerhalle und dem Büro nicht, wegen des Brandschutzes.

Auch beim Einstellen neuer Mitarbeitenden sei die Nähe ein Kriterium. Die meisten der 14 Angestellten wohnen im Dorf, «viele kommen mit dem Velo zur Arbeit», sagt Karin Kaufmann. Das alte FTA-Gebäude nebenan werde günstig an Start-ups vermietet. Und überhaupt herrscht im Betrieb ein spürbar angenehmes, familiäres Klima. Vielleicht auch dank Geschäftshund Yuki. «Sie ist unsere Büropsychologin. Und die heimliche Chefin», sagt sie.

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